Lauterbach: Inzidenz liegt zwei bis drei Mal höher als angegeben

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Minister Lauterbach (AFP/Omer Messinger)

In Deutschland stecken sich derzeit nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sehr viel mehr Menschen mit dem Coronavirus an als offiziell vermeldet. Die tatsächliche Sieben-Tage-Inzidenz der Infektionen übersteige den aktuell angegebenen Wert von 205,5 wahrscheinlich um das Zwei- bis Dreifache, sagte Lauterbach am Mittwoch in Berlin. Wegen der Feiertage gebe es momentan eine "deutliche Untererfassung" der Ansteckungsfälle. Lauterbach äußerte die Erwartung, dass die Corona-Maßnahmen bald verschärft werden müssten.

Der Minister warnte die Bürgerinnen und Bürger davor, sich wegen der sinkenden Corona-Ansteckungsstatistik in Sicherheit zu wiegen. "Die gegenwärtig ausgewiesene Inzidenz unterschätzt die Gefahr, in der wir uns befinden", sagte er. Wegen der raschen Ausbreitung der hoch ansteckenden Omikron-Variante müsse mit eine weiteren "deutlichen Steigerung" der Ansteckungszahlen gerechnet werden.

Das Robert-Koch-Institut hatte die Sieben-Tage-Inzidenz am Morgen mit 205,5 angegeben. Sie sank damit leicht gegenüber dem Vortag. Der bisherigen Höchstwert war am 29. November mit 452,4 verzeichnet worden. Sollte Lauterbachs Analyse zur Untererfassung zutreffen, läge allerdings womöglich jetzt schon ein neuer Rekordwert vor.

Lauterbach nannte eine Reihe von Gründen, weswegen von einer erheblichen Untererfassung ausgegangen werden müsse. So werde wegen der Feiertage derzeit weniger getestet, und von den tatsächlich vorliegenden Testergebnissen würden weniger an die Gesundheitsämter weitergeleitet, sagte Lauterbach. Die Ämter hätten zudem mit Personalmangel zu kämpfen, was sich während der Feiertage "besonders deutlich" bemerkbar mache.

Eine "deutliche Steigerung" der Infektionszahlen lasse sich nicht mehr abwenden, sagte Lauterbach. Dies werde neue Schutzmaßnahmen erforderlich machen: Die derzeit geltenden Maßnahmen "werden nicht reichen, einen deutlichen Anstieg der Omikron-Fälle zu verhindern".

Die Zahl der in Deutschland registrierten Omikron-Fälle steigt weiter rasch an. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Mittwoch erhöhte sich die Zahl binnen eines Tages um 26 Prozent auf 13.129. Damit habe es 2686 Fälle mehr als am Dienstag gegeben. Erfasst wurden dabei auch Nachmeldungen aus den vergangenen Wochen.

Von der Gesamtzahl der mit Omikron Infizierten mussten laut RKI 159 Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Vier Menschen starben bisher im Zusammenhang mit der Variante.

Lauterbach appellierte an die Bürger, die Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren. "Ich appelliere an die Bevölkerung, den Jahreswechsel sehr vorsichtig zuzubringen", sagte er. "Bitte feiern Sie in ganz kleiner Runde. Gefährden Sie sich nicht gegenseitig."

Lauterbach forderte zudem die Bürgerinnen und Bürger auf, das Angebot einer Booster-Impfung wahrzunehmen. Eine solche Impfung entfalte bereits nach sieben Tagen eine Wirksamkeit von 70 bis 80 Prozent, sagte der Minister. Die Booster-Kampagne sei nun nach Weihnachten wieder "auf Hochtouren" angelaufen.

Nach Anhaben des Robert-Koch-Instituts wurden am Dienstag 608.000 Impfdosen verabreicht. Damit seien 59 Millionen Menschen - 71 Prozent der Gesamtbevölkerung - vollständig geimpft. 31 Millionen Menschen - 37,3 Prozent der Bevölkerung - seien bereits geboostert. Das Institut geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Geimpften wegen Problemen bei der Datenübertragung um bis zu fünf Prozentpunkte höher liegen könnte.

pw/mt

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