Lügen der Beauty-Industrie: Diesen Naturkosmetik-Siegeln kann man trauen

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
Wo Naturkosmetik drauf steht, muss nicht automatisch auch Naturkosmetik drin sein. (Bild: Getty Images)

Naturkosmetik ist nicht gleich Naturkosmetik. Viele Hersteller schummeln bei Angaben, Werbeversprechen bzw. Siegeln und lassen den Verbraucher glauben, er kaufe hochwertige Bio-Produkte. Licht ins Dunkel bringen da zertifizierte Siegel, die die Qualität von Naturkosmetikprodukten belegen.

Mit Naturkosmetik trägt man sich nicht nur hochwertige Bio-Produkte, sondern auch ein gutes Gewissen auf. Schließlich steckt in den Essentials die reine Natur – könnte man meinen. Doch der Begriff Naturkosmetik ist nicht geschützt. Oft trickst die Industrie und wirbt mit Inhaltsstoffen, die vielleicht nur in kleinen Anteilen enthalten sind, mit natürlich anmutendem, grünem Packaging, mit „ohne“-Angaben, die den Verzicht auf bestimmte Stoffe hervorheben, aber enthaltene, chemische Ingredienzen verschleiern, und mit selbst gebastelten Siegeln, die Vertrauen wecken sollen. Diesen Tricks stehen zertifizierte Siegel gegenüber, die nur geprüfte Naturkosmetik tragen darf.

Natrue-Siegel

Der Plan von Natrue.org ist es, Natur- und Biokosmetik im Sinne der Verbraucher weltweit zu fördern und zu schützen. (Bild: natrue.org)

Produkte mit diesem Siegel enthalten nur natürliche Inhaltsstoffe unter Einhaltung bestimmter Grenzwerte, um so den Anteil sogenannter naturnaher Stoffe gering zu halten. Denn unterschieden wird hier zwischen natürlichen, naturnahen und naturidentischen Inhaltsstoffen, künstliche Stoffe sind tabu.

Bei ihrer Herstellung wird auf Mineralöle, Silikone, synthetische Duft- und Konservierungsstoffe verzichtet, ebenso auf Tierversuche. Selbst Stoffe von toten Tieren dürfen nicht enthalten sein. Mithilfe eines Zwei-Phasen-Prozesses werden Inhaltsstoffe, Rezepturen und auch die Produktion kontrolliert.

BDIH-Siegel

Das BDIH-Siegel kennzeichnet kontrollierte Naturkosmetik wie zum Beispiel Shampoo, Deo oder Make-up. (Bild: BDHI)

Dieser Echtheitsstempel wurde vom Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) entwickelt. Produkte, die dieses Siegel tragen, enthalten pflanzliche, gentechnikfreie Rohstoffe aus biologischem Anbau, keine chemisch-synthetischen oder organisch-synthetischen Stoffe wie Silikone oder Paraffine bzw. Lichtschutzfilter. Rohstoffe von toten Wirbeltieren sind ebenso wenig erlaubt wie Tierversuche. Erlaubt sind allerdings Produkte von lebenden Tieren wie Milch oder Honig.

Ecocert-Siegel

Das Ecocert-Siegel zeichnet Natur- und Biokosmetik sowie ökologische Wasch- und Reinigungsmittel aus. (Bild: ECOCERT)

Ecocert ist das Siegel des französischen Zertifizierungsverband für ökologische Produkte, bei denen zwischen Natur- und Biokosmetik unterschieden wird. Erstere enthält mindestens 50 Prozent pflanzliche Stoffe und wenigstens fünf Prozent der Rohstoffe aus ökologischem Anbau. Biokosmetik wird als solche Ecocert-besiegelt, wenn sie zu 95 Prozent aus natürlichen Stoffen und zu zehn Prozent aus Stoffen aus biologischem Anbau besteht.

Tierversuchsfreiheits-Siegel

Hase mit schützender Hand – Das Strengste Siegel für Kosmetik ohne Tierversuche. (Bild: IHTN)

Wer auf Kosmetik-Nummer sicher gehen und auf Tierisches verzichten will, kann Ausschau halten nach veganen Produkten und entsprechenden Siegeln. Die Veganblume zeichnet Produkte aus, deren Inhaltsstoffe und Herstellungsprozesse ohne tierische Produkte bzw. Versuche auskommen.

Das Label „Hase mit schützender Hand“ geht noch einen Schritt weiter. Es verbietet Versuche an wirbellosen oder Wirbeltieren sowie Rohstoffe von toten Tieren und setzt voraus, dass der Hersteller in keiner Verbindung zu Firmen oder Ländern steht, die Tierversuche durchführen. Ähnlich ist es beim „Springenden Kaninchen“: Produkte mit diesem Siegel schließen Tierversuche seitens des Herstellers und seiner Zulieferer aus.