Zehntausende wegen Corona im Ausland gestrandete Touristen werden zurückgeholt

Maas kündigt "Luftbrücke" für gestrandete Touristen an

Über eine "Luftbrücke" sollen zehntausende wegen der Corona-Pandemie im Ausland gestrandete deutsche Touristen nach Hause geholt werden. Außenminister Heiko Maas (SPD) kündigte am Dienstag in Berlin eine "konzertierte Rückholaktion" an. In den kommenden Tagen sollen insgesamt weit über 100.000 Reisende etwa aus Ägypten, der Dominikanischen Republik, Marokko, Argentinien, den Philippinen und den Malediven zurückgeführt werden. Erstmalig gab das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen aus.

Das Außenministerium vereinbarte nach Angaben von Maas am Montag mit kommerziellen Fluganbietern wie der Lufthansa, ein "einmaliges Programm" zur Rückholung deutscher Pauschal- und Individualtouristen aufzulegen. Dafür stelle die Bundesregierung bis zu 50 Millionen Euro zur Verfügung. Alle Reisenden, die von der "Luftbrücke" profitieren möchten, sollen sich auf der Website des Auswärtigen Amtes informieren und auf einer eigenen Plattform für die Rückholung registrieren.

Besonders viele deutsche Urlauber sitzen nach AFP-Informationen in Ägypten fest, nämlich rund 30.000, die meisten von ihnen Pauschaltouristen. Aus der Dominikanischen Republik sollen gut 10.000 deutsche Urlauber zurückgeholt werden. In Marokko sind es Schätzungen zufolge bis zu sechstausend überwiegend Individualtouristen. Auf Malta sitzen noch rund 5000 deutsche Urlauber fest, in Argentinien und auf den Philippinen sind es jeweils rund eintausend.

Noch am Dienstag sollten mehrere Maschinen etwa nach Tunesien, Marokko, in die Philippinen und nach Argentinien starten, um deutsche Staatsangehörige und ihre Familien abzuholen. Auch Deutsche, die etwa für ein Praktikum oder als Au-pair im Ausland arbeiten, können von der Großaktion profitieren. Zudem sollen in Deutschland lebende Menschen mit Aufenthaltstitel zurückgeholt werden, soweit es Kapazitäten dafür gibt. Die Betroffenen müssen eine Selbstbeteiligung in Höhe etwa eines einfachen Economy-Tickets zahlen.

Die Reiseveranstalter und Fluggesellschaften holen bereits seit Tagen Urlauber nach Deutschland zurück, jedoch ist dies teilweise schwierig, weil Passagiermaschinen etwa keine Überflug- oder Landegenehmigungen mehr erhalten. In solchen Fällen schaltet sich das Auswärtige Amt ein oder chartert selbst Maschinen bei kommerziellen Anbietern und bemüht sich um die entsprechenden Genehmigungen. Innerhalb der nächsten Woche sollen die meisten Touristen zurückgeführt worden sein.

Angesprochen auf die Lage deutscher Touristen in Marokko sagte Maas, wegen des hohen Aufkommens dort müsse sehr schnell gehandelt werden, dies stelle alle vor "extreme Herausforderungen". Teilweise sei aber bereits mit den Rückführungen begonnen worden, "wir werden das in den nächsten Tagen weiter forcieren".

Um zu verhindern, dass weitere deutsche Reisenden im Ausland stranden, gab das Auswärtige Amt erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik eine weltweite Reisewarnung für alle touristische Reisen aus. "Bitte bleiben Sie zuhause, das hilft Ihnen und anderen", mahnte der Außenminister.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbz) forderte, Verbraucher müssten die Möglichkeit zur transparenten und kulanten Umbuchung haben. Auch Gutscheine seien eine gute Alternative, wenn sie von der Bundesregierung mit einem Insolvenzschutz abgesichert würden, erklärte vzbz-Vorstand Klaus Müller.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) geht davon aus, dass die Coronakrise bis Ende Mai andauert. Er erwarte, "dass wir sicherlich den ganzen Monat April und den ganzen Monat Mai mit den Folgen zu tun haben", sagte Altmaier in der RTL/ntv-Sendung "Frühstart". Es werde in dieser Zeit noch eine "erhebliche Zahl von Neuinfektionen" geben.

Gelder, Kredite und Bürgschaften müssten jetzt schnell und praxisorientiert bereitgestellt werden, sagte Altmaier weiter. "Wir haben nicht Wochen, wir haben Tage, damit das alles steht."