«Luther und die Deutschen» - Schau auf der Wartburg

Die Lutherstube auf der Wartburg. Foto: Arifoto Ug/Michael Reichel

Die Bulle mit der Bannandrohung von Papst Leo X. gegen Martin Luther, seine Sprachschöpfungen und Hassschriften gegen Bauern und Juden: Der Reformator spaltet auch 500 Jahre nach Beginn der Reformation.

Die Wartburg bei Eisenach hinterfragt bis zum 5. November das spannungsgeladene und wechselvolle Verhältnis in der Ausstellung «Luther und die Deutschen». Die Ausstellung in Eisenach ist neben Wittenberg und Berlin eine von drei Nationalen Sonderschauen zum Reformationsjubiläum.

Rund 300 kostbare Exponate aus dem In- und Ausland - Gemälde, Druckwerke, Skulpturen, Grafiken und Alltagsgegenstände - geben einen Einblick, wie die Reformation den Verlauf der Geschichte auch außerhalb Deutschlands bestimmte. In einer Eingangsschleuse in kräftigem Blau können sich die Besucher auf Luther in all seiner Widersprüchlichkeit einstimmen und ihre Meinung über den Reformator an der Wand verewigen. Danach stehen sie vor dem Gemälde «Luthers Thesenanschlag» von 1872. Das Datum des Anschlags seiner Thesen an die Kirchentür von Wittenberg vor 500 Jahren - «damit hat alles begonnen», sagt Burghauptmann Günter Schuchardt.

Luthers 95 Thesen in Heftform von 1517 - eine Leihgabe der Zentralbibliothek Zürich - sind ebenso zu sehen wie Luthers eigenhändige Aufzeichnungen nach dem Verhör beim Reichstag in Worms vom April 1521. Luther widerrief dort nicht und war in höchster Lebensgefahr. Wenige Tage später - am 4. Mai 1521 - ließ der sächsische Kurfürst den «vogelfreien» Luther zu dessen Sicherheit auf die damals wenig bekannte Wartburg entführen. Dort übersetzte er als Junker Jörg in wenigen Wochen das Neue Testament ins Deutsche und schuf mit vielen Wortschöpfungen eine Grundlage für eine einheitliche Schriftsprache.

Der kurz nach dem Tod Luthers begonnene Kult wird mit Gemälden und Dokumenten veranschaulicht, ebenso sein Einfluss auf Bildung und Familie. Im 19. Jahrhundert avancierte Luther zum Nationalhelden im neugegründeten Deutschen Reich. Die Nationalsozialisten missbrauchten ihn und seinen Judenhass: Das Plakat «Mit Luther + Hitler für Glauben und Volkstum» versinnbildlicht das.

Wenige Jahrzehnte später wurde Luther auch von beiden deutschen Staaten vereinnahmt. 1983 zum 450. Geburtstag des Reformators feierte ihn auch die DDR. «Man spürt damals aber immer ein Unbehagen hindurch: Wer ist Luther?», sagt Kurator Marc Höchner. «Wir versuchen verschiedene Ansätze, Linien und Fragestellungen aufzuzeigen. Antworten darauf muss jeder Besucher selbst finden.»

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