Kundenkönig von FOCUS online - Ansturm auf den deutschen Pass! Termine für Einbürgerungstest oft für 2024 ausgebucht

Mehr als 200.000 Einbürgerungsanträge sind derzeit offen - und es könnten mehr werden.<span class="copyright">IMAGO/Nikito / BurdaForward</span>
Mehr als 200.000 Einbürgerungsanträge sind derzeit offen - und es könnten mehr werden.IMAGO/Nikito / BurdaForward

Viele wollen es, aber für viele wird es in diesem Jahr ein Marathon. Denn in vielen Großstädten sind die Termine für den aktuellen Einbürgerungstest nahezu ausgebucht. Die Betroffenen müssen zwar ihre Unterlagen einreichen, können aber nicht vor 2025 mit der Einbürgerung rechnen.

Camile ist 41 Jahre alt und lebt seit über 30 Jahren in Deutschland. Da sie für einen internationalen Pharmakonzern arbeitet, muss sie oft ins Ausland reisen. In diesem Jahr verpasste sie eine wichtige Konferenz, weil das französische Konsulat ihr zu spät ein Visum ausgestellt hatte. Nachdem sie von ihrem Arbeitgeber dafür gerügt wurde, beschloss sie, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.

„Ich habe lange mit dem Gedanken gespielt, hatte aber Angst vor der Bürokratie“, sagt die zweifache Mutter im Gespräch mit dem FOCUS-online-Kundenkönig. Ende April hat sie ihren ersten Antrag gestellt.

Gründe für den deutschen Pass sieht sie viele: „Ich habe mehr deutsche Freunde, habe kaum Vermögen in Frankreich, zahle nur in Deutschland Steuern und habe mit meinem Mann auch ein Häuschen in Augsburg gekauft. Hier werden wir auch unseren Lebensabend verbringen“, sagt Camile. Gleichzeitig reist sie viel ins Ausland, nach Australien, in die USA oder nach Asien.

Anfangs dachte sie, den deutschen Pass würde sie ohne Probleme bekommen. Doch ausgerechnet der Einbürgerungstest macht ihr einen Strich durch die Rechnung - und zwar nicht, weil sie die Fragen nicht beantworten kann.

Sondern weil die Termine ausgebucht sind. „Ich müsste den Termin bei der Volkshochschule machen. Tatsächlich stellt sich heraus: Wer heute einen Termin in München machen will, muss fünf Monate warten! Der nächste freie Termin wäre der 13. November. Doch der Termin ist nicht fix. „Die Prüfungsbestätigung und den genauen Termin erhalten Sie per Post“, heißt es auf Nachfrage beim Kundenservice.

Kein Einzelfall! Auch in anderen Städten wie Stuttgart, Frankfurt oder Hamburg gibt es erhebliche Wartezeiten. Teilweise gibt es kaum noch Termine für 2024. „Man kann sich noch auf die Warteliste setzen lassen“, heißt es etwa in Köln. Springt ein Bürger ab, rücken Wartende einfach nach. Chaotischer geht es in Berlin zu. Statt sich digital anzumelden, müssen Interessierte dort persönlich bei der Volkshochschule vorsprechen. Mitarbeiter vergeben dann Wartenummern. Wer eine bekommt, hat seinen Termin sicher. Sind die violetten Wartenummern aufgebraucht, muss man am nächsten Tag wiederkommen. Da sich vor den Volkshochschulen in den Morgenstunden endlose Schlangen bilden, muss oft Sicherheitspersonal eingesetzt werden.

Warum wird auf eine digitale Lösung verzichtet und unnötig Personal mit der Ausgabe von Wartemarken statt mit der Bearbeitung von Anträgen beschäftigt? Völlig unverständlich.

