Ein langjähriger Google-Angestellter berichtet von Alkoholexzessen und Belästigung im Unternehmen

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Der ehemalige Google-Angestellte Donald King trat in der vergangenen Woche mit schweren Anschuldigungen gegen das US-amerikanische Technologieunternehmen an die Öffentlichkeit. King war von 2008 bis 2015 als Softwareentwickler bei Google angestellt. In dieser Zeit habe er eine „gefährliche“ Trink-Kultur innerhalb des Unternehmens miterlebt und sei sexuell belästigt worden, so King in einem Post auf der Online-Plattform Reddit.

King war als Site Reliability Engineer (SRE) bei Google tätig. Die Inhalte seines Posts bezogen sich daher vor allem auf Vorfälle innerhalb des SRE-Teams, in welchem er arbeitete.

Ungesunde Stresslevel und übermäßiger Alkoholkonsum

"Die Trinkkultur war außer Kontrolle", schreibt King. In dem Post berichtet er konkret von einer Büroparty im Jahr 2008. Sämtliche Aktivitäten hätten sich an jenem Tag um den Konsum von Alkohol gedreht. Die Konferenzräume seien zu Bars umgebaut worden. „Ich kenne mindestens eine Person, die so betrunken war, dass sie Stühle aus dem Konferenzraum durch eine Wand warf. Die Person wurde daraufhin gefeuert. Andere Mitarbeiter haben sich aufgrund des vielen Alkohols in den Bürotoiletten übergeben“, schreibt King.

Er habe zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, dass Vorfälle wie diese normal gewesen seien, so King im Gespräch mit Insider. Er hatte zuvor noch nie in einem Unternehmen von ähnlicher Größe gearbeitet. Google beschäftigte bei Kings Einstellung im Jahr 2008 rund 12.000 Mitarbeiter und war vier Jahre zuvor an die Börse gegangen. Manager bei Google hätten „ungesunde Stresslevel“ gefördert und gleichzeitig eine „Kultur des exzessiven Trinkens“ unterstützt.

Ein Gespräch mit dem Personalmanagement sei für King „keine Option“ gewesen

King, der selbst homosexuell ist, schreibt in seinem Post außerdem, dass einige Angestellte „tiefes Unbehagen“ gegenüber Mitgliedern aus der LGBTIQ-Community gezeigt hätten. Zwei Mitarbeiter, deren Namen er nicht nannte, hätten sich ihm gegenüber in alkoholisiertem Zustand unangemessen verhalten oder ihn sexuell belästigt. Ein Kollege habe mehrere Mitarbeiter „gejagt, um sie zu küssen“ sowie ihn selbst ohne Erlaubnis geküsst. Ein anderer habe ihn während einer Arbeitsreise belästigt, indem er seinen erigierten Penis durch den Stoff seiner Jeans gegen die Hand von King gedrückt haben soll.

Gegenüber Insider sagte King, er habe damals keine Beschwerde bei Google eingereicht, da es „nicht wirklich eine Option“ gewesen sei, das Personalmanagement auf die Vorfälle anzusprechen. King habe das Gefühl gehabt, dass nur wenige Mitarbeiter ein Problem mit den angedrohten Küssen des Kollegen gehabt hätten. Zudem habe er zu wenige Beweise oder Zeugen vorweisen können.

Gegen Ende hin habe King sich schließlich in einer Art gesundheitlicher „Abwärtsspirale“ gefangen gefühlt. Er habe gewusst, dass er nicht länger bei Google angestellt bleiben könne. Bereits vor seiner Tätigkeit bei dem Technologieunternehmen habe er mit mentalen Problemen zu kämpfen gehabt.

Google äußerte sich auf Nachfrage von Business Insider nicht zu den Anschuldigungen

King kündigte und nahm eine Stelle bei Fitbit an. Als bekannt wurde, dass Google das Unternehmen, das sogenannte Fitness-Tracker anbietet, Ende 2019 für rund 1,8 Milliarden Euro übernehmen würde, kündigte er erneut. Zu Insider sagte er, er habe gewusst, dass er nie wieder für Google arbeiten könnte. Heute ist King bei dem Entertainment Startup Fandom angestellt, welches sich auf Videospiele, TV-Serien, Filme und Comics spezialisiert hat.

Google wollte sich gegenüber Business Insider US auf Nachfrage nicht zu den Anschuldigungen äußern. Nachdem King gekündigt hatte und sich mehrere Mitarbeiter über ähnliche Vorfälle beschwert hatten, versprach der Konzern jedoch, die Art und Weise, wie mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs umgegangen werde, zu ändern. Auf die Frage, wieso er sich jetzt in einem Reddit-Post zu den Geschehnissen geäußert habe, sagte King: „In diesem Forum sind alle der Meinung, in Tech-Unternehmen herrsche nur eitel Sonnenschein. Ich wollte, dass die Nutzer wissen: Ein hohes Gehalt setzt nicht zwingend voraus, dass es euch gutgeht.“

Dieser Text wurde von Anika Faber aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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