Lebenslange Haft für Angreifer auf Jüdisches Museum in Brüssel

Eine Zeichnung aus dem Gerichtssaal zeigt Mehdi Nemmouche (rechts)

Knapp fünf Jahre nach dem Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel ist der Angreifer Mehdi Nemmouche zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Geschworenengericht in der belgischen Hauptstadt verkündete das Strafmaß gegen den französischen Dschihadisten am späten Montagabend nach achtstündigen Beratungen. Es folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft. Ein Komplize des 33-Jährigen wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Nemmouche war vergangene Woche schuldig gesprochen worden, bei dem Anschlag auf das Jüdische Museum am 24. Mai 2014 vier Menschen erschossen zu haben. Das Geschworenengericht hob nun hervor, der Dschihadist habe keinerlei Reue für seine Tat gezeigt und das Andenken an die Opfer "beschmutzt". Das Gericht verwies auch auf Nemmouches "ausgeprägten Antisemitismus" und seine "Gefährlichkeit".

Der 33-Jährige verfolgte die Ausführungen, ohne eine Regung zu zeigen. Zum Abschluss des Prozesses provozierte er das Gericht mit der Bemerkung: "Das Leben geht weiter." Gegen das Urteil ist eine Revision, aber keine Berufung möglich.

Generalstaatsanwalt Yves Moreau hatte Nemmouche am Montag als "Psychopathen" und "Feigling" bezeichnet. Es gebe keinerlei mildernde Umstände. "Sie haben getötet, weil es Ihnen Freude machte und weil Sie wussten, dass Sie damit keinerlei Risiko eingehen."

Nemmouches Komplize Nacer Bendrer wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der 30-jährige Franzose hatte die Waffen für den Anschlag geliefert.

Der Anschlag auf das Jüdische Museum hatte international für Entsetzen gesorgt. Nemmouche erschoss damals ein israelisches Ehepaar, einen belgischen Museumsangestellten und eine französische, ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Der Franzose wurde sechs Tage später in Marseille im Besitz der Tatwaffen festgenommen. Laut Anklage belegten weitere Beweise wie DNA-Spuren am Tatort, Fingerabdrücke auf den Waffen und ein Bekennervideo zweifelsfrei seine Schuld.

Seine Anwälte bauten ihre Verteidigungsstrategie im Laufe des achtwöchigen Gerichtsverfahrens auf der These auf, dass ihrem Mandanten eine "Falle" gestellt worden sei. Demnach soll Nemmouche von iranischen oder libanesischen Geheimdienstagenten in "eine gezielte Hinrichtung von Mossad-Agenten" hineingezogen worden sein.

Generalstaatsanwalt Moreau bezeichnete das als "dummes Zeug". Auch das Gericht schenkte diesen Ausführungen keinen Glauben.

Der Anschlag auf das Jüdische Museum war laut Anklage der erste in Europa, der von einem Syrien-Rückkehrer verübt wurde. Nemmouche hatte zwischen Anfang 2013 und Anfang 2014 an der Seite der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien gekämpft.

Gegen den aus dem nordfranzösischen Roubaix stammenden Nemmouche läuft derzeit auch ein Verfahren in Frankreich wegen der Entführung von vier französischen Journalisten in Syrien. Zwei der vier Entführungsopfer hatten bei dem Prozess in Brüssel ausgesagt, Nemmouche als einen Gefängniswächter und Folterer des IS wiederzuerkennen.