Lehrerpräsident warnt vor dauerhaften Bildungsrückständen

Im Rückblick auf die vergangenen zweieinhalb Schuljahre sieht der Lehrerverband große Lerndefizite, die sich angestaut haben - mit möglicherweise langfristigen Auswirkungen.

Nach zweieinhalb Schuljahren unter dem Einfluss der Corona-Pandemie sehen Bildungsverbände die Gefahr dauerhafter Lernrückstände und kritisieren die Gegenmaßnahmen der Politik als unzureichend.

"Die Defizite, die sich durch Unterrichtsausfall und Fernunterricht in den Corona-Jahren bei vielen Schülern angestaut haben, sind noch immer erheblich", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND).

"Die Politik kleistert diese Tatsache momentan damit zu, dass sie Anforderungen absenkt, Prüfungen erleichtert und das Sitzenbleiben erschwert oder gar verbietet." Am Ende gebe es im Zweifelsfall sogar noch mehr gute Noten, aber entscheidende Kompetenzen würden nur unzureichend vermittelt, sagte Meidinger. "Die Lücken in Mathe, Deutsch und Fremdsprachen könnten aber einer ganzen Generation von Schülern ihr Leben lang auf die Füße fallen."

Zunehmend Mathe- und Deutschprobleme

Eine regelmäßig durchgeführte Studie (IQB-Bildungstrend), die Anfang des Monats von der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt wurde, hatte zum Beispiel gezeigt, dass Grundschulkinder zunehmend Mathe- und Deutschprobleme haben und im Zehn-Jahres-Vergleich in ihren Kompetenzen deutlich zurückgefallen sind. Die Corona-Einschränkungen an Schulen sind nach Einschätzung der Autoren "zumindest teilweise" verantwortlich dafür.

Meidinger kritisierte das sogenannte Corona-Aufholprogramm, das der Bund 2021 aufgelegt hatte. Dieses funktioniere nur unzureichend, müsse finanziell noch einmal aufgestockt werden und noch über Jahre weiterlaufen, wenn es wirklich wirksam sein solle, sagte er.

"Brauchen gezielte Förderung von Schulen in schwieriger Lage"

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht Defizite beim Aufholprogramm. Es komme nicht dort an, wo es am meisten benötigt werde, nämlich bei den benachteiligten Kindern und Jugendlichen. "Ungleiches muss ungleich behandelt werden, statt Gelder mit der Gießkanne zu verteilen. Wir brauchen eine gezielte Förderung von Schulen in schwieriger Lage", sagte das GEW-Vorstandsmitglied Daniel Merbitz. Dabei müsse gerade die Schulsozialarbeit fest verankert werden.

Die Kultusminister der Länder hatten zuletzt gefordert, dieses Programm zu verlängern und um weitere 500 Millionen Euro aufzustocken. Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hatte zurückhaltend reagiert. Die zwei Milliarden seien noch gar nicht komplett ausgegeben.

Die FDP-Politikerin plädiert wie die GEW stattdessen dafür, Schülerinnen und Schüler "sehr gezielt" zu unterstützen und verweist in dem Zusammenhang auf das sogenannte Startchancen-Programm, das die Ampelkoalition plant. Mit diesem Programm sollen in den kommenden Jahren bundesweit 4000 Schulen "in besonders schwierigem Umfeld" mit mehr Geld, zusätzlichen Sozialarbeitern und besserer Infrastruktur unterstützt werden. Für den Herbst hat Stark-Watzinger hier mehr Details angekündigt.

Im Video: Dubais Digital School: Lernen für eine bessere Zukunft

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