Lufthansa befriedet Bodenpersonal mit deutlicher Lohnsteigerung – doch die nächsten Streiks kündigen sich bereits an

Streiks des Bodenpersonals hatten die angespannte Lage an den Flughäfen noch verschärft. - Copyright: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst
Streiks des Bodenpersonals hatten die angespannte Lage an den Flughäfen noch verschärft. - Copyright: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst

Passagiere der Lufthansa müssen keine weiteren Streiks des Bodenpersonals mehr fürchten. Das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi haben sich am Donnerstagabend auf einen Tarifvertrag mit einer Laufzeit von 18 Monaten geeinigt. Die Vereinbarung sieht für die rund 20.000 Beschäftigten Gehaltssteigerungen von mindestens 325 Euro plus einer weiteren Erhöhung um 2,5 Prozent vor, wie beide Seiten berichteten. Am Mittwoch vergangener Woche hatte Verdi mit einem ganztägigen Warnstreik nahezu den gesamten Lufthansa-Flugbetrieb lahmgelegt.

Für Reisende sind das zunächst gute Nachrichten – aber keine Garantie, dass es in diesem Sommer nicht noch einmal zu Streiks kommen kann. Denn nach dem Bodenpersonal fordern nun die Piloten mehr Geld und sind dafür auch bereit, die Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass ihre Mitglieder sich für einen Streik ausgesprochen haben.

Gehaltssteigerung von fast 20 Prozent

Beim Bodenpersonal liegt das Gehaltsplus deutlich über der Inflation. Laut Verdi ergeben sich damit beispielsweise für Check-In-Beschäftigte zwischen 13,6 und 18,4 Prozent mehr. Verhandlungsführerin Christine Behle nannte Mindestsummen zwischen 377 und 498 Euro monatlich. Lufthansa sprach sogar von Steigerungen um 19,2 Prozent in der untersten Gehaltsstufe von 2000 Euro Grundvergütung.

Die Verdi-Vize Behle lobte das Ergebnis, das auch nicht vom Lufthansa-Gewinn abhängig gemacht worden sei. Sie sagte: "Das Ergebnis beinhaltet einen Inflationsausgleich und zusätzlich eine Reallohnerhöhung. Es war uns wichtig, diesen echten Ausgleich zu erreichen, um die Beschäftigten in dieser wirtschaftlich schwierigen Situation abzusichern."

Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann zeigte sich zuversichtlich, nun auch mit den streikbereiten Piloten zu einem Abschluss kommen zu können. Für das Bodenpersonal bedeute der Abschluss große Gehaltszuwächse: "Es war uns wichtig, die unteren und mittleren Einkommensgruppen überproportional zu berücksichtigen. Damit werden wir der sozialen Verantwortung für unsere Beschäftigten gerecht und sichern unsere Attraktivität als Arbeitgeber."

Den Gesprächen war am Mittwoch vergangener Woche ein flächendeckender Warnstreik vorausgegangen, der nahezu den kompletten Flugplan der Lufthansa lahmgelegt hatte. Die Lufthansa kostete er rund 35 Millionen Euro, wie Finanzvorstand Remco Steenbergen erklärte. Für den Fall einer Nicht-Einigung hatte die Verdi-Verhandlungsführerin bereits mit weiteren Arbeitskampfmaßnahmen zur Hauptreisezeit gedroht.

Der erste Festbetrag von 200 Euro monatlich wird rückwirkend ab dem 1. Juli 2022 gezahlt, ab dem 1. Januar 2023 gibt es weitere 2,5 Prozent, mindestens aber 125 Euro monatlich. Ab Juli 2023 kommt dann noch einmal eine prozentuale Erhöhung von 2,5 Prozent hinzu ohne Mindestbetrag. Die Laufzeit endet am 31. Dezember 2023.

toh/dpa

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