Lindner plant Reform - Steuerklassen fallen weg! Wann das Ehegattensplitting abgeschafft wird

Das Bundesfinanzministerium plant, dass Arbeitnehmer nur noch die Steuerklasse IV nutzen können. Damit soll eine wesentliche Benachteiligung beseitigt werden.<span class="copyright">Getty Images</span>
Das Bundesfinanzministerium plant, dass Arbeitnehmer nur noch die Steuerklasse IV nutzen können. Damit soll eine wesentliche Benachteiligung beseitigt werden.Getty Images

Die Ampel plant eine komplette Reform der Einkommenssteuer. Die unterschiedlichen Steuerklassen bei Ehepaaren sollen abgeschafft werden. Eine Reform ist bereits im Koalitionsvertrag vorgesehen. FOCUS online erklärt, wer davon profitiert und ab wann die Regelung gilt.

Die Kombination der Steuerklassen III und V ist eine häufige Wahl für Ehepaare mit deutlich unterschiedlichem Einkommen. Der Partner mit dem höheren Einkommen wählt dabei die Steuerklasse III, was zu einem geringeren Lohnsteuerabzug führt, während der Partner mit dem niedrigeren Einkommen die Steuerklasse V wählt, was zu einem höheren Steuerabzug führt.

Diese Wahl wirkt sich auf den monatlichen Lohnsteuerabzug aus, kann aber im Laufe des Jahres zu einer geringeren Gesamtsteuerbelastung des Paares führen, da die Steuerklassenkombination III/V häufig eine günstigere Vorauszahlung auf die gemeinsame Einkommensteuer des Paares darstellt.

Doch diese Option soll bald wegfallen. Bundesfinanziminister Christian Lindner will die Besteuerung künftig automatisch je nach Einkommensverteilung festlegen, da sieht ein entsprechender Gesetzesentwurf vor. Paare sollen dann einheitlich die Steuerklasse IV wählen. Für Millionen Menschen hat das massive Auswirkungen auf ihr Gehalt.

Wann fallen die bisherigen Steuerklassen weg?

Das sogenannte Faktorverfahren soll dann ab 1. Januar 2030 für alle Ehepartner gelten.

„Mit der Überführung der Steuerklassen III und V in das Faktorverfahren für Ehegatten, Lebenspartnerinnen und Lebenspartner soll der Lohnsteuerabzug zum 1. Januar 2030 insgesamt vereinfacht werden“, heißt es im Gesetzentwurf, berichtet das „Handelsblatt“.

Allerdings gilt auch: Neben dem Stichtag ist auch eine Übergangsphase im Gespräch. In der Übergangsphase könnten Arbeitnehmer eine Umstellung beim Finanzamt oder über den Onlinedienst Elster beantragen. Das ist bereits heute der Fall, wenn beispielsweise ein Ehepaar durch eine Erwerbstätigkeit mehr verdient und die Steuerklassen wechselt.

Der Wegfall per Stichtag bedeutet, dass die Finanzämter die Umstellung automatisch nach Einkommensverteilung vornehmen - unbürokratisch und einfach. Doch wer profitiert eigentlich davon?

Wer profitiert von der Steuerreform der Ampel?

Das Grundgerüst der Reform steht offenbar, sagt das Bundesfinanzministerium. Die „Ampel“ aus SPD, Grüne und FDP hatten sich in der Sondierung darauf verständigt, dass es zu keiner steuerlichen Mehrbelastung von Ehepaaren kommen soll. Gleichzeitig soll der Übergang „einfach, unbürokratisch und gerecht“ gestaltet werden.

Was heißt das konkret? Grundsätzlich profitieren Ehepaare durch das sogenannte Ehegattensplitting. Zu beachten ist jedoch, dass die endgültige Steuerbelastung erst nach Abgabe der Einkommensteuererklärung und dem so genannten „Ehegattensplitting“ im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung ermittelt wird.

Bisher mussten Ehepaare bei der Kombination von III und V entweder mit einer Rückerstattung oder in Ausnahmefällen mit einer Nachzahlung rechnen. Dies hing vom Verhältnis der Vorauszahlungen zur tatsächlichen Steuerschuld ab. Durch die Abschaffung bleibt das zwar gleich, aber der Geringverdiener hat mehr und der Gutverdiener weniger Netto vom Brutto auf dem Konto.

Einfaches Fallbeispiel: Verdient Partner A etwa 5000 Euro brutto im Monat, zahlt er mit Steuerklasse III etwa 456 Euro Steuern. Partner B, der 3000 Euro im Monat verdient, zahlt mit Steuerklasse V 653 Euro. Die Steuerbelastung liegt somit bei etwa 1109 Euro. Durch den Wegfall wird das Einkommen beider nun mit der Steuerklasse IV besteuert. Bei 5000 Euro macht das eine Steuerlast von 837 Euro und bei 3000 Euro eine Steuerlast von 324 Euro. Dadurch ergibt sich eine Steuerlast von 1161 Euro.

Unterm Strich profitiert also der Geringverdiener, da er nun mehr Netto verdient. Für das Ehepaar insgesamt hat dies kaum Auswirkungen. Die Mehrbelastung von 52 Euro wird dann durch eine Steuerrückerstattung ausgeglichen.

Ich nutze Steuerklasse III oder V - muss ich dann mehr Steuern zahlen?

Ja und Nein. Sobald das Gesetz in Kraft tritt, werden verheiratete Arbeitnehmer automatisch in die neue Steuerklasse eingestuft. Der besser verdienende Ehepartner hat dann weniger, der schlechter verdienende mehr Netto vom Brutto. Helfen kann außerdem der Brutto-Netto-Rechner von FOCUS online.

Außerdem zeigt die nachfolgende Tabelle einen guten Richtwert. Daran können Sie ungefähr ablesen, wie viel mehr Netto Sie durch die Reform haben. Bei der Berechnung sind wir davon ausgegangen, dass die Eheleute in Berlin wohnen und keine Kinder haben.

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