"Little Fires Everywhere": Die makellose Matriarchin

Patrick Heidmann

Wie "Big Little Lies" in den Neunzigern: Die TV-Serie "Little Fires Everywhere" thematisiert die Rolle von Müttern und Töchtern in einer ungerechten Gesellschaft.

Kerry Washington (li.) und Reese Witherspoon in der Hulu-Serie "Little Fires Everywhere" © Amazon Prime Video

Was dem Kino die Superheldencomics, sind dem Serienbetrieb die Romanbestseller: potenzielle Erfolgsgaranten, mit denen sich ein hochkarätiges Team vor und hinter der Kamera versammeln und die anvisierte Zielgruppe – tendenziell älter und weiblicher als der typische Marvel-Fan – vor den Bildschirm locken lässt. Die Liste der aufwendig produzierten, auf Prestige schielenden Produktionen wird immer länger: Olive Kitteridge, Big Little Lies, Sharp Objects, Defending Jacob, I Know This Much Is True. Und nun reiht sich auch Little Fires Everywhere ein, die achtteilige Serienadaption des Romans Kleine Feuer überall von Celeste Ng, der in den USA 2017 48 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times rangierte.

Vor allem die Parallelen zu Big Little Lies liegen im Fall von Little Fires Everywhere auf der Hand. Treibende Kraft hinter der Serienadaption, für die als Showrunnerin die TV-Autorin Liz Tigelaar (Revenge, Nashville) verantwortlich zeichnet, ist auch hier Reese Witherspoon, die sich mit ihrer Produktionsfirma Hello Sunshine früh die Rechte an Ngs Buch sicherte. Einmal mehr spielt sie die wohlhabende, stets um eine makellose Fassade bemühte Matriarchin in einem vermeintlich idyllischen Kleinstadt-Setting. Selbst die Erzählstruktur erscheint auf den ersten Blick gleich: Zum Auftakt zeigt Little Fires Everywhere ein Familienanwesen in Flammen und stellt die Frage nach dem oder der Verantwortlichen in den Raum, bevor die Handlung ein Jahr zurückspringt.

Das riesige Haus, das da brennt, ist das der Familie Richardson in Shaker Heights, Ohio, einem Bilderbuchvorort von Cleveland, in dem Nachbarschaftspatrouillen genauso selbstverständlich sind wie Verwarnungen bei zu hohem Gras im Vorgarten. Elena Richardson (Witherspoon) hat in dieser geordneten Welt alles und jeden unter Kontrolle, vom eigenen Ehemann (Joshua Jackson) über die vier pubertierenden Kinder bis hin zum Job als Reporterin bei der örtlichen Zeitung. Die Frisur sitzt stets so akkurat wie Blazer und Perlenkette und von der Polizei bis zur Direktion der exklusiven Highschool weiß sie genau, wen sie wo um einen Gefallen bitten kann.

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