Laues Experiment Maischberger light zum Sommeranfang

Vor der Sommerpause testet Sandra Maischberger ein neues Format (Bild: WDR/Peter Rigaud)

Die wichtigste politische Frage für die Bundestagsabgeordneten sei nicht das Klima, sondern was wird aus mir, schätzte Gabor Steingart die Gemütslage der Abgeordneten des Deutschen Bundestages in der Talkshow „maischberger“ ein und rückte mögliche Neuwahlen in weite Ferne.

Der ehemalige „Spiegel“-Autor und Herausgeber des „Handelsblatts“ sorgte mit seinen Bonmots für die Würze in der Talkshow, der 1999 mit dem Goldenen Schlitzohr ausgezeichneten Moderatorin. Mit ihrer unaufgeregten, souveränen Gesprächsführung hat sie sich längst in die Herzen jener Zuschauer geschlichen, die Fakten und Wissenswertes suchen und des aufgeregten Streits bei der Konkurrenz müde sind.

Mit zwei Sonderausgaben Ausgaben unter dem Titel „maischberger. die woche“ geht die Talkshow in die Sommerpause. Nicht ein Thema wurde näher beleuchtet, viele, zu viele wurden angerissen. Neben Steingart versuchten sich „stern“-Kolumnist und WDR-Moderator Micky Beisenherz und „taz“-Autorin Bettina Gaus an der Einordnung der Aufreger der vergangenen Tage in die politische Großwetterlage und wurden dafür von Sandra Maischberger von einem Thema zum anderen gehetzt. Der Erkenntniswert hielt sich in Grenzen. Vielleicht war der oft in ein Ringen um die beste twitterfähige Schlagzeile abrutschende Disput auch beabsichtigt - egal ob Steingart den Wettergott beschwor, der mit den Grünen kämpfe. Oder Gaus die beunruhigende Sehnsucht der Deutschen nach einem Erlöser konstatierte, die Robert Habeck in eine Ecke rückt, wo er sich garantiert unwohl fühlt.

Steingart & Co stellen Moderatoren in den Schatten

Steingart und Gaus gehören mittlerweile zum Stamminventar öffentlich-rechtlicher Talkshows, zu allen Themen haben sie eine dezidierte Meinung. Aus dem sonntäglichen „Frühschoppen“, dem ARD-Talkshow-Dino“, haben sie es in die abendlichen Talkrunden geschafft und brillieren mit ihrem vermeintlichen Insiderwissen und Einschätzungen, die längst aus anderen Medien bekannt sind. Ihr Blick auf die Zukunft des Landes gleicht allzu oft dem Blick in eine Glaskugel. Oft stellen sie die Moderatoren in den Schatten, was diese eigentlich nicht nötig haben sollten. Sie haben ausreichend Zeit für die Vorbereitung, gute Teams hinter sich und werden gut bezahlt.

Die mit den Kollegen verplauderte Zeit fehlte Maischberger für Reul, CDU-Innenminister in NRW, und dessen Streitgespräch mit der Neuköllner Sozialarbeiterin Söngul Cetinkaya über die richtigen Rezepte zur Bekämpfung der Clan-Kriminalität, bei der ein Vertreter der Durchsetzung deutscher Gesetze auf Schuldzuweisungen an den deutschen Staat für die mangelnde Integration der Familien und Sozialromantik traf. Wie bei den letzten Gästen in Maischbergers Konkurrenzsendung „Lanz“ blieb es beim Austausch einiger Schlagworte.

50 Jahre Ehe – die SPD und Peer Steinbrück

Peer Steinbrück, seit 50 Jahren Mitglied von Deutschlands ältester Partei, muss zuvor die Zeitknappheit geahnt haben. Er hatte seine Sprechgeschwindigkeit im intimen Vier-Augen-Gespräch mit Maischberger verdoppelt. Der einstige Kanzlerkandidat der SPD zieht derzeit durch Deutschlands Talkrunden, um die Ursachen für die miserable Lage seiner Partei gnadenlos zu analysieren. Nebenbei verteilte der kampfeslustige und geistig sehr viel beweglicher als etliche seiner Nachfolger wirkende Sozialdemokrat, der auch eigene Fehler einräumte, etliche Breitseiten auf den Journalismus, der Kevin Kühnert zum Erlöser der SPD hochschreibe. Ob seine Partei zunächst eine inhaltliche Debatte und anschließend um Personen führe, darauf ließ sich Steinbrück nicht festlegen. Auch weil die Journalisten die Partei wahrscheinlich mit dieser Frage bis zum kommenden Parteitag nerven und vor sich hintreiben werden.