Lieferprobleme in Automobilindustrie spitzen sich zu

·Lesedauer: 2 Min.
Fertigung in einem Autowerk (AFP/RONNY HARTMANN)

Die Krise in der Automobilindustrie aufgrund des Mangels an Halbleitern und anderen Vorprodukten spitzt sich zu. "Wir gehen davon aus, dass zehn bis elf Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr nicht gebaut werden können", sagte Albert Waas von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting der "Welt am Sonntag". Die Krise führt offensichtlich auch dazu, dass Hersteller Autos teilweise nur mit einer reduzierten elektronischen Ausstattung ausliefern.

Vor einem Monat war Waas für 2021 noch von weltweiten Produktionsausfällen von sieben bis acht Millionen Autos ausgegangen. Für das kommende Jahr rechnet Boston Consulting nun global mit einem Minus von fünf Millionen Autos.

"Der Chipmangel bremst die wirtschaftliche Erholung der Autoindustrie nach Corona ab", sagte Waas. Mit einer kurzfristigen Erholung ist demnach nicht zu rechnen. "Wir werden in Europa nicht mehr die Produktionszahlen erreichen, die wir vor der Krise hatten", sagte der Experte. Zwar gehe er nicht von einer Welle von Fabrikschließungen aus, weitere Verlagerungen nach Osteuropa und China erwarte er aber schon.

Auch nach Berechnungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC werden 2021 weltweit bis zu elf Millionen Autos weniger produziert und verkauft als im Vorjahr. Hintergrund sei vor allem der Mangel an Halbleitern, hinzu komme die Knappheit an Rohstoffen wie Stahl. "Die Probleme haben sich im dritten Quartal verschärft und werden bis weit in das nächste Jahr andauern", sagte der PwC-Autoexperte Felix Kuhnert dem "Spiegel".

Am Donnerstag hatte der Autobauer Opel angekündigt, wegen der Chipkrise die Produktion in seinem Werk in Eisenach für den Rest des Jahres komplett zu stoppen. Auch beim Autobauer Ford gibt es weitere Einschränkungen im Werk Köln.

Das Beratungsunternehmen Alix Partners hatte kürzlich noch die Erwartung geäußert, wegen des Chipmangels würden in diesem Jahr weltweit 7,7 Millionen Autos nicht produziert werden.

Käuferinnen und Käufer von Mercedes-Autos werden wegen der Krise laut einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" teilweise auf von ihnen bestellte elektronische Ausrüstung verzichten müssen. Betroffen seien etwa die Multifunktionstelefonie oder das Einspiegeln von Navigationshinweisen in die Fahrzeugscheibe, hieß es unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher. Grund sei eine verringerte Leistung der eingebauten Zentralrechner. Spätere Nachrüstungen seien daher nicht möglich. Ansprüche auf eine Stornierung des Kaufvertrages sieht das Unternehmen aber dem Bericht zufolge gleichwohl nicht.

Auch BMW und Audi planen laut einem Bericht der "Automobilwoche", Fahrzeuge zumindest vorerst ohne bestimmte elektronische Extra-Ausstattungen an die Kundinnen und Kunden auszuliefern. Mal fehle die elektrische Heckklappe, mal sei die Lichtfunktion eingeschränkt, hieß es. Solche Fahrzeuge würden dann aber später auf Kosten des Herstellers nachgebessert. Generell ist dem Bericht zufolge bei Autokäufen mit langen Lieferzeiten zu rechnen. Wartezeiten von mehr als einem Jahr seien derzeit an der Tagesordnung.

bk/jp

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.