Mülheimer Freiheit: Baustellen sorgen für verstopfte Straßen

Zeitgleiche Arbeiten von Rhein-Energie und Stadt verursachen häufig Stau.

Regelmäßig kommt es in Mülheim derzeit zu langen Autokorsos auf der Wallstraße. Anlass dafür sind nicht etwa sportliche oder politische Ereignisse, sondern lediglich zwei Baustellen. Sie blockieren aber die Mülheimer Freiheit, eine wichtige Verbindung zwischen Mülheim und Deutz, die sonst auch Polizei und Rettungsdienste regelmäßig bei Einsätzen nutzen.

Eine Baustelle befindet sich auf dem südlichen Straßenabschnitt nahe der Mülheimer Brücke. Die andere ist auf der nördlichen Kreuzung der Mülheimer Freiheit mit der Düsseldorfer Straße. Die ausgeschilderte Umleitung führt mitten durch das Viertel – eine Belastungsprobe für Anwohner und Verkehrsteilnehmer. Sie leiden unter den Motorenabgasen und die Stau-Wartezeit stellt die Geduld aller Beteiligten auf die Probe.

Anwohner in Mülheim sind verärgert

„Hier ist seit Wochen kaum noch ein Durchkommen möglich“, beschwert sich eine Anwohnerin, „ganz zu schweigen vom Lärm und dem Gestank.“ Die Einschätzung eines anderen Passanten fällt positiver aus. „Wenn man die Bauarbeiten nicht direkt neben dem Fenster hat, ist es momentan sogar ruhiger hier als sonst.“

Auch viele Schüler nutzen den teilgesperrten Abschnitt der Mülheimer Freiheit für den Weg in eine der beiden umliegenden Schulen: „Mit dem Rad oder zu Fuß ist das kein Problem“, sagt einer von ihnen. Eltern, die auf Autos angewiesen sind, dürften die Lage dagegen anders bewerten.

Baustelle seit März

Während auf der Mülheimer Freiheit die Rhein-Energie Fernwärmeleitungen im Boden verlegt, errichtet die Stadt eine neue Ampelanlage an der nördlichen Kreuzung mit der Düsseldorfer Straße. Im März wurde die Baustelle eingerichtet, nachdem die Anlage 2016 mehrfach komplett ausgefallen war.

„Bis zum Abschluss der Arbeiten wird es noch ein bis zwei Wochen dauern“, sagt Stadtsprecher Jürgen Müllenberg. Zwar befänden sich die Elektrik und die andere technische Steuerungselemente bereits an Ort und Stelle im Boden. Dafür hatte die Stadt die Mitarbeiter des Amtes für Straßen und Verkehrstechnik vor Ostern sogar nachts arbeiten lassen.

Die mit dem Ampelneubau beauftragte Firma habe allerdings falsche Masten geliefert. „Sobald die bestellten Modelle da sind, wird die neue Anlage installiert und den Betrieb aufnehmen“, kündigt Müllenberg an. In Kombination mit der Baustelle der Rhein-Energie dürfte sich der Verkehr in diesem Zeitraum weiter auf der Umgehungsstrecke stauen.

Fernwärme soll in Köln ausgebaut werden

Durch den im März begonnenen Fernwärme-Ausbau auf der Mülheimer Freiheit kann die Rhein-Energie bislang unerschlossene Stadtgebiete mit dem Kölner Netz verbinden. „Mit dem modernen Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk Niehl 3 hat die Rhein-Energie das Fundament für einen erheblichen Fernwärmeausbau in Köln gelegt“, erläutert Unternehmenssprecherin Anna Reimann.

In der Stadt werde dieser Ausbau auch politisch begrüßt, denn er sei ökologisch sinnvoll. „Fernwärme ist in Ballungsräumen eines der effektivsten Mittel für den Klimaschutz. Vor allem in Städten wie Köln mit ihren eher älteren Bestandsbauten, die nur bedingt für erneuerbare Energien geeignet sind oder in denen erneuerbare Energiesysteme sehr teuer wären“, sagt Reimann.

Über das Land NRW fördert die Europäische Union den Ausbau der Fernwärmetransportleitungen, den Rest finanziert die Rhein-Energie. Aktuell erweitert das Unternehmen das Fernwärmenetz im rechtsrheinischen Köln außer in Mülheim auch in Deutz. Beide Stadtteile befinden sich etwa beim Wohnungsbau im Wandel. So entstehen im Mülheimer Hafen und im Schanzenviertel in den kommenden Jahren neue Quartiere. Die will die Rhein-Energie künftig mit Fernwärme versorgen, sie laut Reimann aber auch mit erneuerbarer Energie, und weiteren Services koppeln. Zudem gibt es noch viele ältere Häuser mit teils ineffizienten Ofenheizungen. Dort ermöglicht Fernwärme mehr Komfort und Klimaschutz gleichzeitig.

Leitungen verlegt

In den vergangenen Monaten hat die Rhein-Energie unter dem Auenweg und der Hafenstraße bereits große und von der EU geförderte Fernwärmetransportleitungen verlegt. Daran soll unter anderem das sogenannte neue Lindgens-Areal im Mülheimer Hafen angeschlossen werden.

Die Arbeiten an der Mülheimer Freiheit sollen im Dezember beendet werden, für den Verkehr sind wechselnde Sperrungen weiter durch Umleitungen ausgewiesen.

Fernwärme in Köln

Der Ausbau des Kölner Netzes hat in den 1960er Jahren begonnen. Heute haben die Fernwärmeleitungen der Stadt insgesamt eine Länge von 334 Kilometern, rund 43 000 Wohnungen werden darüber mit Fernwärme versorgt. Der Rhein-Energie zufolge besteht noch Potenzial für bis zu 35 000 weitere Wohnungen.

Die Bauarbeiten in der Mülheimer Freiheit dienen der Erschließung des Mülheimer Nordens, der weitere Verlauf der Fernwärmeleitungen in Richtung Schanzenviertel ist in Planung. Weitere Projekte für den Fernwärmeausbau gibt es im linksrheinischen Köln, nahe des Gürtels etwa in Ehrenfeld und Zollstock. (ihi)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen