Libanons Präsident Aoun kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Demonstranten fordern eine Regierung aus Technokraten

Nach wochenlangen Protesten und dem Rücktritt von Ministerpräsident Saad Hariri hat der libanesische Präsident Michel Aoun Gespräche zu einer Regierungsbildung angekündigt. Der kommende Montag sei als "Termin für verbindliche parlamentarische Konsultationen" festgelegt worden, teilte das Präsidentenbüro am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Derweil blockierten hunderte regierungskritische Demonstranten erneut eine Hauptverkehrsstraße in der Hauptstadt Beirut.

In den vergangenen Wochen waren mehrere Namen von Favoriten für das Amt des Regierungschefs im Gespräch - die Demonstranten lehnten aber jedes Kabinett ab, dem Politiker der etablierten Parteien angehören. Als einer der Favoriten galt zuletzt Samir Chatib, ein Geschäftsmann ohne politische Erfahrung.

Präsident Michel Aoun hatte sich in den vergangenen Wochen für eine Regierung unter Beteiligung von Experten sowie Vertretern der Protestbewegung ausgesprochen - es sei jedoch wichtig, dass auch Vertreter der Parteien zur Regierung gehörten, betonte der Staatschef.

Im Libanon gibt es seit Wochen Proteste gegen die politische Klasse, die aus Sicht der Demonstranten für die verbreitete Korruption, Misswirtschaft und soziale und wirtschaftliche Probleme wie die chronischen Stromausfälle und die Müllkrise im Land verantwortlich sind. Unter dem Druck der Proteste war Regierungschef Saad Hariri am 29. Oktober zurückgetreten.