Lebt seit 25 Jahren hier - Dänen-Fan zwiegespalten: „Fände es schade, wenn Deutschland ausscheiden würde“

Dänische Fans feiern im Spiel gegen Serbien<span class="copyright">Getty Images</span>
Dänische Fans feiern im Spiel gegen SerbienGetty Images

Durch das 0:0 gegen Serbien trifft Dänemark im EM-Achtelfinale auf Deutschland. FOCUS online fragt vor Ort einige Dänen nach ihrer Einschätzung für das Duell. Manche sind optimistisch, ein Duo uneinig - und einer total hin- und hergerissen.

Nach dem Abpfiff machen wir uns auf die Suche nach dänischen Fans, um über den kommenden Gegner Deutschland zu sprechen. Der erste Schlachtenbummler, der uns Auskunft gibt, blickt noch beseelt von der Tribüne aufs leere Spielfeld.

Auf die Frage, wer das Achtelfinale gewinnt, antwortet er: „Erinnerst du dich an 1992? Da haben wir Deutschland geschlagen - ich wurde wegen des Turniers nicht ganz ein Jahr später geboren (Dänemark wurde 1992 nach einem Finalsieg gegen Deutschland Europameister, Anm. d. Red.)“, sagt er und lacht. „Ich glaube Dänemark gewinnt - und das sage ich nicht bloß, weil ich Däne bin. Wir sind eine gute Mannschaft, hätten auch gegen Serbien ein, zwei Tore schießen müssen.“

Bei Frage nach Chance gegen Deutschland lacht Däne - und erzählt Geschichte seiner Geburt

Um die dänische Sturm-Hoffnung Rasmus Höjlund von Manchester United, der noch ohne Treffer im Turnier ist, macht er sich keine Sorgen. „Stürmer kommen im Turnier an, wenn sie ankommen. Er arbeitet unglaublich viel für die Mannschaft, läuft im Pressing viele Wege zu", lobt er. „Aktuell trifft er noch nicht, aber das kann noch kommen.“

Seine Antwort auf den Siegtorschützen gegen Deutschland kommt wie aus der Pistole geschossen: „Christian Eriksen. Beim letzten Turnier ist er gestorben - in Deutschland lebt er auf.“

Dänen-Duo uneinig: Einer glaubt an die Chance - der andere nur ans Aus gegen Deutschland

Auf dem Weg nach unten treffen wir zwei Dänen, die sich über die Chancen gegen Deutschland uneinig sind. „Wir respektieren eure Weltklasse-Spieler. Aber es ist nur ein Spiel. Da ist alles möglich“, gibt sich der eine optimistisch. „Deutschland hat bisher gegen schwache Teams gespielt. Aber was ist gegen die Schweiz passiert?“, fragt er uns. „Da hatten sie keine Ideen.“

„Die Schweiz ist eine gute Mannschaft“, wirft der andere ein. „Sie haben hoch gepresst.“ Er glaubt nicht an einen dänischen Erfolg: „Wir müssen noch besser spielen als gegen England. Und mit dem Ball nach vorne spielen, nicht immer nochmal zurück. 1992 haben wir in jedem Spiel gut gespielt, nicht so wie dieses Jahr. Ich glaube, gegen Deutschland wird es sehr schwer."

Doch ganz so leicht will sich sein Freund nicht geschlagen geben und zeichnet einen Weg auf, wie Dänemark gewinnen könnte. „Wir brauchen mehr Speed, schnelleres Umschalten und nicht immer dieses langsame Traben“, fordert er. „Gegen Mannschaften, die als Team spielen, wie die Dänen, tut sich Deutschland immer schwer.“ So wirklich überzeugen kann er seinen Begleiter aber nicht. „Ich glaube trotzdem, dass wir gegen Deutschland ausscheiden“, sagt er etwas betrübt - obwohl sein Team nur Minuten zuvor den Einzug ins Achtelfinale geschafft hat. Ein bisschen kurios ist das durchaus.

Däne lebt seit 25 Jahren in München: „Fände es schade, wenn Deutschland ausscheidet“

Vor dem Stadion sprechen wir einen Vater und seine Tochter in Dänemark-Trikots auf Englisch an - und werden überrascht: „Ihr könnt die Fragen auch auf Deutsch stellen“, sagt die junge Frau lachend. Ihr Vater erklärt, dass er seit 25 Jahren in München lebt. Seine Tochter ist in Deutschland geboren.

„Wir sind der klare Underdog“, meint er. „Aber es ist schon Seltsameres passiert“, wirft seine Tochter ein. Gleichzeitig fordert sie aber auch eine klare Leistungssteigerung ihrer Mannschaft. „Wir müssen viel aggressiver spielen. Heute war es sehr schläfrig. Ich dachte, in der zweiten Halbzeit wird es besser, aber es wurde noch langsamer.“

Die FOCUS-online-Reporter mit zwei dänischen Fans<span class="copyright">dvo</span>
Die FOCUS-online-Reporter mit zwei dänischen Fansdvo

 

Ihr Vater ist zwiegespalten. „Ich hoffe auf ein zweites 1992. Ich war damals dabei“, erzählt er stolz. Doch er sieht auch die Gefahr eines deutschen Ausscheidens für die bislang so famose Turnierstimmung. „Ich fände es aber auch schade, wenn Deutschland ausscheiden würde, weil es die Stimmung hier kaputtmachen würde."

„Ich bin hin- und hergerissen“, gibt er zu, legt sich aber dann doch klar fest. „Aber ich bin schon in erster Linie für Dänemark.“ Seine Tochter hat auch schon eine Idee für den Fall, dass Deutschland gewinnen sollte: „Und sonst ein Deutschland-Trikot drunter ziehen und das Dänemark-Trikot ausziehen. Ich kann nur gewinnen“, lacht sie. Wohl dem, der am Samstag aus solchen Alternativen wählen kann.