Maischberger diskutiert über Bayern-Wahl: Unternehmer Wöhrl sieht CSU bei über 38 Prozent

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Gastgeberin Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über die Bayernwahl. Schafft es die CSU nochmal? Foto: WDR / Max Kohr

In Umfragewerten liegt die CSU in Bayern nur noch bei 33 Prozent. Wenn das am Sonntag ihr tatsächliches Ergebnis bei der Landtagswahl ist, dann wäre das ein Rekordtief. Doch auch in Berlin bangt man um die die christliche Partei, ein schlechter Wahlausgang könnte das Machtgefüge in der Hauptstadt verschieben. Zum Thema: “Bayern wählt, Berlin zittert – Droht ein politisches Beben?” diskutierte Sandra Maischberger am Mittwochabend mit ihren Gästen.

Maischbergers Sendung hatte etwas erfrischendes. Denn: Es waren keinerlei Interessenvertreter vor Ort. Natürlich verfolgte wahrscheinlich jeder der Anwesenden seine eigene Agenda. So ist zum Beispiel der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl ein guter Bekannter vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und sieht keine Alternative neben ihm. Und der bayerische Kabarettist Urban Priol ist ja nun von Berufs wegen skeptisch allem und jedem gegenüber. Und auch der Schauspieler der Rosenheim Cops Joseph Hannesschläger ist schon von Kindesbeinen an, in einer SPD-Familie aufgewachsen und kann deswegen – natürlich – der CSU nichts abgewinnen.

Trotzdem hat man hier das einzigartige Gefühl, dass jeder seine eigene Meinung vertritt. Keiner muss im Auftrag einer Partei der Linie folgend bestimmte Sätze aufsagen oder spezielle Themen ansprechen und keiner muss im Auftrag eines Vereins die Werbetrommel rühren oder für die Interessen einer Gewerkschaft eintreten. Hier ist jeder privat. Außer vielleicht Welt-Reporter Robin Alexander, aber der fällt nicht durch berufsständische Äußerungen auf.

Zunächst geht es um die Frage: Wer hat die CSU groß gemacht? Natürlich war das Franz Josef Strauß. Der Mann, bei dem sich die Geister scheiden. Hans Rudolf Wöhrl scheint den sehr gemocht zu haben. Er erklärt dessen Erfolg damit: “Heute sind viel mehr Politiker gefragt, die den Medien und den Bürgern nach dem Mund reden. Strauß hatte eben seine Meinung – ein Politiker mit Profil und das fehlt heute manchmal.” Im Einspieler hört man die teils derben Worte des mittlerweile seit 30 Jahren verstorbenen Strauß. Da spricht er beispielsweise von “Gesindel” – einem Wort, das weniger für eine Meinung steht als vielmehr für einen unflätigen Umgangston.

So sieht es auch der Schauspieler Hannesschläger. Er erinnert sich zurück: “Strauß war in einige Skandale entwickelt und die Art und Weise wie er über Menschen geredet hat, war nicht sehr willkommen.”

Doch wer ist nun eigentlich Schuld daran, dass es der CSU so schlecht ergeht? Neben vielen Theorien hat Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber die aufgestellt, es seien die Zugezogenen aus anderen Bundesländern. Die wüssten nämlich nicht um den Verdienst der CSU für Bayern und könnten die deswegen gar nicht wertschätzen. Ob das tatsächlich ein Grund sein könnte, daran zweifelt die Runde.

“Migration als Mutter aller Probleme und jetzt sollen noch die Binnenflüchtlinge Schuld sein?”, fragt Urban Priol. Journalist Alexander sagt: “Nach Bayern ziehen die Menschen vor allem wegen ihres Berufs. Dort gibt es hoch qualifizierte Arbeitsplätze. Wenn die CSU dem zugezogenen bürgerlichen Kernpublikum nicht erklären kann, warum sie so wichtig ist, dann liegt der Fehler bei der CSU.”

Und Wöhrl glaubt sogar: “Wir spielen ein gefährliches Spiel. Heute zu sagen: Wir wollen mal was anderes probieren, nur um nicht CSU zu wählen, da frage ich mich: Was ist die Alternative? Es gibt keine Alternative zur CSU.” Er hat sogar schon einen Tipp abgegeben: 38,2 Prozent für die CSU am Sonntag.

Das hat auch Claudia Jung bemerkt. Fünf Jahre saß die Schlagersängerin für die Freien Wähler im Landtag in Bayern. “Man fühlt sich wie ein Hamster im Rad”, sagt sie. “Man versucht Dinge vorzubereiten und Vorschläge einzubringen, aber die werden alle abgelehnt. Das Beruhigende ist: Am Ende ist ja egal welcher Parteistempel drauf ist, denn wenn ein Vorschlag gut ist, dann zieht ihn sich die CSU ein paar Wochen später wieder heraus und stellt ihn leicht abgeändert als einen eigenen vor.”

Gegen Ende der Sendung kommt dann noch die Frage auf, mit wem die CSU eigentlich koalieren könnte, wenn sie es denn müsste. Robin Alexander findet, dass die Grünen eine gute Wahl wären:  “Heimlich regieren die Grünen ja schon mit. Wenn sie heimlich mitregieren, dann sollen sie auch richtig mitregieren”, sagt er. Nur wer der nächste Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin wird, darauf findet die Runde keine Antwort. Unternehmer Wöhrl ist sich aber sicher: “Ich glaube, es wird eine ganz große Überraschung sein.” Ob er schon mehr weiß?