Labor-Verbandschef warnt vor Überlastung des Corona-Testsystems: "Das kann nicht ewig funktionieren"

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Ein Mann betritt in der Frankfurter Innenstadt ein Corona-Testcenter, das PCR-Tests anbietet.
Ein Mann betritt in der Frankfurter Innenstadt ein Corona-Testcenter, das PCR-Tests anbietet.

Die Zahl der Corona-Infektionen reißt in Deutschland weiter Rekorde. Am Mittwoch meldete das Robert-Koch-Institut eine 7-Tage-Inzidenz von über 400 und knapp 67.000 neue Corona-Fälle. Die vierte Welle der Pandemie bringt dabei nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch die Labormedizin an ihre Grenzen.

Der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) berichtete am Dienstag, dass 86 Prozent seiner Labore zurzeit mit der Durchführung von Corona-PCR-Tests ausgelastet seien. Der ALM ist der größte Laborverband in Deutschland, er vertritt über 200 medizinische Labore. Im Gespräch mit Business Insider warnt nun der ALM-Vorsitzende Michael Müller vor einer Überlastung des Corona-Testsystems.

"Wir haben in Deutschland eine Kapazität von ca. 2,2 Millionen PCR-Tests pro Woche. Das heißt, aktuell haben wir noch einen Spielraum von etwa 300.000 bis zur kompletten Auslastung. Danach sind wir in der Überlastung, und das können die Labore nicht unendlich mitmachen", sagt Müller. Die Auslastung der PCR-Kapazitäten werde in den kommenden Wochen zunehmen. Schon jetzt gäbe es Regionen – etwa in Bayern oder Baden-Württemberg –, wo die Labore über die Belastungsgrenze hinaus arbeiteten. "Das kann nicht ewig funktionieren."

Denn auch in Deutschlands Laboren seien die Mitarbeiter von Corona-Infektionen oder anderen Erkrankungen betroffen. "Sie stehen wie auch das Personal in Kliniken und Praxen seit bald zwei Jahren unter einer Dauerbelastung", sagt Müller. "Die Kräfte schwinden, wir brauchen Entlastung."

"Die PCR-Kapazitäten sind endlich und nicht beliebig ausbaubar"

Zwar versichert Müller, dass sich die Labore des ALM bemühen würden, die Kapazitäten für Corona-Testungen durch neues Personal und Gerätesysteme noch einmal zu erweitern. "Doch die PCR-Kapazitäten sind endlich und nicht beliebig ausbaubar", so der Immunologe.

Zur Entlastung der Labore brauche es deshalb drei Dinge. Zum einen müsse die Nationale Teststrategie der Bundesregierung strenger eingehalten werden. PCR-Tests sollten laut Müller nur bei symptomatischen Personen, nach positiven Antigen-Tests, bei Kontaktpersonen oder präventiv zum Schutz vulnerabler Gruppen eingesetzt werden.

"Zweitens müssen die Menschen, das heißt jede und jeder von uns, ihr Verhalten ändern und nur noch absolut notwendige Kontakte zulassen, um die Ausbreitung des Virus zu limitieren", sagt Müller. Die dritte Maßnahme, die der Labormediziner empfiehlt: "Impfen, impfen, impfen." Aus einer Pandemie könne man sich schließlich nicht heraustesten.

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