Lauterbach legt kommende Woche Vorschlag für Neuregelung der Corona-Isolation vor

Karl Lauterbach (AFP/Tobias SCHWARZ) (Tobias SCHWARZ)

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will kommende Woche - wahrscheinlich schon am Montag - einen Vorschlag für die Neuregelung der Isolation für Corona-Infizierte vorlegen. Es habe bei dem Gespräch mit den Länder-Gesundheitsministern am Donnerstag "keinen Dissens" in der Frage gegeben, sagte Lauterbach am Freitag im ARD-"Morgenmagazin". Bund und Länder wollen die verpflichtende Isolation beibehalten, aber auf fünf Tage verkürzen. Der Hausärzteverband forderte eine klarere Kommunikation dazu, wie sich Infizierte künftig verhalten sollen.

Covid-19 sei keine Krankheit "wie Grippe oder Erkältung, wo ich selbst entscheiden kann, gehe ich infiziert zur Arbeit", sagte Lauterbach. Wäre die Pflicht zur Isolation ganz gefallen, "wäre dies wie ein Signal, das entscheidet jeder für sich". Er erwartet, dass die Gesundheitsämter bei niedrigeren Fallzahlen die Anordnung von Isolation wieder besser bewältigen werden.

Lauterbach rechnet außerdem damit, dass zur Beendigung der Isolation nach fünf Tagen zumindest ein Selbsttest "dringend empfohlen" wird, denn viele seien nach diesem Zeitraum noch positiv. Er bereitet den Vorschlag demnach derzeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) vor.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten die Pläne am Donnerstagabend nach einer gemeinsamen Videokonferenz vorgestellt. Unter anderem Bayern und Sachsen hatten die bisherige verpflichtende Isolation von Infizierten bereits von zehn Tagen auf fünf Tage reduziert, wenn die Betreffenden 48 Stunden keine Symptome haben.

In den meisten Ländern gilt derzeit nach wie vor die Regelung, dass die Isolation für Corona-Infizierte nach sieben Tagen durch Freitesten beendet werden kann. Ansonsten endet die Isolation nach zehn Tagen.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, sagte den Funke-Zeitungen: "Die einfache Botschaft muss sein: Wer einen positiven Test hat, oder Symptome aufweist, sollte konsequent zu Hause bleiben und Kontakt zu anderen Menschen meiden." Ob es dafür zwingend eine gesetzliche Regelung brauche, sei eine andere Frage: "Eine nachvollziehbare und stringente Kommunikation ist im Zweifel mehr wert als eine gesetzliche Regelung, die de facto nicht kontrolliert werden kann."

Schon seit längerem komme es bei Corona-Infektionen vor allem auf die Eigenverantwortung der Menschen an, sagte Weigeldt. "In der Praxis war es in der Vergangenheit so, dass die Gesundheitsämter die Isolationsregeln nur sehr sporadisch kommunizieren und kontrollieren konnten." Die Erfahrung der Hausärzte sei es, dass die allermeisten Menschen dieser Eigenverantwortung gerecht werden. Weigeldt plädiert daher für einen "pragmatischen Umgang" mit den Isolationsregeln.

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte die geplante Verkürzung der Isolationspflicht. "Nicht die Politik, sondern das Virus und das Infektionsgeschehen müssen die Schutzmaßnahmen bestimmen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Dieses Prinzip werde von Lauterbach und den Ländern mit der Verkürzung der Isolationspflicht jetzt beerdigt. "Deshalb ist es unerlässlich, dass wenigstens die Freitestung festgeschrieben wird", forderte Brysch.

Derweil wurde bekannt, dass in Deutschland immer noch 2,7 Millionen der über 60-Jährigen nicht geimpft sind. Wie die Düsseldorfer "Rheinische Post" und der Bonner "General-Anzeiger" aus der Regierungsantwort auf eine Linken-Anfrage berichteten, sind auch in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen noch rund 7,2 Millionen Menschen nicht geimpft. Die Entwicklung der Pandemie und das mögliche Auftreten neuer Varianten des Corona-Virus bleibe aber kaum vorhersehbar.

cha/pw

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