Macron und Le Pen setzen nach TV-Duell zum Wahlkampf-Endspurt an

·Lesedauer: 3 Min.
Macron und Le Pen (AFP/Ludovic MARIN) (Ludovic MARIN)

Endspurt im Wahlkampf in Frankreich: Nach ihrem mit harten Bandagen ausgefochtenen Fernsehduell haben Präsident Emmanuel Macron und seine rechtspopulistische Herausforderin Marine Le Pen am Donnerstag auf Ortsterminen weiter um Wählerstimmen geworben. Eine Umfrage sah Macron als Sieger der TV-Debatte. In einem ungewöhnlichen Schritt riefen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sowie die Regierungschefs Spaniens und Portugals, Pedro Sánchez und António Costa, gemeinsam zur Wiederwahl Macrons auf.

"Es ist die Wahl zwischen einem demokratischen Kandidaten (...) und einer Kandidatin der extremen Rechten, die sich offen mit denen solidarisiert, die unsere Freiheit und Demokratie angreifen", hieß es in einem gemeinsamen Gastbeitrag in der Zeitung "Le Monde".

"Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass rechtsextreme Ideen populär werden", sagte Macron am Donnerstag bei einem Besuch in einer Pariser Vorstadt. Le Pen, die im Norden Frankreichs unterwegs war, nannte Macron "verächtlich und arrogant".

Knapp 15,6 Millionen Zuschauer und damit rund 900.000 weniger als vor fünf Jahren hatten am Mittwochabend die fast dreistündige Debatte verfolgt, bei der sich beide Kontrahenten zeitweise heftig angriffen. Macron warf Le Pen vor, sich von Russland und Kreml-Chef Wladimir Putin abhängig gemacht zu haben. Le Pen beschimpfte ihrerseits den Amtsinhaber als "Klimaheuchler".

"Wenn Sie von Russland sprechen, dann sprechen Sie von Ihrem Geldgeber", sagte Macron in Anspielung auf die Kredite in Millionenhöhe, die Le Pen von einer russisch-tschechischen Bank erhalten hat. Le Pen bezeichnete die Anschuldigungen als "falsch und unehrlich". Den Kredit habe ihre Partei aufgenommen, weil keine französische Bank ihr ein Darlehen geben wollte. "Ich bin eine vollkommen freie Frau", erklärte sie.

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg erklärte sie ihre "Solidarität mit dem ukrainischen Volk". Sie unterstütze eine Ukraine, die von den USA, der EU und Russland unabhängig sei, fügte sie hinzu. Sie sprach sich erneut gegen einen Importstopp von russischem Gas und Öl aus. "Wir wollen ja kein Harakiri machen", sagte sie mit Blick auf französische Wirtschaftsinteressen.

In der Debatte um die künftige Klimapolitik warf Macron seiner Herausforderin vor, eine "Klimaskeptikerin" zu sein, was diese entschieden zurückwies. Sie wolle die Emissionen unter anderem durch "Wirtschaftspatriotismus" bekämpfen, indem Frankreich etwa mehr Obst und Gemüse produzieren als importieren solle. Umgekehrt warf Le Pen Macron vor, ein "Klimaheuchler" zu sein, der eine "Umweltpolitik der Strafen" betreibe.

Erwartungsgemäß lagen die Vorstellungen der beiden bei der Europapolitik am weitesten auseinander. Macron beschwor einmal mehr ein "starkes, unabhängiges Europa", das ein deutsch-französisches Vertrauensverhältnis voraussetze. Le Pen erwähnte die Beziehung Frankreichs zu Deutschland gar nicht erst und kündigte einen "massiven Umbau" der EU zu einem "Europa der Nationen" an. "Es gibt kein europäisches Volk", sagte sie.

Laut einer Blitzumfrage des Instituts Elabe hielten 59 Prozent der Zuschauer Macron nach dem TV-Duell für den überzeugenderen Kandidaten, 39 Prozent neigten Le Pen zu. In jüngsten Meinungsumfragen zur Wahl liegt Macron derzeit bei 55 bis 56,5 Prozent und damit rund zehn Prozentpunkte vor Le Pen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass mehr als zehn Prozent der Franzosen, die wählen gehen wollen, noch unentschlossen sind.

Den Kandidaten blieben nur noch Donnerstag und Freitag, um die Unentschlossenen für sich zu gewinnen. Am Samstag sind keine Wahlkampfveranstaltungen mehr zugelassen. Die Wahllokale sind am Sonntag zwischen 8.00 und 19.00 Uhr, in Großstädten auch bis 20.00 Uhr geöffnet. Erste Hochrechnungen gibt es um 20.00 Uhr.

kol/lan

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.