"Wir müssen aufwachen": Macron warnt in Dresden vor Rechtsextremismus in Europa

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich zum Auftakt seiner europapolitischen Rede in Dresden geehrt und berührt gezeigt. "Heute als erster französischer Präsident seit der Wiedervereinigung hier zu sprechen, ehrt mich besonders", sagte Macron auf Deutsch. (Ludovic MARIN)
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich zum Auftakt seiner europapolitischen Rede in Dresden geehrt und berührt gezeigt. "Heute als erster französischer Präsident seit der Wiedervereinigung hier zu sprechen, ehrt mich besonders", sagte Macron auf Deutsch. (Ludovic MARIN)

Es sollte ein Weckruf sein: In einer teils auf Deutsch gehaltenen Rede hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Dresden mit starken Worten vor der Gefahr von rechtsextremen Bewegungen gewarnt. "Überall in unseren Demokratien verbreiten sich die Ideen, die von Rechtsextremen verbreitet werden", sagte Macron bei seinem Auftritt auf dem Europafest vor der Frauenkirche. "Dieser üble Wind zieht durch Europa, das ist die Wirklichkeit. Wir müssen aufwachen", rief er.

"Sehen wir uns um: Es gibt eine Faszination für      autoritäre Regime", sagte Macron. Nur wenige Kilometer entfernt, in Ungarn, sei das Geld aus Europa willkommen, aber es werde weder die Unabhängigkeit der Richter noch die Pressefreiheit geachtet, betonte Macron. "Unser Europa ist kein Supermarkt, (...) sondern ein gemeinsamer Sockel von Werten und eine Kultur der individuellen und politischen Freiheit", fügte er hinzu.

Seine etwa 40 Minuten dauernde Rede wurde vom Publikum immer wieder mit Applaus unterbrochen. "Heute als erster französischer Präsident seit der Wiedervereinigung hier zu sprechen, ehrt mich besonders. Es berührt mich sehr", sagte er auf Deutsch. Das im Krieg zerstörte und wieder aufgebaute Dresden, das er für seine Rede bewusst gewählt hatte, sei "ein Zeichen der Hoffnung". "Ich spreche hier in Dresden nicht im Osten Europas, sondern in seiner Mitte", betonte er.

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine betonte Macron, dass Europa keinen Krieg gegen das russische Volk führe, sondern den Frieden anstrebe. "Frieden bedeutet nicht die Kapitulation, sondern es soll der Friede sein, den die Ukrainer wählen", betonte Macron.

Er bekräftigte seine Forderungen nach einer Stärkung der europäischen Verteidigung. "Wir haben Glück, unsere Verbündeten zu haben. Aber wir müssen uns fragen, ob es vernünftig ist, immer größere Anstrengungen von ihnen zu verlangen, vor allem, wenn ihre Interessen sich verlagern", sagte Macron mit Blick auf die USA.

"Hören wir damit auf, komplett transatlantisch oder komplett national zu sein. Seien wir entschlossen deutsch-französisch und europäisch", sagte er mit Blick auf die unterschiedlichen Haltungen beider Länder zur Rolle der Nato.

Am Ende seiner Rede beschwor Macron - erneut auf Deutsch - die Freundschaft beider Länder.  "Deutschland kann auf Frankreich zählen, Frankreich zählt auf Deutschland, Europa zählt auf uns", rief Macron unter begeistertem Applaus. "Errichten wir ein mächtiges und souveränes Europa ganz nach unseren Devisen: Einigkeit, Recht, Freiheit - Liberté, Egalité, Fraternité (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit)", rief Macon im Rückgriff auf die Leitsätze beider Staaten.

Zum Abschluss seiner Rede sang das Publikum die Europahymne in beiden Sprachen, und beide Präsidenten suchten erneut den Kontakt zu den Bürgern - mit Händeschütteln und zahlreichen Selfies. Auf dem Platz vor der Frauenkirche breitete sich Partystimmung aus, als die Musik wieder aufdrehte und die Präsidenten abfuhren.

"Die Rede war gut, ein bisschen lang", meinte die 19 Jahre alte Ivanka aus Dresden. "Er hätte aber noch mehr auf die Jugend eingehen sollen", meinte sie.

Am Dienstag reist Macron nach Münster weiter, wo ihm der Preis des Westfälischen Friedens verliehen wird. Der Staatsbesuch geht am Dienstagnachmittag dann in ein deutsch-französisches Regierungstreffen in Meseberg über.

kol/ck