Lehrer warnen: Schlechte Rechtschreibung durch WhatsApp & Co.

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Laut einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erfüllt mittlerweile jeder fünfte Viertklässler bei der Rechtschreibung nicht mehr die Mindeststandards. Bildungsexperten sehen dafür verschiedene Gründe, darunter die Nutzung von Smartphones.

In Messenger-Diensten setzt sich korrekte Rechtschreibung nicht durch. (Bild: Getty Images)

Dass 20 Prozent der deutschen Viertklässler massive Probleme mit der Rechtschreibung haben, führt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes vor allem auf Kurznachrichten in Messenger-Diensten und sozialen Netzwerken zurück.

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„In sozialen Netzwerken spielt die Rechtschreibung keine Rolle“, monierte Heinz-Peter Meidinger im Gespräch mit der Deutschen Pressagentur (dpa). Im Gegenteil würden eher die fehlerfrei schreibenden Schüler schief angesehen, die sich die Mühe machten, auch Großbuchstaben zu verwenden.

Smartphones statt Bücher

Klar, dass das beim Lesen und Schreiben von Hunderten Nachrichten am Tag Wirkung zeige. Vor allem, wenn sich das Lesen der Schüler auf Textnachrichten beschränke und sie anders als früher keine Bücher mehr läsen. Die Folgen, von denen Lehrer Meininger immer häufiger berichten: Gewohnt an kurze Nachrichten haben die Schüler auch damit Probleme, längere Texte überhaupt zu verstehen. Das ziehe sich bis ins Studium und zeige sich auch im Unvermögen der Studenten, argumentative Texte zu schreiben.

Kinder lesen weniger Bücher und trainieren sich über Apps oft eine falsche Rechtschreibung an. (Bild: Getty Images)

Umstrittenes Konzept „Lesen durch Schreiben“

Als weiteren Grund für die schlechten Leistungen der Schüler wird seit Jahren immer wieder das Konzept „Lesen durch Schreiben“ angeführt. Demnach lernen Erstklässler das Schreiben nicht wie bei der Fibelmethode Buchstabe für Buchstabe, bevor sie dann auch die Orthografie von Wörtern lernen.

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Sie sollen erst einmal einfach nach Gehör schreiben und dass, ohne korrigiert zu werden. Eine Riesenfehler, findet laut „dpa“ auch Hanna Sauerborn, die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben. Und trotzdem ist sie wie Heinz-Peter Meidinger der Meinung, dass das Problem mehrere Ursachen hat.

Fakt ist nämlich, dass die Rechtschreibprobleme bundesweit bestehen und nicht nur in den Ländern, die in der Vergangenheit verstärkt auf die Lesen-durch-Schreiben-Methode gesetzt haben. Als weitere Ursachen für eine schlechte Rechtschreibung gelten unter anderem auch mangelnde Konzentration und schreibmotorische Probleme.

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