Löning: Arbeitsbedingungen in Asiens Fabriken verbessern

Appell des Menschenrechtsbeauftragten der Regierung

Der Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning (FDP) hat an Unternehmen und Verbraucher in Deutschland appelliert, mit ihrem Verhalten zu einer Verbesserung der teils katastrophalen Arbeitsbedingungen in Asien beizutragen. "Wer in Fabriken im Ausland produzieren lässt, sollte beim Einkauf schon vertraglich festhalten, dass diese international gültige Arbeitsschutzstandards einzuhalten haben", sagte Löning der Nachrichtenagentur AFP.

Wichtig sei es, für den Fall von Verstößen Sanktionen zu vereinbaren - "bis zum Entzug des Auftrags". Gerade Firmen mit großen Stückzahlen wie Textil-Discounter oder Einzelhandelsketten könnten hier "enormen Druck" ausüben.

Löning appellierte auch an die Verbraucher, sich beim Einkauf stärker Gedanken über die Herstellung zu machen. "Dass ein T-Shirt, das ich für 4,95 Euro kaufe, nicht unter tollen Bedingungen entstanden sein kann, liegt doch auf der Hand." Die Verbraucher könnten "mehr Druck in die Debatte bringen", indem sie schon im Geschäft fragten, wo ein Kleidungsstück gefertigt worden sei und ob es ein Siegel für fair produzierte Mode trage. Solche Produkte müssten nicht zwangsläufig teurer sein, sagte Löning mit Blick auf die Gewinnmargen im Textilhandel.

Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen beklagen seit langem die Bedingungen, unter denen Arbeitnehmer bei Niedrigstlöhnen und ohne gewerkschaftliche Unterstützung in Ländern wie China, Vietnam, Bangladesch oder Indonesien Textilien, Sportartikel und Elektronik für westliche Märkte produzieren. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt der Brand in einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als hundert Toten. Dort hatte auch die Modekette C&A Kleidung schneidern lassen. Der taiwanische Apple-Zulieferer Foxconn musste zuletzt einräumen, in einem Werk in Ostchina Minderjährige beschäftigt zu haben.

Löning kündigte im Gespräch mit AFP an, das Problem der Ausbeutung von Arbeitnehmern in asiatischen Fabriken im kommenden Jahr stärker in seine Arbeit als Menschenrechtsbeauftragter einzubinden. "Es geht darum, die Lebensumstände von Millionen von Menschen zu verbessern." Viele Unternehmen - wie die Otto-Gruppe und der Sportartikelhersteller Puma - engagierten sich bereits stark. "Andere sind aber immer noch der Meinung, das geht sie nichts an", kritisierte Löning. Angesichts der Skandale der letzten Zeit könne es aber auch ein Verkaufsargument sein, "wenn ich als Unternehmer sagen kann, mein Produkt ist fair produziert".

In den Staaten selbst gebe es oft schon Gesetze zum Schutz von Arbeitnehmern, angesichts der weitverbreiteten Korruption und "schwach ausgeprägter staatlicher Strukturen" sei deren Durchsetzung aber schwierig. Die Bundesregierung leiste hier Unterstützung, "aber das entlässt die Behörden vor Ort natürlich nicht aus der Verantwortung", sagte Löning, der in diesem Jahr bei Besuchen in Vietnam und Myanmar mit Textilherstellern zusammentraf.

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