Lambrecht und Karliczek dringen auf Präsenzunterricht nach den Ferien

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Corona-Selbsttests in Bonner Schulklasse

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) wollen, dass nach den Sommerferien weitgehende Normalität in den Schulen einkehrt. "Nach den Sommerferien muss es wieder Schulunterricht in Präsenz geben", sagte Lambrecht der "Bild"-Zeitung vom Samstag. Auch Karliczek hofft auf ein Ende der "harten Zeiten" für Schülerinnen und Schüler. Die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz (CDU) mahnte Unterstützung besonders für Kinder aus Zuwanderungsfamilien an.

"Lehrer werden sich im Regelfall nicht weigern können, ab Herbst in Präsenz zu unterrichten", da bis dahin alle Lehrkräfte ein Impfangebot erhalten hätten, sagte Lambrecht der "Bild"-Zeitung. Die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren sei jedoch "keine Voraussetzung für Präsenzunterricht, Kinderfreizeiten, Sportverein, Schwimmbad". Die Maskenpflicht für Schulkinder solle "dort, wo es verantwortbar ist", sofort gelockert werden, "insbesondere im Freien".

Unterstützung dafür kam bekam Lambrecht vom Chef des Kinder- und Jugendärzteverbandes, Thomas Fischbach. Er sagte der Zeitung: "Wenn die Inzidenzen weiter so niedrig bleiben, dann sollten zumindest Grundschüler im Unterricht keine Masken mehr tragen müssen."

Bundesbildungsministerin Karliczek sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag: "Nach den harten Zeiten für alle Schülerinnen und Schüler in der Pandemie muss es ein zentrales Ziel der Politik sein, dass im nächsten Schuljahr möglichst regulärer Unterricht stattfindet." Alle Verantwortlichen sollten bereits jetzt beginnen, "Konzepte für diesen möglichst regulären Schulbetrieb nach den Sommerferien erarbeiten".

Die RND-Zeitungen zitierten aus einem Brief Karliczeks an die Kultusministerinnen und -minister der Länder, in dem sie für den Einsatz von Luftfiltern in Schulen wirbt. Im Förderprogramm des Bundes stünden noch knapp 500 Millionen Euro bis Ende 2021 zur Verfügung. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie Ihre Möglichkeiten nutzen könnten, dieses Angebot des Bundes bei den Schulträgern bekannt zu machen", schrieb Karliczek dem Bericht zufolge.

Die Bundesregierung will außerdem zwei Milliarden Euro zur Verfügung stellen, um Schülerinnen und Schüler beim Aufholen von Lerndefiziten zu unterstützen und zusätzliche Freizeitangebote zu finanzieren. Integrationsstaatsministerin Widmann-Mauz forderte, bei diesem sogenannten Aufholprogramm Kinder mit Zuwanderungsgeschichte besonders in den Blick zu nehmen.

Es müsse sichergestellt werden, "dass mit den Förderangeboten auch Kinder und Jugendliche mit Einwanderungs- und Fluchtgeschichte erreicht werden", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe vom Samstag. Als Beispiele nannte Widmann-Mauz Angebote zur frühkindliche Sprachförderung, aber auch außerschulische Freizeit- und Begegnungsangebote.

Die Linken-Vorsitzende Janine Wissler forderte als Lehre aus der Pandemie, die Klassengröße in den unteren Jahrgängen herabzusetzen. "Eine Klassengröße von 15 Kindern pro Grundschulklasse" müsse das Ziel sein, sagte sie den Funke-Zeitungen. Wem es ernst sei mit dem Ziel, den Kindern das Aufholen zu ermöglichen, der müsse hier ansetzen.

"Das Lernen fällt leichter, Inklusion funktioniert besser, und das Wohlbefinden ist höher", sagte Wissler zu den Vorteilen kleinerer Klassen. Die Richtgröße von 15 Kindern sei "nicht sofort erreichbar, aber utopisch ist es nicht". Nötig seien "ein bundesweites Programm für mehr Lehramtsstudienplätze und die Umwandlung von befristeten in sichere Stellen".

cne/isd

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