Schauspielerin Pegah Ferydoni wäscht #allesdichtmachen-Kollegen den Kopf

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Zahlreiche bekannte Schauspieler*innen äußern sich in einer gemeinsamen Aktion zynisch zu den Coronapandemie-Maßnahmen. Dafür erhalten sie Applaus, ernten aber auch viel Unverständnis - etwa von ihrer Kollegin Pegah Ferydoni.

Die Schauspielerin Pegah Ferydoni kritisiert auf ihrem Instagram-Kanal die Protestaktion #allesdichtmachen (Bild: TF-Images/Getty Images)
Die Schauspielerin Pegah Ferydoni kritisiert auf ihrem Instagram-Kanal die Protestaktion #allesdichtmachen (Bild: TF-Images/Getty Images)

53 Schauspieler*innen haben sich zu einer digitalen Protestaktion gegen die Corona-Maßnahmen zusammengeschlossen. Seit Donnerstag verbreiten etwa Jan Josef Liefers, Ken Duken oder Heike Makatsch unter dem Hashtag #allesdichtmachen kurze Videos auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken.

Gegenwind von weiteren Promis

Die Clips sind alle gleich aufgebaut: Die Künstler*innen geben vor, die politischen Maßnahmen zu unterstützen, fordern ironisch sogar Verschärfungen: "Schließen Sie ausnahmslos jede menschliche Wirkungsstätte", sagt etwa Ulrich Tukur. "Wenn man sich sieht, kann man sich anstecken, deshalb habe ich alle Kontakte von meinem Telefon gelöscht. Löschen auch Sie alle Kontakte, helfen Sie mit", schlägt Kostja Ullmann vor.

Dafür erhalten die Künstler*innen Applaus, aber auch Kritik. Auf Twitter führt die Aktion ununterbrochen die deutschen Trends an, mittlerweile wurden weit über 100.000 Tweets dazu abgesetzt.

Sie machen bei der Protestaktion #allesdichtmachen auf Youtube mit. Obere Reihe: Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl. Mitte: Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet. Unten: Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. (Bild: Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube / dpa)
Sie machen bei der Protestaktion #allesdichtmachen auf Youtube mit. Obere Reihe: Jan-Josef Liefers, Nina Proll, Nadja Uhl. Mitte: Ulrich Tukur, Wotan Wilke Möhring, Maxim Mehmet. Unten: Katharina Schlothauer, Peri Baumeister, Richy Müller. (Bild: Internetaktion #allesdichtmachen via Youtube / dpa)

Viele von Prominenten, die sich gegen die Aktion ausgesprochen haben. Darunter Nora Tschirner, die in der Aktion Zynismus aus Langeweile sieht. Christian Ulmen schreibt, der Verschwörungsideologe Ken Jebsen hätte vieles „nicht schöner sagen können“. Oder Tobias Schlegl, der meint: "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben." Jan Böhmermann empfiehlt zudem, "wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen" habe, die ARD-Doku aus der Charité in Berlin mit dem Titel "Station 43 – Sterben" anzuschauen.

"Wenn euch langweilig ist, macht was Sinnvolles"

Besonders umfassend in ihrer Kritik ist etwa die Schauspielerin Pegah Ferydoni in einem leidenschaftlichen Beitrag auf ihrem Instagram-Kanal. In einer mehrteiligen Story sagte sie am Freitagmorgen über die #allesdichtmachen-"Kollegen, liebe nette Freunde, herausragende Schauspieler": "Was ist los mit euch, ernsthaft? Ihr seid die Topverdiener, die Topleistungsträger dieser Branche. Wo wart ihr, als es um soziale Gerechtigkeit innerhalb der Filmbranche ging? Wo wart ihr, als es darum ging, gegen Rassismus und Sexismus am Set zu kämpfen, gegen diesen jahrzehntelangen Machtmissbrauch? Und jetzt reißt ihr die Fresse auf? Ernsthaft?“ 

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Natürlich, das sei auch ihr und allen anderen klar, habe die Bundesregierung habe in der Krise versagt und Kritik sei auch berechtigt. Aber diese Form der Egozentrik sei abstoßend und gefährlich. Inhaltlich seien viele Videos der Aktion "derselbe Kack, der auf jeder Querdenkerdemos gelabert wird", fährt Ferydoni fort. Um dann zu sagen: "Ihr bekommt Applaus vom rechten Rand, das könnt ihr nicht wollen!"

Dann bittet sie noch: "Kippt nicht noch mehr Öl ins Feuer. Ihr habt doch keine Ahnung von dem Zeug. Also lasst die Finger davon. Es ist auch mal ok, ratlos, sprachlos und hoffnungslos zu sein." 

Stattdessen schlägt sie ihren Kolleg*innen vor: "Macht irgendwas, was die Leute erheitert, was sie glücklich macht." Oder wenn es nichts Künstlerisches sein soll, dann vielleicht: "Wenn euch langweilig ist, dann macht doch was Sinnvolles, dann heuert im Testzentrum an und lernt, wie man anderen eine Spritze in den Arm jagt damit ihr mitimpfen könnt oder packt an!"

Zusammenhalt und Gerechtigkeit

Zwischenzeitlich hat Ferydoni noch ein Video zu dem Thema hochgeladen. Darin sagt sie: "Ich bin Pegah Ferydoni. Ich bin Schauspielerin. Mit meinem Beruf rette ich keine Leben. Zumindest nicht direkt. Aber die Menschen hören mir zu und das ist ein Geschenk und Privileg. Manchmal auch eine Verantwortung." 

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Dann bedankt sie sich bei Menschen, die systemrelevante Berufe ausüben oder für ihre Familie sorgen müssen – "all diejenigen, die den Dreck rausräumen, die anpacken, die durchhalten. Ihr leistet Übermenschliches". Dann schließt sie, ohne die Aktion #allesdichtmachen noch einmal zu erwähnen, mit den Worten: "Lasst euch nicht verrückt machen, bitte, nicht auf den letzten Metern. Wir kriegen das zusammen hin: Zusammenhalt und Gerechtigkeit."

Video: Schauspielkollegen sind über #allesdichtmachen fassungslos