Nach langer Sanierungszeit: Stadtteil-Bibliothek im Haus Balchem wieder eröffnet

2013 musste die Bibliothek schließen.

„Erinnerst Du Dich noch, wie es hier vor einiger Zeit aussah? Alles so dunkel und baufällig.“ Die Frau im graumelierten Tweedmantel wartet an dem warmen Donnerstagmorgen auf die Wiedereröffnung der Stadtteilbibliothek vor dem Haus Balchem in der Severinstraße. Aufgeregt schwirrt sie zwischen dem restlichen, bunt zusammengewürfelten Publikum hin und her und kommt schließlich bei einer Pensionärin im Steppblazer zum Stehen, die ihr ein breites Lächeln schenkt. „Aber schau nur, was daraus geworden ist. Alles so schön offen und nicht mehr so düster wie vorher.“

2013 musste die Bibliothek schließen. Die neuen Pächter bauten die oberen Stockwerke des barocken Gebäudes als Wohnungen aus. Die Stadt ließ das Erdgeschoss sanieren, in dem die Bibliothek ihren Nutzern nun wieder zur Verfügung steht. Zweieinhalb Jahre länger als geplant haben die Arbeiten schließlich gedauert.

Ja, die Leute im Veedel am Chlodwigplatz lieben ihre Bibliothek, ihr kleines und beherzt geführtes Literaturcafé, ihre kleine „Auszeit aus dem Alltag“, wie eine junge Mutter mitten in der Menschenmenge lautstark betont. Der Kleine im Kinderwagen? „Das ist der kleinste Bücherwurm in der Familie“ schmunzelt sie. Abrupt kommen die Gespräche zum Erliegen, als sich die Holztür zum kleinen Literaturtempel öffnet.

Und während die Bibliotheksmitarbeiter im Spalier die Gäste und mit ihnen auch Dutzende Blumensträuße in Empfang nehmen, beginnt das Raunen Hunderter Besucherstimmen drinnen von Neuem. „Ist das hell hier drin!“ Die kurzhaarige Brünette, die schon vor Einlass bestens gelaunt ihren Bekanntenkreis unterhielt, reicht sogleich dem verantwortlichen Architekten die Hand, während sich ihr fünfjähriges Söhnchen umgehend auf die Bilderbücher stürzt, die gleich im Eingangsbereich auf Kinderaugenhöhe eingeordnet wurden.

Als soziale Anlaufstelle verstanden werden

Später, wenn das Kind größer sei und eingeschult, könne es sehr gerne auch mit der Schulklasse in die Bibliothek kommen, erklärt Hannelore Vogt von der Kölner Zentralbibliothek. Sie will die Bücherei im Stadtteil ohnehin am Liebsten als soziale Anlaufstelle der Bürger und Lernraum nach der Schule verstanden wissen. Auch in den über drei Jahren der Bibliotheksschließung hätten die Mitarbeiter den Lesestoff regelmäßig in die Klassenzimmer gebracht.

„Per Rucksackbibliothek“, lacht sie. „Aber wir wollen natürlich auch, dass die Menschen ihr eigenes Programm zu uns bringen, damit das Miteinander so lebendig bleibt, wie es früher auch schon war. Oder sogar noch mehr.“ Wem dies nicht reicht, der kann in der Severinstraße zwischen 18 000 Medien aller Art das passende Angebot für sich wählen – auch digitalen. Auch für Innenarchitekt Andreas Franke gehört Alt und neu zusammen.

So galt es beim Erhalt der virtuos geschnitzten Massivholz-Wendeltreppe aus dem 17. Jahrhundert viel Fingerspitzengefühl zu beweisen, die nun zum Blickfang in der Bücherei avanciert – während die alten Bleigläser der Fenster luziden Klarverglasungen weichen mussten. Denkmalgerecht, versteht sich.

Die lichte Gestaltung der Stadtteilbibliothek zeichnet sich vor allem durch ihre „von außen nach innen und von innen nach außen fließende“ Öffnung und die zurückhaltenden Grautöne der Einrichtung aus. Für den unbeschwerten Lesegenuss. Auch Georg Seibert lässt sich den nicht nehmen. Soeben hat der Privatier einen „Kölner Stadt-Anzeiger“ ergattert und es sich auf einem der neuen Fenstererkerplätze im Obergeschossbequem gemacht. „So schön entspannend“, murmelt er zu seiner Nachbarin....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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