Lieblingsthema "manipulierte" Wahl: Donald Trump sorgt mit Leserbrief für Wirbel

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Ohne seine längst gesperrten Social-Media-Kanäle als Ventil versucht Ex-Präsident Donald Trump nun, sich via Leserbrief an die Bevölkerung zu wenden, um sich weiterhin als rechtmäßigen Präsidenten der USA zu propagieren. Beim Wall Street Journal fand er Gehör, was heftige Kritik hervorruft.

Ex-Präsident Donald Trump schafft es immer wieder, seine Verschwörungstheorien zum Thema Wahlbetrug an die Öffentlichkeit zu bringen - diesmal mit freundlicher Unterstützung des Wall Street Journal (Symbolbild: Brandon Bell/Getty Images)
Ex-Präsident Donald Trump schafft es immer wieder, seine Verschwörungstheorien zum Thema Wahlbetrug an die Öffentlichkeit zu bringen - diesmal mit freundlicher Unterstützung des Wall Street Journal (Symbolbild: Brandon Bell/Getty Images)

Fast ein Jahr, nachdem er das Rennen um die US-Präsidentschaft an Joe Biden verlor, hält Donald Trump weiterhin an seiner Behauptung fest, die Wahl sei manipuliert worden. Dies bekräftigte er nun in einem mit falschen Behauptungen gespickten Leserbrief an die Redaktion des Wall Street Journal, der die Zeitung nun in die Bredouille bringt - denn diese veröffentlichte den Brief, ohne auch nur eine von Trumps Behauptungen zu überprüfen. 

Donald Trump hatte auf einen Leitartikel des Wall Street Journal (WSJ) vom Wochenende über die Wahl der höchsten Richter Pennsylvanias reagiert, in dem auch die Präsidentschaftswahl von 2020 zur Sprache kam. "Nun, tatsächlich wurde die Wahl sehr wohl manipuliert, was Sie leider immer noch nicht verstanden haben", schreibt Trump in seinem Leserbrief und zählt daraufhin "ein paar Beispiele" auf, mit denen sich der vermeintliche Wahlbetrug im Bundesstaat Pennsylvania belegen ließe. 

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Diese angeblichen Beweise schließen Daten mit ein, die von Audit the Vote PA zusammengetragen wurden - eine Prüfungsorganisation, von der sich selbst Trumps republikanische Parteigenossen längst distanziert haben - sowie Behauptungen, die sich eindeutig widerlegen lassen: Tatsächlich haben mehrere unabhängige Untersuchungen keinerlei Wahlbetrug in Pennsylvania feststellen können. 

Dennoch entschied sich das WSJ, den Brief zu veröffentlichen - vorsorglich in der Rubrik Meinung. Dieser Bereich gilt CNN zufolge selbst unter WSJ-Journalisten als umstritten, da er separat von den übrigen Ressorts agiert und eine augenfällig rechtsorientierte Neigung entwickelt hat. 

Externe und interne Kritik von Journalisten

Dementsprechend wurde der Brief am Mittwoch ohne Faktencheck, Hinweis auf Fehlinformationen oder jeglichen Kontext darin veröffentlicht, was heftige Kritik auf den Plan rief. "Trump konnte das nicht auf Facebook posten, aber die Redakteure haben sich gemeinsam entschieden, es auf ihrer Plattform zu verbreiten. Stellen Sie sich das mal vor", schrieb Amanda Carpenter, politische Kolumnistin bei The Bulwark, auf Twitter. "Sie denken, dass sie sich davon distanzieren können, indem sie es als Meinungsstück verkaufen. Als ob sie das auf magische Weise davon lossprechen würde, Lügen zu verbreiten." 

Hauptstadt-Korrespondent Philip Baum schrieb in einer Analyse für die Washington Post, dass das WSJ besser hätte erläutern sollen, weshalb man den Brief ohne Kontext veröffentlicht hatte, "denn das hätte womöglich etwas Licht ins Dunkel dieser andererseits unerklärlichen Entscheidung gebracht". 

Investigativ-Journalist Jordan Fischer vom Sender WUSA9 nannte den Brief "ein neues Tief" für die Meinungsrubrik des WSJ - eine Ansicht, die auch interne Mitarbeiter teilen. "Ich finde es enttäuschend, dass unsere Meinungsrubrik weiterhin Fehlinformationen veröffentlicht, die schwer zu widerlegen sind. Sie sollte sich an die gleichen journalistischen Standards halten wie wir anderen", zitiert CNN einen anonymen Reporter des Blatts. 

Ein weiterer teilte einen Tweet von Matt Fuller von The Daily Beast, der geschrieben hatte: "Zeitungen sind nicht dazu da, damit mächtige Menschen beliebige Lügen verbreiten können. Eigentlich existieren sie, um das genaue Gegenteil zu tun." 

Donald Trump will eigene Online- und Medien-Plattformen auf die Beine stellen

Offiziell schweigen die Verantwortlichen des WSJ jedoch: Ein öffentliches Statement gab es trotz mehrerer Anfragen diverser Medien bislang nicht. 

Donald Trump versucht indes weiterhin, gerichtlich gegen seine Twitter-Sperre vorzugehen - und startet in der Zwischenzeit eine eigene Online-Plattform namens Truth Social. Zudem hatte er in der vergangenen Woche die Gründung einer eigenen Medien-Gruppe namens Trump Media & Technology Group verkündet, zu der unter anderem ein eigener Streaming-Dienst gehören soll. Allzu lange ist er auf die Gunst von Zeitungen also womöglich nicht mehr angewiesen.

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