Mächtige Stimmen: Wenn Politiker und Politikerinnen singen

·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.
Auch von Angela Merkel ist ein Gesangsauftritt dokumentiert (Bild: Screenshot/Youtube/ursprünglich NDR)
Auch von Angela Merkel ist ein Gesangsauftritt dokumentiert (Bild: Screenshot/Youtube/ursprünglich NDR)

Kurz vor der Bundestagswahl gehen die Parteien beim Stimmenfang aufs Ganze: Die Grünen haben jetzt sogar ein Lied präsentiert. Sie sind aber bei weitem nicht die ersten singenden Politiker*innen.

Mit der eigenen Stimme auf Stimmenfang gehen: Immer wieder versuchen sich Politiker*innen im Singen. Zuletzt die Grünen.

Die haben diese Woche einen Wahlwerbespot geschaltet, in dem sie – nicht immer ganz tonsicher – einen bevorstehenden Aufbruch in Deutschland mit einer Umdichtung des Volkslieds „Kein schöner Land“ besingen.

Meist hagelt es Kritik für die Gesangseinlagen

Dafür hagelte es mehr Kritik als Zuspruch: Von „Verkehrsunfall“ bis zu „Qualwerbespot“ reichten die Kommentare auf Twitter. Dabei ist der Ausflug der Grünen ins Musikgenre keine Ausnahme.

Die Grünen haben ein Lied als Wahlwerbespot vorgestellt. Dafür ernten sie derzeit viel Spott. (Bild: Screenshot/Youtube/BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Grünen haben ein Lied als Wahlwerbespot vorgestellt. Dafür ernten sie derzeit viel Spott. (Bild: Screenshot/Youtube/BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ein kleiner Überblick über einige singende Volksvertreter*innen.

Stimmenfang am rechten Rand

Den Anfang macht Philipp Amthor: Der CDU-Politiker nutzte im Januar eine Clubhouse-Session, um das Pommernlied anzustimmen. Zu dem Lied aus dem Jahr 1852 hat er wohl eine besondere Verbindung, denn laut Deutschlandfunk Nova forderte er bereits im Jahr 2014, dass es in Schulen erlernt werden sollte. 

Das Problem: Pommern ist ein Gebiet, das vor dem Zweiten Weltkrieg deutsch war, heute aber zum Teil zu Polen gehört. Der Begriff wird deshalb immer wieder von rechts instrumentalisiert, unter anderem von der NPD. So zielten Kritiker*innen des singenden Amthors auch nicht auf seine Gesangskünste, sondern vorrangig auf seine Liedauswahl ab. 

Pippi Langstrumpf-Nahles

Anders war es mit SPD-Politikerin Andrea Nahles, die 2013 während einer Bundestagsrede kurz auf Pippi Langstrumpf machte und mit „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“ den Stil der damaligen Bundesregierung kritisierte. Sie forderte erst lautstark „die Gurkentruppe muss weg“ und stimmte dann das muntere Liedchen an. Bei ihr thematisierten die Kommentare vor allem die Gesangs„kunst“.

Band distanziert sich von CDU-Gesang

Nicht nur die Grünen und die SPD haben es getan, auch die CDU. Allerdings aus einem Moment des Erfolges heraus.

2013 feierte das Spitzenpersonal der Union ihr Ergebnis der Bundestagswahl auf der Bühne vor ihren Parteikolleg*innen mit dem Toten Hosen-Song „Tage wie diese“. Was die Band übrigens nicht so toll fand und sich davon distanzierte.

Ein Jahr zuvor durfte auch die SPD feiern – in Form der NRW-Spitzenpolitikerin Hannelore Kraft. Die hatte bei der Landtagswahl abgeräumt und den Sieg mit, warum auch immer, „New York, New York“ besungen.

NRW ist alles andere als rau

Gleiches Bundesland, andere Liebesbekundung: Noch einige Jahre zuvor war es CDU-Politiker Jürgen Rüttgers, der zu Ehren Nordrhein-Westfalens eine Umdichtung des Partyklassikers YMCA vorgenommen hatte. Das klang damals so:

„Eines weiß ich genau / NRW ist / alles andre als rau, / deshalb hätte / ich ja auch einen Hau, / würde ich /von hier weggehen wollen.“

Wer hat noch nicht? Die FDP! Der damalige Außenminister und spätere Bundespräsident Walter Scheel stimmte 1973 im ZDFHoch auf dem gelben Wagen“ an. Und das überaus treffsicher: Im nächsten Jahr schaffte es der Song bis auf Platz fünf der Single-Charts.

Auch die Linke hat einen Sänger in den Reihen, der immer wieder gern ein Liedchen anstimmt:: Diether Dehm. Vergangenes Jahr präsentierte dieser eine gesungene Ansammlung von Corona-Verschwörungstheorien. Die taz urteilte damals: "sowohl künstlerisch als auch politisch zweifelhaft".

Auch die Kanzlerin hat es schon getan

Und eine darf natürlich nicht fehlen: Angela Merkel. Ja, auch sie hat schon mal vor laufender Kamera gesungen und dabei sogar die Drehorgel bedient. Ihre Liedauswahl: „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Sie ist zwar nur wenige Sekunden zu hören, trotzdem kann man sich die Bundeskanzlerin heute so nicht mehr vorstellen.

Nicht nur in Deutschland greifen Politiker*innen zum Mikrofon – auch in den USA. Vor allem einer zeigte gern seine musikalische Leidenschaft: Barack Obama. Der ehemalige Präsident sorgte damit auch stets für überwiegend positive Reaktionen.

Die klangen beispielsweise so: „Wie kann man diesem Charme nur widerstehen?“ oder „Ich frage mich, wie es sich für Michelle Obama anfühlt, mit der coolsten Person im Raum verheiratet zu sein“.

Von zu viel Zuspruch für ihre Gesangseinlagen sind die Politiker*innen in Deutschland unerreichbar weit entfernt.

Video: Scheuer kassiert Spott für Seitenhieb gegen die Grünen

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.