Lloyds of London, JPMorgan Chase: “Brexodus” nimmt Gestalt an

Der Versicherungsmarkt Lloyds of London will wegen des britischen EU-Austritts seine EU-Zentrale in Brüssel ansiedeln. Der neue Standort solle ab 2019 in Betrieb sein, so die Börse, an der mit Versicherungen gehandelt wird. Damit gibt eine wichtige Institution das Signal: Keine Hoffnung mehr auf EU-weite Arbeit von London aus, genannt “Passporting”.

„Wenn wir die Passporting-Rechte nicht halten können,” so Vorstandschef John Nelson im vergangenen Herbst, “würden wir sicherlich einen Hub auf dem Kontinent aufbauen.”

Meanwhile in racist little england #Brexit #BrexitDay #Brexodus #ScotRef #UnityRef #WalRef pic.twitter.com/RwWoaMy1Db— Joe Hill (@Cov_Bhoy) 29. März 2017

Monatelang hatte Lloyd’s zuvor Standorte in den übrigen europäischen Ländern abgeklopft. Fünf Städte seien in die engere Wahl gekommen, hieß es. Als Favorit galt bei Beobachtern zwischendurch Luxemburg, das bereits andere Institute wie den US-Versicherer AIG sowie den US-Finanzinvestor Blackstone anlockte. Auch Frankfurt, Malta und Paris buhlten um den traditionsreichen Versicherungsmarkt. Lloyd’s of London beschäftigt derzeit rund 700 Mitarbeiter in London, von insgesamt 1.000.

BIS ZU 200.000 FINANZLEUTE SITZEN AUF UMZUGSKARTONS

Andere folgen, nur das Ausmaß des “Brexodus” ist noch unsicher. So hat die führende US-Investmentbank Goldman Sachs bereits mit dem Abzug von Arbeitsplätzen aus London begonnen. Es gehe zunächst um Hunderte Stellen, sagte Europa-Chef Richard Gnodde vor wenigen Tagen (“CNBC”). Insgesamt beschäftigt das Geldhaus bisher etwa 6.000 Mitarbeiter in der britischen Hauptstadt.

Die US-Bank JPMorgan Chase ist laut Insidern (“Bloomberg”) in Gesprächen, ein Bürogebäude in Dublin zu kaufen, mit Platz für mehr als 1.000 Mitarbeiter. Insgesamt sitzen demnach zwischen 4.000 und 200.000 Finanzleute in Großbritannien auf Umzugskartons.

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JP Morgan in talks to buy Dublin building that could hold 1,000 staff https://t.co/m4DSQcSzzl— Robin Thomson (@robin_thomson) 30. März 2017

Ralf Witzler, Marketingverein Frankfurt Main Finance:

“Das ist durchaus ambitioniert; vor allen Dingen für die großen amerikanischen Banken, für die großen Schweizer Banken, die ein Broker-Dealer-Geschäft haben. Das ist sehr kompliziert. Für Geschäftsbanken ist der Umzug weniger kompliziert, sie haben noch ein bisschen Luft bei der Entscheidung. Oder für das Asset Management, die sind relativ schnell umgezogen. Der größte Druck liegt auf den großen Investmentbanken.”

“Banken können nicht zwei Jahre oder noch länger warten, ob ein Deal über Passporting oder (die weniger verbindliche) Äquivalenz zustandekommt”, so Immobilienexperte Bruce Dear von der Anwaltskanzlei Eversheds Sutherland.

LUFTFAHRTBRANCHE AUFGESCHEUCHT

Auch die Luftfahrtbranche ist seit dem endgültigen britischen Austrittsgesuch aufgescheucht: EU-Institutionen, hieß es (“Guardian”), hätten Airlines gewarnt, darunter EasyJet und Ryanair, dass sie einen wichtigen Firmensitz in die EU verlagern oder eine Aktienmehrheit bei europäischen Staatsangehörigen nachweisen müssen, um nach dem “Brexit” Strecken in Kontinentaleuropa wie Paris-Berlin weiterzuführen.

Goodbye Union … “Grossbritannien fliegt aus dem #ECAA“ ... (Handelszeitung)#Business #Economy #Brexit Ryanair https://t.co/kT7b0Nf1tc— Digital Vision: i4.0 (@Industry40) 30. März 2017

Die beiden Billigflug-Airlines haben mehr als andere von der Liberalisierung des Flugverkehrs vor zwei Jahrzehnten in Europa profitiert. EasyJet hat seinen Hauptsitz in London und will einen neuen Ableger innerhalb der künftigen EU-Staaten gründen, um ohne Behinderungen weiter fliegen zu können.

Für die irische Ryanair ist Grossbritannien mit 35 Prozent der Flüge der größte Markt.

su mit Reuters

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