"Lass dich nicht impfen": Lastwagen eines Bestatters sorgt für Aufsehen

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In Charlotte, USA fuhr am Wochenende der Lastwagen eines Bestattungsunternehmens durch die Straßen, auf dem der Satz zu lesen war: "Lass dich nicht impfen". Was steckt hinter der morbiden Aktion?

Outbreak of Chinese influenza - called a Coronavirus or 2019-nCoV, which has spread around the world. Danger of a pandemic, epidemic of humanity. Close-up virus under the microscope. 3d illustration
Symbolbild: Getty Images

In der US-Stadt Charlotte, Bundesstaat North Carolina sorgte am Wochenende ein Lkw für Aufsehen, auf dem der Slogan zu lesen war: "Don't get vaccinated" – lass dich nicht impfen. Suggestiv wird die klare Botschaft im Hinblick auf den Initiator der Aktion und die Plattform, auf der sie zum Ausdruck gebracht wurde. Der Lastwagen, auf dem der Satz prangte, gehörte dem Anschein nach einem Bestattungsunternehmen.

Was genau wollten die Verantwortlichen mit der morbiden Aktion ausdrücken? Zwei Botschaften lassen sich ihr entnehmen. Die eine lautet: Lässt du dich impfen, endest du womöglich in diesem Fahrzeug, als Leiche also, als Opfer des gefährlichen Vakzins. Die zweite Aussage ist der ersten entgegengesetzt. Du könntest der nächste Passagier eines Leichenwagens wenn, wenn du dich nicht impfen lässt.

Wer steckt hinter der Aktion?

Das Rätsel ist mittlerweile gelöst. Auf dem Laster, der am Sonntag US-Medienberichten zufolge rund um das Bank of America Stadium in Charlotte seine Runden drehte, standen auch Name und Webseite eines Bestattungsunternehmens: Wilmore Funeral Home. Besucht man die Seite der Einrichtung, stößt man auf eine weitere Botschaft: "Lass dich impfen. Wenn nicht, dann sehen wir uns bald."

Es handelt sich also um eine Pro-Impfkampagne. Ausgedacht hat sie sich aber nicht das beworbene Bestattungsunternehmen. Wilmore Funeral Home existiert gar nicht. Auch die Zuständigen von StarMed Healthcare haben mit der Aktion nichts zu tun, wie man vermuten könnte. Schließlich führt auf der Webseite von Wilmore Funeral Home ein Link auf die Seite des Gesundheitsdienstleisters, auf der sich Interessierte für eine Corona-Impfung registrieren können.

Nein, die Kampagne ist das Werk einer Werbeagentur namens BooneOakley. Auf dem sozialen Netzwerk Twitter hat sich das in Charlotte ansässige Unternehmen zu der Aktion mittlerweile bekannt: "Das waren wir", heißt es dort in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag. Es folgt die abermalige Aufforderung: "Lass dich impfen." Das Posting enthält auch ein Foto, das besagten Lastwagen vor dem Gebäude der Agentur stehen zeigt.

Zielführende oder kontraproduktive Kampagne?

Die Aktion sorgte für Aufsehen, war sie aber auch zielführend? Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Dr. Arin Piramzadian, leitender Angestellter von StarMed Healthcare, begrüßt die Kampagne: "Wenn das auch nur ein Menschenleben rettet, dann bin ich 100 dafür", sagt der Mediziner im Interview mit der Zeitung Charlotte Observer. Er verweist auf den Ernst der Lage: "99 Prozent der Menschen, die im Krankenhaus landen und sterben, sind nicht geimpft", sagt er.

Doch es gibt auch Experten, die der Kampagne skeptisch gegenüberstehen. Zu Beispiel Scott Ratzan, der an der City University of New York Gesundheitskommunikation lehrt. Er glaubt nicht, dass Angst das probate Mittel einer Impfkampagne sei. "Diese Art von Angst mobilisiert die Menschen nicht", sagt er der Washington Post, "wenn sie wissen, dass es Menschen gibt, die Covid bekommen haben und nicht gestorben sind".

Ähnlich sieht das Stacy Wood, Professorin an North Carolina State University. Sie meint, offensive Aktionen wie die von BooneOakley könnten gar kontraproduktiv sein. Studien hätten herausgefunden, sagt sie derselben Zeitung, "dass Menschen sich in ihrer Entscheidungsfreiheit beeinträchtigt fühlen, wenn sie zu einer Entscheidung gedrängt würden." Im vorliegenden Fall bestehe folglich die Gefahr, dass Impfverweigerer ihren Standpunkt durch den auf sie ausgeübten Druck umso beharrlicher vertreten.

Impfmüdigkeit in den USA

Die umstrittene Kampagne ist beispielhaft für die Anstrengungen, die in den USA derzeit unternommen werden, um die Skeptiker von einer Immunisierung gegen Corona zu überzeugen. Im Land sind laut Washington Post aktuell mehr als 182,4 Millionen Menschen vollständig gegen das SARS-CoV-2-Virus geimpft, das sind 54,9 Prozent der Bevölkerung. Täglich würden derzeit weniger als eine Millionen Impfungen verabreicht.

Die Impfverzögerung bereite den Gesundheitsbehörden große Sorgen, schreibt die Zeitung weiter. Das dürfte auch erklären, dass so mancher in den Vereinigten Staaten offenbar bereit ist, den Druck auf die Nichtgeimpften auch mit ungewöhnlichen, aggressiven und umstrittenen Methoden zu erhöhen. Siehe die morbide Kampagne von BooneOakley.

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