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Macron nennt Hamas-Angriff "größtes antisemitisches Massaker unseres Jahrhunderts"

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat der französischen Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober gedacht. "Wir sind 68 Millionen Franzosen, 42 von uns wurden niedergemäht", sagte Macron zum Auftakt der nationalen Gedenkfeier. (GONZALO FUENTES)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat der französischen Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober gedacht. "Wir sind 68 Millionen Franzosen, 42 von uns wurden niedergemäht", sagte Macron zum Auftakt der nationalen Gedenkfeier. (GONZALO FUENTES)

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat in einer nationalen Trauerfeier der französischen Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober gedacht. "Wir sind 68 Millionen Franzosen, 42 von uns wurden niedergemäht", sagte Macron bei der Gedenkfeier am Mittwoch im Hof des Pariser Invalidendoms. Die Porträts der 42 Getöteten wurden von Angehörigen der Republikanischen Garde in den Hof getragen.

Der beispiellose Großangriff der Hamas sei das "schlimmste antisemitische Massaker unseres Jahrhunderts", sagte Macron. Die Gedenkfeier galt auch den sechs verletzten, den vier aus Geiselhaft befreiten und den drei noch vermissten Franzosen. Für die Vermissten blieben bei der Trauerfeier drei Stühle leer. Macron wollte mit dem Gedenken ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus setzen.

Nach Israel ist Frankreich das Land, das die meisten Opfer bei dem Großangriff der islamistischen Palästinenserorganisation zu beklagen hat, unter ihnen viele Doppelstaatler. Viele Angehörige wurden daher aus Israel auf Einladung der französischen Regierung zu der Trauerfeier eingeflogen.

"Im Morgengrauen des 7. Oktobers ist das Unsägliche aus den Tiefen der Geschichte aufgestiegen", sagte Macron. Er beschrieb die Szene auf dem Musikfestival Nova in der Nähe des Gazastreifens, wo junge Menschen tanzten. "Die Telefone unserer Kinder, die zuvor die frohen Momente ihres Lebens gefilmt hatten, wurden zur Blackbox des Horrors", sagte Macron mit Bezug auf die Videos, die sich auf Telefonen der Opfer fanden.

Macron gedachte des Mannes, "der eine Granate abwehren wollte, und das Leben seiner beiden Kinder mit dem seinigen bezahlte". Die Opfer verdienten es, "dass wir unermüdlich gegen Hass kämpfen und einem grassierenden, enthemmten Antisemitismus nicht nachgeben", betonte er.

"Ihre Schicksale sind nicht die einzigen, die im Tornado des Leidens im Nahen Osten zerrissen werden", sagte Macron mit Blick auf die palästinensischen Opfer. "Alle Leben sind gleichwertig", fügte er hinzu.

Zu den Eingeladenen zählte auch die bei Paris geborene und nach Israel ausgewanderte Sabine Taasa. Ihr Mann war es gewesen, der sich auf die acht und zwölf Jahre alten Kinder stürzte, um sie vor der Explosion einer Granate zu schützen.

Am selben Abend erfuhr sie, dass auch ihr ältester Sohn, der mit Freunden zum Strand gefahren war, erschossen worden war. "Ich habe mich entschlossen zu kämpfen. Für meine drei Kinder. (...) Und damit alle die Wahrheit erfahren", sagte sie in einem AFP-Gespräch.

Macron hatte die Trauerfeier eigentlich erst nach der Befreiung der letzten Geiseln abhalten wollen. Derzeit ist es jedoch unklar, ob die drei noch vermissten Franzosen überhaupt noch am Leben sind.

Die Zeremonie wurde von politischen Kontroversen überschattet. Mehrere Familien französischer Opfer hatten gefordert, die linkspopulistische Partei La France Insoumise (LFI) von der Trauerfeier auszuschließen, die es ablehnt, die Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen. Als sich mehrere LFI-Parteimitglieder dennoch bei der Trauerfeier zeigten, wurden sie von einem Teil des Publikums ausgebuht.

Die linkspopulistische Partei hatte zudem gefordert, dass Macron auch eine Gedenkfeier für die französischen Opfer im Gazastreifen organisieren solle. Dies gestand der Elysée mittlerweile zu, ohne sich jedoch zur Zahl der Opfer oder zum Zeitpunkt des Gedenkens zu äußern.

Der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober hatte den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Kämpfer der von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuften Hamas und weiterer militanter Palästinensergruppen waren in Israel eingedrungen, hatten Massaker und Gräueltaten verübt und nach israelischen Angaben etwa 1160 Menschen getötet, unter ihnen viele Zivilisten. Rund 250 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Als Reaktion auf den Angriff startete Israel einen massiven Militäreinsatz in dem Palästinensergebiet. Nach jüngsten Hamas-Angaben, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden seit dem Beginn der israelischen Offensive mehr als 27.500 Menschen im Gazastreifen getötet.

kol/ju