Madrid wünscht sich von London mehr "Gelassenheit" in der Gibraltar-Debatte

Die spanische Regierung wünscht sich von London größere "Gelassenheit" bei der Debatte über die britische Exklave Gibraltar an der Südspitze Spaniens. London bekräftigte seine "Entschlossenheit" zur weiteren "Unterstützung" des Gebiets

Die spanische Regierung wünscht sich von London größere "Gelassenheit" bei der Debatte über die britische Exklave Gibraltar an der Südspitze Spaniens. Madrid sei "ein bisschen überrascht" über den "Tonfall", der von Großbritannien angeschlagen worden sei, sagte der spanische Außenminister Alfonso Dastis am Montag. Sonst sei Großbritannien für sein "Phlegma bekannt, aber bei diesem Thema glänzt die traditionelle britische Gelassenheit durch Abwesenheit".

Die aktuelle Debatte kam ins Rollen, nachdem die EU mit Blick auf die anstehenden Brexit-Verhandlungen erklärte, Vereinbarungen über den britischen Austritt aus der EU könnten nur auf Gibraltar angewendet werden, wenn sich Spanien und Großbritannien darüber einig seien. Michael Howard, ein früherer Parteichef der in Großbritannien regierenden Konservativen, hatte daraufhin einen Vergleich zum Falkland-Krieg gezogen, den Großbritannien im Jahr 1982 gegen Argentinien geführt hatte.

Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher habe vor 35 Jahren ein Expeditionskorps "ans andere Ende der Welt geschickt, um eine kleine Gruppe von Briten gegen ein anderes spanischsprachiges Land zu verteidigen", sagte Howard dem Sender Sky News. Er sei sich sicher , dass die aktuelle Premierministerin Theresa May "mit derselben Entschlossenheit" auf der Seite der gut 32.000 Einwohner Gibraltars stehe. Ein Sprecher Mays ließ diese Äußerungen Howards stehen.

Der britische Brexit-Minister David Davis machte laut einer Erklärung von Downing Street das "entschlossene" Festhalten Großbritanniens an Gibraltar deutlich. Ein Sprecher bezeichnete ein Treffen von Davis und Dastis als "sehr freundschaftlich". Zugleich unterstrich er, auch Davis habe von der "Entschlossenheit" der "Unterstützung für Gibraltar" gesprochen.

Außenminister Boris Johnson hatte in der "Sunday Telegraph" geschrieben, Gibraltar stehe "nicht zum Verkauf" und sei auch "keine Verhandlungssache". An der Souveränität des Gebiets werde sich ohne Zustimmung Großbritanniens und der Bevölkerung Gibraltars nichts ändern.

Die Halbinsel Gibraltar liegt an der Meerenge zwischen dem Mittelmeer und dem Atlantischen Ozean. Sie war im Jahr 1713 im Frieden von Utrecht von Spanien an Großbritannien übergeben worden, wird aber regelmäßig von Madrid zurückgefordert. Bislang pufferte die EU die Spannungen zwischen beiden Ländern ab.

Nach dem Brexit-Votum im vergangenen Jahr hatte Madrid vorgeschlagen, sich die Souveränität über Gibraltar zu teilen, um einen Verbleib des Gebiets in der EU zu gewährleisten. Die Bewohner Gibraltars hatten 2002 eine geteilte Souveränität mit Spanien per Referendum abgelehnt.

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