Kurt Krömers erste Frage an Karl Lauterbach: "Nerven Sie, oder nerven Sie nicht?"

teleschau
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Die Gäste haben es bei Kurt Krömer (links) traditionell nicht leicht. SPD-Politiker Karl Lauterbach wurde aufgrund seiner vielen Talkshow-Auftritte beim rbb-Talk "Chez Krömer" veräppelt: "Sie sind öfter bei Markus Lanz als er selbst." (Bild: rbb / Daniel Porsdorf)
Die Gäste haben es bei Kurt Krömer (links) traditionell nicht leicht. SPD-Politiker Karl Lauterbach wurde aufgrund seiner vielen Talkshow-Auftritte beim rbb-Talk "Chez Krömer" veräppelt: "Sie sind öfter bei Markus Lanz als er selbst." (Bild: rbb / Daniel Porsdorf)

So viele Talkshow-Runden SPD-Politiker Karl Lauterbach zuletzt auch absolvierte, auf Auftritte in der Talksendung "Chez Krömer", welche der Mediziner nach eigener Aussage noch gar nicht kannte, kann man sich nicht vorbereiten ...

Ehre, wem Ehre gebührt: Als "Talkshow-König 2020" wurde Karl Lauterbach in der rbb-Talksendung "Chez Krömer" aufgrund seiner 31 Auftritte bei "Markus Lanz" und Co. im vergangenen Jahr angekündigt. Allerdings: Kurt Krömers Format hat der SPD-Politiker offenbar noch nie gesehen, wie er gleich zu Beginn des Gesprächs gesteht: "Ich kannte auch ihre Arbeit bisher nicht, aber es wurde nur in den höchsten Tönen gesprochen. Von daher sind meine Erwartungen hoch." Trotz Lauterbachs Unkenntnis über das Werk des Komikers, nahm er die Einladung an. "Leute haben mir empfohlen: 'Da musst du unbedingt mal hingehen. Der Typ bringt es."

Krömer empfand das laut eigener Aussage "nicht nur beleidigend, sondern auch ein bisschen vernichtend", aber konnte direkt mit einer gewohnt provokativen Frage bezüglich Lauterbachs Omnipräsenz in der Corona-Krise kontern: "Die große Frage ist: Nerven Sie, oder nerven Sie nicht?" Der Mediziner antwortete zunächst mit trockenem Humor, dass sich das in der Sendung herausstellen werde. Seine ernsthafte Antwort zu den vielen Talkshow-Auftritten: "Das Gefühl habe ich nicht, sonst würde ich nicht mehr hingehen."

Genervtheit sei zwar ein Gefühl, von dem er oft höre, aber das er selbst nicht spüre. "Ich glaube eher, dass ich polarisiere", schätzte Lauterbach die Situation ein. Er bemühe sich aber, nur in Sendungen zu gehen, bei denen er glaube, etwas Interessantes erzählen zu können. Wenn das nicht mehr der Fall wäre, würden die Leute abschalten - und er würde nicht mehr eingeladen.

SPD-Politiker Karl Lauterbach (links) verriet Kurt Krömer im launigen Interview, dass das Warnen in seiner Position zwar eine wichtige Währung sei, er aber keinesfalls darauf reduziert werden wölle. (Bild: rbb / Daniel Porsdorf)
SPD-Politiker Karl Lauterbach (links) verriet Kurt Krömer im launigen Interview, dass das Warnen in seiner Position zwar eine wichtige Währung sei, er aber keinesfalls darauf reduziert werden wölle. (Bild: rbb / Daniel Porsdorf)

"Wir raten im Prinzip zu den Dingen, die wir selbst nicht machen"

"Sie sind öfter bei Markus Lanz als er selbst", witzelte Krömer. Aber Menschen sähen nur die Talkshow-Auftritte, aber nicht die ganze Arbeit, die dahinter stecke, konstatierte der SPD-Politiker: "90 Prozent unserer Arbeit besteht darin, Lösungen zu finden." Lauterbachs Tag fange um halb acht morgens an und sei nicht vor zwei Uhr in der Nacht zu Ende. Wann er denn gedenke, seine Präsenz in den Medien zurückzufahren, wollte Gastgeber Kurt Krömer wissen. Die Antwort kam prompt: "Wenn ich den Eindruck habe, dass es super gut läuft und mein Beitrag geleistet ist." Dann würde er ohnehin weniger angefragt und würde auch weniger zur Verfügung stehen.

Angesprochen auf seine Rolle als Mahner - bereits vor der Pandmie, aber insbesondere seit deren Ausbruch -, gestand der SPD-Mann: "Für jemanden, der Epidemiologe ist, ist im politischen Geschäft die Warnung eine weitverbreitete Währung." Aufs Warnen reduzieren lassen, wollte er sich aber keineswegs. Immer wieder streute Lauterbach seinen trockenen Humor in das launige Gespräch mit Gastgeber Krömer ein. Manchmal würde man in seiner Position nicht warnen, sondern auch zu etwas raten - etwa zu mehr Sport. "Wir raten im Prinzip zu den Dingen, die wir selbst nicht machen, und wir warnen vor dem Rest", fasste er seine Sicht zusammen.

Ein weiteres Thema war das Amt des Gesundheitsministers, welches Karl Lauterbach in der aktuellen Regierung nicht angeboten wurde. "Ich verrate kein Geheimnis, ich hätte es genommen", erklärte der 58-jährige Bundestagsabgeordnete. "Ich wäre auch nicht in Überforderung untergegangen." Dennoch betonte Lauterbach, wie eng er mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zusammenarbeite. Oder woll er gar Bundeskanzler werden? "Darüber habe ich definitiv noch nicht nachgedacht", antwortete Lauterbach.

Der rbb schreibt über das Format: "Ob absurd-naive Fragen, böser Witz oder präziser Konter: Der Gast im Verhörraum ist dem unberechenbaren Krömer ausgeliefert." - Die Sendung mit Karl Lauterbach hat in diesem Sinne die Erwartungen zu 100 Prozent erfüllt.