Lkw-Attentäter von Stockholm offenbar gefasst

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Lkw am Anschlagsort in Stockholm

Zwei Tage nach dem Lkw-Anschlag von Stockholm hat die schwedische Polizei nähere Informationen über den mutmaßlichen Attentäter veröffentlicht

Nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm hat die schwedische Polizei offenbar den Attentäter gefasst. "Wir haben den Verdacht, dass der Mann, der festgenommen wurde, der Angreifer ist", sagte Polizeisprecher Lars Byström am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Informationen mehrerer schwedischer Medien soll der mutmaßliche Attentäter, der den Lastwagen in eine Menschenmenge gesteuert hatte, aus Usbekistan stammen und ein Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sein.

Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Karin Rosander, sagte AFP, dem Mann würden "terroristische Tötungen" zur Last gelegt. Sie führte aus, dass für den Verdächtigen laut schwedischem Strafrecht damit die höchste Verdachtsstufe gelte. Zur Identität des Mannes wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Schweden nahm wegen der Ermittlungen zu dem Anschlag vom Freitag auch Kontakt zu den deutschen Behörden auf. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte AFP am Samstag, er könne bestätigen, dass in dem Fall "natürlich die deutschen Sicherheitsbehörden in engem Kontakt mit den schwedischen sind". Zum Inhalt des Austauschs wollte er sich nicht äußern.

Die Sendung "Ekot" des schwedischen Rundfunks hatte am Morgen berichtet, "deutsche Behörden" hätten bestätigt, dass der festgenommene mutmaßliche Attentäter aus Usbekistan stamme. Ob der Verdächtige Verbindungen zu Deutschland habe, sei unklar. In der Sendung wurde zugleich hervorgehoben, dass nach derartigen Anschlägen die Kontaktaufnahme zu Behörden in anderen Ländern üblich sei, um Informationen auszutauschen.

Nach dem Anschlag waren insgesamt zwei Männer festgenommen worden. Der mutmaßliche Attentäter wurde den schwedischen Sicherheitsbehörden zufolge am Freitagabend in Märsta gefasst, einer Kleinstadt im Norden von Stockholm, und wegen des Verdachts eines "Terroraktes" in Gewahrsam genommen.

Ein weiterer Mann war im Stockholmer Vorort Hjulsta festgenommen worden. Die Ermittler wollten sich aber nicht dazu äußern, ob die Festnahme im Zusammenhang mit dem Anschlag stehe. Am Samstag sagte Polizeisprecher Byström, der in Märsta gefasste Mann sei zum jetzigen Zeitpunkt der einzige, der offiziell beschuldigt werde.

Im Zentrum von Stockholm war am Freitagnachmittag ein Angreifer mit einem gestohlenen Lkw durch eine Einkaufsstraße gerast und dann in das Kaufhaus "Ahlens" gekracht. Er tötete vier Menschen, 15 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Unter den Verletzten sind nach Behördenangaben auch Kinder. Der Anschlag ereignete sich gegen 15.00 Uhr an der beliebten Stockholmer Einkaufsmeile Drottninggatan. In der Nacht zu Samstag ließ die Polizei den Lkw einer Brauerei abtransportieren, wie AFP-Journalisten berichteten.

Am Samstag herrschte in Stockholm Trauer. Die Flaggen am Königspalast, am Regierungssitz, am schwedischen Parlament und am Stockholmer Rathaus wurden auf Halbmast gesetzt. Auf den Straßen im Stadtzentrum waren am Morgen kaum Menschen zu sehen. "Der Terror hat im Herzen der Stadt zugeschlagen", titelte die Zeitung "Dagens Nyheter" am Tag nach dem Anschlag. Der schwedische Regierungschef Stefan Löfven hatte noch am Abend Blumen am Anschlagsort niedergelegt.

Nach dem Angriff hatten sich in Stockholm chaotische Szenen abgespielt. Menschen flohen in Panik aus der Einkaufsstraße, Hubschrauber kreisten über dem Stadtzentrum. Ein Augenzeuge berichtete, der Lastwagen sei plötzlich "aus dem Nichts" aufgetaucht: "Ich habe gesehen, wie mindestens zwei Menschen überfahren wurden. Ich bin davongerannt, so schnell ich konnte."

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