Lohnplus und Kündigungsschutz für Lufthansaflugbegleiter

Konzern und Gewerkschaft nehmen Schlichterspruch an

Nach einem monatelangen Tarifkonflikt erhalten die Flugbegleiter der Lufthansa deutlich mehr Gehalt und einen Kündigungsschutz bis Ende 2014. Die 18.000 Mitarbeiter müssen durch den in Wiesbaden vorgestellten Schlichterspruch aber zugleich deutliche Einschnitte in der Tarifstruktur hinnehmen. Der Konzern und die Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO sprachen von einem "schmerzhaften" Kompromiss.

Das Gehaltsvolumen steigt im kommenden Jahr nach Angaben des Schlichters Bert Rürup um insgesamt fast 4,6 Prozent. Diese Steigerung setzt sich demnach aus einer Einmalzahlung von 320 Euro sowie einer Erhöhung der Entgelt-Tabelle im Gesamtvolumen von 3,95 Prozent zusammen. Rürup bezifferte das Gesamtvolumen auf 33 Millionen Euro.

Das Schlichtungspaket umfasst zudem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2014 sowie einen Verzicht auf den Einsatz von Leiharbeitsfirmen bis zum Jahr 2016. Der Tarifvertrag soll eine Laufzeit bis Ende 2014 haben.

Die Tarifstruktur der Deutschen Lufthansa wird durch den Schlichterspruch grundlegend geändert. Für neue Mitarbeiter gilt ab 2013 eine neue Vergütungstabelle. Diese sieht zwar ein leicht höheres Einstiegsgehalt vor, allerdings fällt die Steigerung danach flacher aus als bislang. Im Jahr 2013 werden die jährlichen Stufensteigerungen zudem einmalig ausgesetzt. Neu eingeführt wurde eine veränderte Erfolgsbeteiligung.

Die Tarifpartner verständigten sich in der Schlichtung zudem auf ein Jahresarbeitszeitmodell. In einem flexiblen Arbeitszeitkorridor könnten für die Zeit eines zu erwartenden Personalüberhangs Arbeitszeit und entsprechend Gehälter um bis zu fünf Prozent reduziert werden, erklärte Rürup. Damit würden betriebsbedingte Kündigungen vermieden.

Die Lufthansa und die Gewerkschaft UFO hatten sich Anfang September in dem Tarifstreit auf eine Schlichtung verständigt. Die Gewerkschaft hatte zuvor mit Streiks Druck auf den Konzern gemacht. Durch die Arbeitsniederlegungen fielen hunderte Flüge aus. UFO hatte ursprünglich fünf Prozent mehr Lohn für die Flugbegleiter gefordert. Die Airline bot vor der Schlichtung 3,5 Prozent mehr Gehalt.

Lufthansa und Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO nahmen nun die Empfehlung des Schlichters an. In einer Urabstimmung müssen allerdings noch die Gewerkschaftsmitglieder zustimmen. Bis zum 10. Dezember muss nach Angaben von UFO-Verhandlungsführer Nicoley Baublies mehr als die Hälfte der Mitglieder das Ergebnis annehmen.

Beide Seiten zeigten sich grundsätzlich zufrieden mit dem Ergebnis. Die Neuregelung in den Entgelt-Tabellen sei für die Gewerkschaft allerdings "sehr schmerzlich" gewesen, sagte Baublies. Lufthansa-Vorstandsmitglied Peter Gerber sprach von einem "sehr schmerzhaften Kompromiss" bei der Vergütungserhöhung. In dem derzeit "äußerst schwierigen Umfeld" seien Verteilungsspielräume praktisch nicht mehr gegeben, sagte Gerber.

Die türkische Regierung bestätigte Gespräche zwischen Lufthansa und Turkish Airlines über eine vertiefte Zusammenarbeit. Es werde daran gearbeitet, die bestehende Zusammenarbeit "auszubauen, insbesondere um den geschäftlichen Dialog in bestimmten Bereichen zu erweitern", sagte der türkische Finanzminister Mehmet Simsek laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Die Konzernchefs von Turkish Airlines und Lufthansa arbeiteten derzeit gemeinsam an einem Ausbau der Geschäftsbeziehungen.

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