London: Insel aus gebrauchten Feuchttüchern auf der Themse aufgetaucht

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Auf der Themse hat sich eine Insel aus gebrauchten Feuchttüchern gebildet. Sie hat die Größe von ungefähr zwei Tennisplätzen. Umweltschützer*innen rufen zum Handeln auf.

Feuchttücher beinhalten oft Plastik
Sie gelangen unzersetzt durch die Kanalisation und enden dann in der Themse: Feuchttücher. Foto: Symbolbild / gettyimages

In der Themse ist eine Insel aufgetaucht – allerdings besteht sie nicht aus Sand oder Erde. Die Insel hat sich aus zusammengeklebten und benutzten Feuchttüchern gebildet, die auf ihrem Weg durch die Kanalisation nicht zersetzt wurden.

Größe von zwei Tennisplätzen

Wie The Times of London kürzlich berichtet hat, wurde in der Themse ein Müllberg entdeckt. Der misst ungefähr die Größe von zwei Tennisplätzen und besteht vor allem aus Feuchttüchern. Das hat sogar Politiker*innen in der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs auf den Plan gerufen.

Laut der Times haben diese in einem ersten Schritt die Bevölkerung aufgerufen, künftig auf die Hygieneartikel, die in der Regel Plastik beinhalten, zu verzichten. In einem zweiten Schritt soll es möglicherweise zu einem Verbot kommen, um so der massiven Umweltverschmutzung entgegenzuwirken.

Regierung muss mitziehen

Eine der lautesten Stimmen in dem Vorfall ist Fleur Anderson, eine Politikerin der sozialdemokratischen Labour Party. Sie erklärt laut Business Insider, dass die Plastiktücher aufgrund ihres Plastikanteils nicht zersetzt werden können, nachdem sie in der Toilette gelandet sind. Stattdessen gelangen sie mit der Zeit in die Themse, wo sie offenbar verklumpen.

In einer öffentlichen Befragung sagte Anderson kürzlich: "Es hat sich eine Insel gebildet, beinahe einen Meter tief, die nur aus Feuchttüchern besteht. Sie sorgt aktuell dafür, dass die Themse ihren Verlauf ändert."

Deshalb hat sie vorgeschlagen, den Verkauf und die Produktion der Tücher zu verbieten – sofern sie Plastik beinhalten. Allerdings ist sie sich bewusst, dass so ein Vorschlag kaum umgesetzt werden dürfte, ohne breite Unterstützung in der Regierung.

Fettberge besteht Großteils aus Feuchttüchern

Dass dringender Handlungsbedarf besteht, darauf pocht auch die Umweltorganisation Thames21. Die schreibt in einer Pressemitteilung, dass in einer eigenen Untersuchung bis zu 2.000 Feuchttücher auf 60 Quadratmetern Themseufer gezählt wurden. Zwar werden die Feuchttücher auf ihrem Weg durch die Kanalisation nicht zersetzt, dafür dann aber mit der Zeit und in der Natur: Sie zerfallen dann zu Mikroplastik und richten bei Pflanzen und Tieren großen Schaden an. Thames21 fordert deshalb ebenfalls ein schnelles Verbot der Hygieneartikel

Laut Business Insider sind Feuchttücher auch Hauptbestandteil der sogenannten "Fettberge", die immer wieder für Verstopfungen in den Londoner Abwasserrohren sorgen. Im Jahr 2017 wurde etwa ein solcher 150-Tonnen-schwerer Fettberg im Osten Londons entdeckt. Der sorgte damals für viele Schlagzeilen, ein kleines Stück davon wurde sogar im Museum of London ausgestellt. Doch das endete wenig ansehnlich: Fliegen legten ihre Larven hinein und sorgten wenig später für Insekten-Schwärme. Außerdem stieß der Fettberg giftige Gase aus.

Im Video: Gesundheitsbehörde schlägt Alarm: Polioviren in Londoner Abwasser gefunden

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