Livekonzert in der Pandemie: Fans und Flaming Lips in Luftblasen

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Sieht so die Zukunft der Livemusik aus? Die Flaming Lips jedenfalls haben ein Corona-sicheres Konzept vorgelegt, das ziemlich spacig aussieht.

Die Flaming Lips nutzen gerne Blasen, hier bei einem Auftritt in der TV-Show von Jimmy Fallon im September. (Bild: NBC/NBCU Photo Bank via Getty Images)
Die Flaming Lips nutzen gerne Blasen, hier bei einem Auftritt in der TV-Show von Jimmy Fallon im September. (Bild: NBC/NBCU Photo Bank via Getty Images)

Vereinsamte Fans auf Sitzplätzen, auf den Boden gemalte Tanz-Quadrate - Liveveranstaltungen in Zeiten der Corona-Pandemie haben etwas ziemlich trostloses. Dagegen haben die Flaming Lips jetzt ein wirkungsvolles Konzept entwickelt. Sie stecken einfach sich selbst und alle Zuschauer in abgeschlossene Luftblasen. Schon vor Corona hatte die US-Rockband gerne mit Bubbles als optischem Element experimentiert, doch jetzt bekommen die Luftblasen plötzlich eine ganz neue, wichtige Funktion.

Hunderte Fans in “Space Bubbles”

Nun trat die Band erstmals wieder vor einem größeren Publikum in ihrer Heimatstadt Oklahoma City auf. Im Musikclub Criterion wurden alle Besucher mit identischen lebensgroßen Blasen ausgestattet, in denen sie sich sicher durch die Menge bewegen konnten. Das Ganze wurde auch noch für ein Musikvideo aufgezeichnet. Die Idee war dem Leadsänger Wayne Coyne schon zu Beginn der Pandemie gekommen, als er vor sich hinkritzelte, verriet er dem Nachrichtensender CNN.

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“Ich hab eine kleine Zeichnung eines Konzerts von 2019 gemacht”, sagte Coyne dem Sender. Da sei er der Einzige in einer “Space Bubble” gewesen “und alle anderen waren einfach normal.” Daraus entstand dann die Idee, einfach alle anderen auch in Blasen zu verfrachten. Er habe allerdings nie erwartet, dass Covid-19 so lange bleiben würde, dass sich die Idee wirklich umsetzen ließe.

Mehr als ein halbes Jahr später beschäftigt die Pandemie immer noch große Teile der Welt und insbesondere die USA, die nach wie vor mit extrem hohen Zahlen zu kämpfen haben. Zum ersten Testballon kam es bei einem Auftritt in der Latenight-Show von Stephen Colbert im Mai. Seitdem wurde das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt, bis es nun auch vor einem größeren Live-Publikum zum Einsatz kommen konnte. Für die Live-Show wurden Hunderte der Bubbles aus China importiert. Der Wunsch der Fans nach Livemusik sei so groß gewesen, dass schon nach kurzer Zeit alle Bubbles vergeben waren, erzählte Coyne gegenüber CNN.

“Eine verrückte, einzigartige Erfahrung”

Der Sänger sagte, ihm habe es gefallen, wie das Publikum aussah, dass jeder so feiern und schreien konnte, wie er wollte und dabei die Person daneben nicht anstecken konnte. “Wir als die Flaming Lips mögen die Idee, dass wir etwas Anderes ausprobieren”, sagte Coyne. Es könne immer noch cool und lustig sein und “wir können alle eine verrückte, einzigartige Erfahrung machen.” Ein Wunsch, dem sich sicher fast jeder anschließen würde. Und auch, wenn die Luftblasen immer noch für ein wenig Isolation sorgen, entsteht doch wenigstens mal wieder das lange vermisste Gemeinschaftsgefühl eines Live-Events.

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