Tausende Lkw-Fahrer dürften Weihnachten rund um Dover verbringen

Kate GILLAM
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Trotz der Wiederaufnahme des Reise- und Frachtverkehrs zwischen Großbritannien und Frankreich dürften tausende Fernfahrer Weihnachten fernab ihrer Familien verbringen. Es werde "einige Tage dauern", bis sich der immense Lkw-Stau rund um den Hafen von Dover auflöse, erklärte die britische Regierung am Mittwoch. In der Hafengegend sind tausende Lkw gestrandet. Der Fähr- und Eisenbahnverkehr lief am Mittwoch langsam wieder an. Fahrer müssen aber in der Regel einen negativen Corona-Test nachweisen.

Es gebe nun "viel zu tun" und das Problem werde nicht "sofort" gelöst sein, sagte Wohnungsbauminister Robert Jenrick dem Sender Sky News zur Lage der Lkw-Fahrer. Rund tausend von ihnen stecken auf der Autobahn Richtung Dover fest, mehr als 3000 auf dem nahegelegenen ungenutzten Flughafen Manston.

Unter anderem dort sollen sich die Fahrer testen lassen können - der negative Coronatest darf nicht älter als 72 Stunden sein. Das britische Verteidigungsministerium entsandte 170 Soldaten, die bei den Tests helfen sollen.

Der Hafen von Dover hatte in der Nacht zum Mittwoch wieder geöffnet, nachdem sich Paris und London auf eine Lockerung der strikten Reise- und Verkehrsbeschränkungen geeinigt hatten.

Auch der Eurostar-Zug von London nach Paris nahm am Mittwoch wieder seinen Betrieb auf. Voraussetzung für die Fahrt war auch hier ein negativer Corona-Test. Ein Sprecher des Unternehmens teilte mit, dass nur 60 der 900 verfügbaren Plätze im ersten Zug besetzt gewesen seien. Unterdessen erreichten am Mittwoch auch die ersten Fähr-Passagiere wieder den Hafen von Calais.

Nach Frankreich lockerten am Mittwoch auch die Niederlande ihre Beschränkungen für Reisende aus Großbritannien. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau kündigte hingegen an, die Aussetzung von Flügen aus Großbritannien bis Anfang Januar zu verlängern.

Mehr als 50 Länder hatten in dieser Woche die Einreise aus Großbritannien beschränkt, nachdem dort eine neue, möglicherweise ansteckendere Variante des Coronavirus aufgetaucht war.

Die britischen Behörden verhängten am Mittwoch ihrerseits einen sofortigen Einreisestopp für Südafrika. Grund ist laut Gesundheitsminister Matt Hancock eine weitere Corona-Mutante, die noch ansteckender sein soll als die erste Variante.

Es seien bisher zwei Infizierte in Großbritannien festgestellt worden, sagte Hancock. Beide Fälle und ihre Kontakte befänden sich in Quarantäne. Auch das Auswärtige Amt warnte am Mittwoch auf seiner Internetseite vor einer neuen Variante des Coronavirus in Südafrika.

Frankreichs vorübergehende Grenzschließung zu Großbritannien für den Frachtverkehr hatte die Befürchtung von Versorgungsengpässen in Großbritannien vor allem bei frischen Gütern geschürt. Die britische Supermarktkette Tesco hatte daher am Dienstag angekündigt, einige Produkte des täglichen Bedarfs zu rationieren, etwa Eier, Reis, Toilettenpapier und Seife.

Viele Menschen hatten Hamsterkäufe getätigt und die Regale einiger Produkte leer geräumt. Die deutsche Fluglinie Lufthansa kündigte angesichts der Situation an, frisches Obst und Gemüse nach Großbritannien zu fliegen.

Aus Protest gegen die Verzögerung und ihre missliche Lage ließen viele Lkw-Fahrer in der Nacht auf dem Flughafen für eine halbe Stunde ihre Hupen ertönen. "Wir sind seit zwei Tagen hier ohne Duschen, ohne Trinkwasser", sagte einer von ihnen.

Wütende Fahrer blockierten am Mittwoch auch einen Kreisverkehr nahe des Flughafens Manston, auf dem viele der Lastwagen parken. Die Polizei meldete die Festnahme eines Mannes, der in Dover eine Autobahn blockiert hatte.

Der französische Spediteur-Verband FNTR beklagte, die Situation der Fernfahrer sei "bei weitem nicht gelöst". Die Lage sei schlimm, es fehle an den nötigen Corona-Tests, an Lebensmitteln und Informationen, sagte eine Sprecherin zu AFP. Viele hätten zudem keinen Zugang zu Toiletten und Sanitäranlagen.

fwe/isd