Frankreich stockt Sahel-Kampftruppen gegen Dschihadisten auf

Macron beim letzten Sahel-Gipfel im Januar

Frankreich stockt seine Kampftruppen gegen Dschihadisten in der Sahelzone auf: Präsident Emmanuel Macron kündigte die Entsendung von weiteren 220 Soldaten in das westafrikanische Krisengebiet an, zusätzlich zu den 4500 Mann vor Ort, wie er am Montagabend nach einem Sahel-Gipfel im französischen Pau mitteilte. Zugleich drängte Macron die europäischen Partnerländer zur Beteiligung an einer "Sahel-Koalition" gegen Islamisten.

Präsident Macron hatte zu dem Treffen eingeladen, nachdem es in den sogenannten G5-Sahelstaaten Mali, Niger, Tschad, Burkina Faso und Mauretanien Kritik an dem Militäreinsatz der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich gab. Macron betonte, die Kritik diene nur "terroristischen Gruppen oder ausländischen Mächten, die Europa nicht in der Region wollen, weil sie ihre eigene Agenda haben". Dies wurde als Anspielung auf Russland verstanden.

Der französische Einsatz Barkhane (Sicheldüne) ist umstritten, seit Ende November 13 Militärangehörige bei einer Hubschrauberkollision in Mali ums Leben kamen. Die Staatschefs der fünf afrikanischen Staaten erklärten nun in Pau, sie wünschten sich eine Fortsetzung der Militärmission. Frankreich sei ein "wichtiger Verbündeter, an dem wir festhalten müssen", betonte der amtierende Vorsitzende der G5-Sahel-Gruppe Roch Kaboré, der Präsident von Burkina Faso.

Außerdem vereinbarten die Gipfel-Teilnehmer, mit Hilfe einer neuen europäischen Kampfeinheit "ihre militärischen Anstrengungen sofort auf den Bereich der drei Grenzen (Mali, Burkina Faso, Niger) zu konzentrieren". Dort häuften sich zuletzt die Angriffe von Dschihadisten.

Welche europäischen Staaten Soldaten in diese neue "Takuba Task Force" entsenden sollen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly hatte im Herbst von bis zu zwölf kooperationswilligen Ländern gesprochen, ohne diese namentlich zu nennen. Auf Nato-Ebene dürfte Macron deshalb weiter Druck machen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mit Macron bereits beim G7-Gipfel im südfranzösischen Biarritz im August ein stärkeres Engagement für die Sahelzone vereinbart. In Mali ist die Bundeswehr im Rahmen von UNO- und EU-Missionen im Einsatz. Die Entsendung zusätzlicher deutscher Truppen schloss Merkel aber ausdrücklich aus.

Die US-Regierung erwägt derzeit, ihre Truppen in Afrika zu reduzieren. Die Ressourcen, die das Pentagon Afrika oder dem Nahen Osten widme, "könnten reduziert werden", um die US-Streitkräfte im Pazifik zu unterstützen, sagte US-Generalstabschef Mark Milley vor einem Nato-Treffen in Brüssel.

"Wenn die Amerikaner sich entschließen, Afrika zu verlassen, wäre dies eine sehr schlechte Nachricht für uns", sagte Macron nach dem Gipfeltreffen in Pau zu den Plänen der US-Regierung. "Ich hoffe, Präsident Trump davon zu überzeugen, dass der Kampf gegen den Terrorismus auch in dieser Region stattfindet."

Das US-Militär entsendet derzeit rund 7000 Spezialeinheiten im Rotationsverfahren nach Afrika, um sich gemeinsam mit afrikanischen Streitkräften am Kampf gegen Islamisten zu beteiligen. Schwerpunkt ist der ostafrikanische Staat Somalia.

Macron ging es nach Angaben des Elysée-Palastes bei dem Gipfel in Pau auch darum, den Militäreinsatz "neu zu legitimieren". Denn der Einsatz hat auch im sechsten Jahr nach seinem Beginn eine durchwachsene Bilanz: In der Sahelzone verüben Islamisten immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte.

Erst vergangene Woche waren bei einem dschihadistischen Angriff auf einen Militärstützpunkt im Niger im Grenzgebiet zu Mali 89 Soldaten getötet worden. Die französische Luftwaffe half, die Extremisten zurückzuschlagen. Es war die blutigste Attacke im Niger seit fünf Jahren.

An dem Gipfel nahmen auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres, EU-Ratspräsident Charles Michel und der Präsident der Kommission der Afrikanischen Union, Moussa Faki, teil.