Lebenslange Haft für Tschads ehemaligen Staatschef Habré endgültig

Der 74-Jährige erschien nicht zur Gerichtsverhandlung

Der ehemalige tschadische Diktator Hissène Habré ist am Donnerstag in einem Berufungsprozess wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folterverbrechen endgültig zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Sondergericht der Afrikanischen Union (AU) im senegalesischen Dakar bestätigte damit das Urteil der ersten Instanz vom Mai 2016.

Damals war Habré zusätzlich wegen Vergewaltigung verurteilt worden. Von diesem Anklagepunkt sprach ihn das Berufungsgericht unter Vorsitz des malischen Richters, Wafi Ougadeye, jetzt frei.

Das Gericht verurteilte Habré jetzt außerdem dazu, umgerechnet mehr als 125 Millionen Euro an rund 7400 Opfer seiner Herrschaft zu zahlen. Gegen das Urteil ist keine Berufung möglich. Der 74-jährige Habré, der das Gericht nicht anerkennt, erschien nicht zur Gerichtsverhandlung. Mit der Urteilsverkündung endet die Tätigkeit des Sondergerichts, das von mehreren Gebern finanziert wurde, darunter der Tschad.

Habré hatte sich nach seinem Sturz durch Idriss Deby, dem jetzigen tschadischen Präsidenten, im Dezember 1990 in den Senegal abgesetzt. Dort lebte er mehr als 20 Jahre lang mit Frau und Kindern unbehelligt in einem vornehmen Vorort der Hauptstadt Dakar. Seine Haftstrafe wird Habré im Senegal oder einem anderen Mitgliedstaat der Afrikanischen Union verbüßen.

Habré stand von 1982 bis 1990 an der Spitze der Republik Tschad in Zentralafrika. In dieser Zeit wurden nach Angaben von Ermittlern mindestens 40.000 Menschen getötet. Die Opfer waren politische Gegner des Staatschefs oder Angehörige rivalisierender ethnischer Gruppen. Es war das erste Mal, dass einem ehemaligen afrikanischen Staatschef in einem anderen afrikanischen Land wegen Menschenrechtsverbrechen der Prozess gemacht wurde.

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