Lange Fahrtzeiten für einen Termin zur Einbürgerung

Auch deshalb verzeichnen die Volkshochschulen in den umliegenden Städten eine höhere Nachfrage. Statt beispielsweise auf einen Termin in München zu warten, wenden sich viele Interessenten nach Fürstenfeldbruck, Ingolstadt, Rosenheim oder auch Starnberg. Auch Camile hat sich für Fürstenfeldbruck entschieden. „Dort habe ich bereits Anfang Juli einen Termin. Wenn alles klappt, kann ich die Einbürgerung bis September abschließen.“

Das hängt aber auch davon ab, wie schnell der Test ausgewertet wird. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) schicken die Volkshochschulen die Anmeldung zum Test an die Behörde. Diese stellt dann den Fragenkatalog zusammen. Aus 300 Fragen wählt das BAMF 33 für die Kandidaten aus und schickt sie an die Volkshochschule zurück. Am Prüfungstag haben die Kandidaten dann eine Stunde Zeit, um mindestens 17 Fragen richtig zu beantworten. Nur dann gilt die Prüfung als bestanden. Die Auswertung erfolgt jedoch nicht durch die Volkshochschule, sondern durch das BAMF. Die Wartezeit beträgt daher in der Regel bis zu zwei Monate.

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Schlechte Personallage – ein Jahr warten für die Bearbeitung

Andere haben nicht so viel Glück. Weil die Behörden unterbesetzt sind, kann sich die Wartezeit in der Regel in die Länge ziehen. Allein in Köln berichten Interessierte, dass sich die Einbürgerung oft über mehrere Jahre hinziehen kann - und das nur, weil die zuständigen Behörden unterbesetzt sind. Das hat auch eine Recherche des WDR Anfang des Jahres ergeben. In rund einem Viertel der Ämter, die eine Rückmeldung zur Personalsituation gaben, waren mehr als zehn Prozent der Stellen unbesetzt.

Doch damit nicht genug! In den bevölkerungsreichsten Städten Deutschlands sind derzeit mehr als 204.000 Einbürgerungsanträge offen. Das geht aus einer Umfrage des Mediendienstes Integration hervor, für die 42 Städte genaue Angaben gemacht haben. Hinzu kommen Einbürgerungswillige, die auf einen Termin bei den zuständigen Behörden warten und in den Antragszahlen noch nicht enthalten sind.

Wie lange ein Einbürgerungsantrag bearbeitet wird, variiert der Umfrage zufolge stark. Sie liegt zwischen drei und 36 Monaten. Als Gründe für eine lange Bearbeitungsdauer werden von den befragten Städten der zunehmende Bearbeitungsstau, die Unvollständigkeit der eingereichten Unterlagen und die Beteiligung anderer Behörden genannt.

So viel kostet die Einbürgerung

Die Einbürgerungsgebühr beträgt 255 Euro pro Person. Für minderjährige Kinder, die zusammen mit ihren Eltern eingebürgert werden, sind 51 Euro zu zahlen. Der Einbürgerungstest kostet zusätzlich 25 Euro. Für professionelle Passfotos sind weitere 20 Euro zu zahlen.

Neues Staatsangehörigkeitsrecht gilt ab Donnerstag

Ab diesem Donnerstag (27. Juni) haben Einbürgerungswillige bereits nach fünf statt bisher acht Jahren Anspruch auf die Einbürgerung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bewerber alle Voraussetzungen erfüllen. In der Regel ist ein Einbürgerungstest vorgeschrieben. Für ehemalige Gastarbeiter oder Vertragsarbeiter in der DDR gilt, dass sie für die Einbürgerung nur mündliche Deutschkenntnisse nachweisen und keinen gesonderten Test ablegen müssen.

Bei besonderen Integrationsleistungen können Ausländer bereits nach drei Jahren Deutscher werden. Voraussetzungen für die schnellere Einbürgerung sind zum Beispiel gute Leistungen in Schule oder Beruf, gute Sprachkenntnisse oder ehrenamtliches Engagement. Die doppelte Staatsbürgerschaft wird generell zugelassen.