Landgericht Essen eröffnet im Mai zweites Verfahren gegen Middelhoff

Middelhoff

Vor dem Landgericht Essen beginnt am 11. Mai ein zweites Verfahren gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden des insolventen Karstadt-Quelle-Nachfolgers Arcandor, Thomas Middelhoff. Die Anklage richtet sich zudem gegen sechs frühere Mitglieder des Aufsichtsrats, wie das Landgericht am Freitag mitteilte. Hintergrund ist unter anderem ein Sonderbonus beim Ausscheiden Middelhoffs im Jahr 2009. Die Staatsanwaltschaft wertet die Zahlung in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro als Untreue.

Middelhoff war ab Mai 2005 Vorstandsvorsitzender der Karstadt/Quelle AG, die 2007 zur Arcandor AG umfirmierte. Im Juni 2009 beantragte Arcandor ein Insolvenzverfahren, dies wurde am 1. September 2009 eröffnet.

Middelhoffs Vertrag als Vorstandsvorsitzender sollte ursprünglich erst Ende 2009 auslaufen. Laut Anklage soll der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carls Janssen Middelhoff zu einem früheren Ausscheiden bereits Ende Februar 2009 bewegt haben. Im Gegenzug soll der Vorstandschef einen "Sonderbonus" von 2,295 Millionen Euro erhalten haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Middelhoff eine solche Zahlung nicht verlangen konnte. Wirtschaftlich habe diese der Arcandor AG auch nicht genutzt. Daher wirft die Staatsanwaltschaft Janssen und fünf weiteren Mitgliedern des ständigen Ausschusses des Aufsichtsrats Untreue vor.

Die Mitwirkung Middelhoffs wertet die Anklage als Anstiftung zur Untreue. Wegen anderweitiger Vorwürfe hatte ihn das Landgericht Essen bereits am 14. November 2014 wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Diese verbüßt der Ex-Vorstand derzeit im offenen Vollzug in Bielefeld.

Ursprünglich wollte die Staatsanwaltschaft Bochum noch weitere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder auf der Anklagebank sehen. Dabei geht es um Boni für vier Vorstandsmitglieder zwischen 2006 und 2009 in Höhe von insgesamt 4,99 Millionen Euro. Doch ein hinreichender Tatverdacht für die Eröffnung eines Hauptverfahrens bestehe hier nicht, erklärte das Landgericht.

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