Wenn Luke an den Feiertagen nach Hause kommt

Maximilian Haase
·Lesedauer: 3 Min.

Als Comedian ist Luke Mockridge seit einigen Jahren eine feste Größe. In der Miniserie "ÜberWeihnachten" gibt der 31-Jährige nun bei Netflix sein Debüt als Hauptdarsteller und Ko-Produzent.

Glühweintrinken, Chorgesänge, Familentreffen? Weihnachten könnte in diesem denkwürdigen Corona-Jahr ganz anders oder gar völlig ausfallen. Wären da nicht das gute alte Feiertagsfernsehprogramm und diverse neue Streamingproduktionen, die zumindest auf dem Bildschirm eine Art Normalität herzustellen vermögen. Am offensichtlichsten geschieht dies in jener Miniserie, mit der Comedian Luke Mockridge nicht nur sein Netflix-, sondern auch sein Schauspiel-Debüt gibt. Erstmals übernimmt der 31-Jährige, der sonst in TV-Formaten wie "LUKE! Die Greatnightshow" zu sehen ist, in der Dramedy "ÜberWeihnachten" (ab 27. November bei Netflix abrufbar) eine Hauptrolle - und er koproduziert das Ganze gleich mit.

Der Dreiteiler, der wohl nur aus Vermarktungsgründen zur "Miniserie" wurde, nähert sich einem Phänomen, das hierzulande viele aus seligen Nicht-Pandemie-Zeiten kennen: Pünktlich zu Weihnachen kehren erwachsene Töch ter und Söhne für gewöhnlich in ihre alte Heimat zu den Eltern zurück. Doch zu Hause angekommen, verläuft meist nichts so, wie es sollte. Von dieser ebenso besonderen wie fürchterlich anstrengenden Zeit erzählt die Geschichte, die Regisseur Tobi Baumann lose auf dem Roman "7 Kilo in 3 Tagen" von Christian "Pokerbeats" Huber basieren lässt.

Im Zentrum der Handlung steht Basti (Luke Mockridge), der als erfolgloser Musiker in Berlin lebt. Über die Weihnachtsfeiertage reist der Endzwanziger zurück in die provinzielle Heimat in der Eifel, um sich mit Freunden und Familie zu treffen. Doch statt gemütlichen Beisammenseins erwartet Basti jede Menge Stress: Seine Kumpels (Eugen Bauder, Jonathan Kwesi Aikins) haben sich im Gegensatz zu ihm beruflich weiterentwickelt. Sein Bruder (Lucas Reiber) ist inzwischen mit seiner Exfreundin (Cristina do Rego) zusammen. Und auch seine Eltern Brigitte (Johanna Gastorf) und Walter (Rudolf Kowalski) haben tragische Neuigkeiten. Zum Glück gibt es da noch Oma Hilde (Carmen-Maja Antoni), die Basti ebenso aufmuntert und unterstützt wie seine alte Bekannte Karina (Seyneb Saleh).

Das Rezept funktioniert

Luke Mockridge erzählt in "ÜberWeihnachten" eine überaus klassische weihnachtliche Tragikomödie respektive Familien-RomCom in der Tradition von Filmen wie "Tatsächlich... Liebe". Trotz so mancher Plot-Schwachstellen und Uralt-Gags - das Rezept funktioniert: Provinz versus Großstadt, der Sohn in der Heimat, verflossene Liebschaften, nostalgische Kumpeleien - und jede Menge Konflikt, Drama und Streit, gefolgt von Versöhnung und dem romantischen Gedanken, dass am Ende (zumindest an Weihnachten) dann doch noch alles gut zu werden verspricht.

"Es ist eine bescheidene Story und sie will nicht zu viel", beschreibt Luke Mockridge seine Miniserie im Interview. Er habe den negativen Blick auf die "deutsche Familie" an Weihnachten ins Positive wenden wollen: "Wir zelebrieren Würstchen und Kartoffelsalat! Auch wenn das deutsch und spießig ist, ist es ein Teil von uns". Und klar: Dass das Ganze bei Netflix geschieht, fühle sich sehr gut an, so Mockridge: "Das sind die Coolen auf dem Streaming-Schulhof!" Humor und Kitsch, Normalität und Zuspitzung gehen in "ÜberWeihnachten" gut zusammen. Und weil man an den Feiertagen genau dieses Rezept vorgekocht und serviert bekommen mag, sieht man über die nicht sonderlich herausragenden schauspielerischen Leistungen hinweg. Vielleicht ist genau das die Mockridg'sche Bescheidenheit.