Maeen Abdulmalik Saeed: "Wir würden den Krieg gern sofort beenden"

Andrea Backhaus

Zerstörung, Hunger und nun noch Corona: Der Jemen droht zu kollabieren. Premierminister Maeen Abdulmalik Saeed warnt vor dem politischen Zerfall – und bittet um Hilfe.

Sicherheitsleute mit Schutzmasken in Sanaa © Khaled Abdullah/​Reuters

Seit mehr als fünf Jahren herrscht ein komplizierter Stellvertreterkrieg im Jemen, in dem sich vor allem die Huthi-Rebellen und die Regierung bekämpfen. Die Regierung des international anerkannten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi wird von einem Militärbündnis gestützt, das von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten angeführt wird. Das sunnitische Saudi-Arabien sieht in den Huthis einen Verbündeten seines Erzfeindes, des schiitischen Irans. Die Huthis hatten ab 2014 große Teile des Jemen eingenommen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Präsident Hadi war von den Huthis aus Sanaa vertrieben worden und erst nach Aden, dann nach Saudi-Arabien geflüchtet. Die südjemenitische Küstenstadt Aden blieb vorübergehender Regierungssitz. Vor wenigen Wochen haben Separatisten dort die Kontrolle übernommen. Premierminister Maeen Abdulmalik Saeed, der sich in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad aufhält, hat unsere Fragen per E-Mail beantwortet.

ZEIT ONLINE: Herr Saeed, Separatisten des Südlichen Übergangsrats (STC) haben die Selbstverwaltung für den Südjemen ausgerufen. Wie ist die Lage?

Maeen Abdulmalik Saeed: Der Aufstand begann ja schon im vergangenen August. Im November wurde das Abkommen von Riad beschlossen, das dem Übergangsrat und anderen südlichen Widerstandsgruppen die Möglichkeit gab, sich der politischen Koalition anzuschließen, die derzeit die Regierung bildet.

Maeen Abdulmalik Saeed ist seit 2018 Premierminister des Jemen. Der promovierte Architekt war zuvor Minister für öffentliche Arbeiten. Während der Nationalen Dialogkonferenz und als Berichterstatter des Komitees für den Verfassungsentwurf leitete er Diskussionen über landesweite Reformen. Nach Kriegsbeginn war Saeed Teil einer Regierungsdelegation, die Friedensgespräche mit den Huthis führte. Saeed gilt als Technokrat mit Verbindungen zu unterschiedlichen politischen Gruppen. © Fabrice Coffrini/​AFP/​Getty Images

Deshalb hatte unsere Regierung beschlossen, Mitte November von Saudi-Arabien nach Aden zurückzukehren, um ihren Pflichten nachzukommen. Drei Monate lang hat die Regierung versucht, die Beschlüsse des Abkommens umzusetzen, die staatlichen Institutionen wieder handlungsfähig zu machen und eine Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Doch aufseiten des Übergangsrates gab es Probleme bei der Umsetzung der vereinbarten Sicherheitsbestimmungen, es folgte eine militärische Eskalation in mehreren Provinzen. Die Situation in Aden ist katastrophal. Staatliche Institutionen können nicht mehr operieren, auch ist der Übergangsrat nicht in der Lage, die sich verschärfenden Krisen zu bewältigen: die durch die Überschwemmungen verursachten Zerstörungen und die Ausbreitung des Coronavirus. 

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