Mal kein Chaos in Köln: Kürzere Wartezeit und weniger Wut in der Kfz-Zulassungsstelle

Rund 150.000 Kunden kommen jedes Jahr in die städtische Kfz-Zulassungsstelle.

Ulviye Kilic hält die Fäden der Anmeldung in der Hand, recht straff sogar. Wenn sich ein Kunde aus der Warteschlange zu viel Zeit beim Nachrücken zu ihrer Theke lässt, kann sie forsch werden. Seit vielen Jahren ist die 57-Jährige die erste Mitarbeiterin, die zu Gesicht bekommt, wer die Kfz-Zulassungsstelle der Stadt Köln betritt. Effizient arbeiten hat sie gelernt: „Und ich habe gelernt, mich durchzusetzen.“

Ulviye Kilic prüft mit routiniertem Blick die Unterlagen, die mitzubringen sind, wenn Autos um- oder abgemeldet werden, Kfz-Scheine umgeschrieben oder gestohlene Kennzeichen gemeldet werden müssen. Und das im Minutentakt: 2018 wurden rund 150.000 Kunden in der Zulassungsstelle an der Max-Glomsda-Straße 4 in Poll abgefertigt, das sind etwa 500 pro Tag. Die Schlange vor Ulviye Kilic’ Theke reißt selten ab. Wenn sie grünes Licht gibt, bekommen die Kunden eine Marke und dürfen sich in die große Wartehalle setzen, bis ihre Nummer aufgerufen wird.

Das Warten konnte zu einem Martyrium ausarten

Früher, als sich die Kfz-Zulassungsstelle noch an der Herkulesstraße befand, konnte das Warten zu einem Martyrium ausarten. Nicht selten habe es mehrere Stunden bis zum Aufruf gedauert, sagt Heinz-Dieter Schnieders, Leiter der Zulassungsstelle. Und am Schreibtisch des Sachbearbeiters sei manch Kunde dennoch unverrichteter Dinge fortgeschickt worden – wegen fehlender Unterlagen. Wutentbrannte Kölner hatte Schnieders schon viele zu besänftigen. Dennoch macht ihm die Arbeit Spaß.

Wenn die Polizei sich bei ihm meldet, weil sie etwa an einem Tatort ein Auto und das Fragment eines Kennzeichens gefunden hat, darf er den Hilfs-Sheriff spielen. „Dann muss ich mögliche Halter des Fahrzeugs recherchieren“, sagt der 55-Jährige, der das gerne tut, weil er früher selbst mal Polizist werden wollte. Sein Datenmaterial hilft oft bei der Aufklärung von Verbrechen weiter: Immerhin verwaltet die Zulassungsstelle Köln einen Bestand von 2,75 Millionen aktiven und abgemeldeten Fahrzeugen.

Wutpotenzial der Kundschaft hat nachgelassen

Seit dem Umzug nach Poll vor zwölf Jahren hat das Wutpotenzial der Kundschaft nachgelassen. Dass Ulviye Kilic nun vorab die Dokumente durchsieht, verhindert viel Frust, eine bessere Personal-Ausstattung verhindert unangemessene Wartezeiten. Angestrebt würden im Durchschnitt 30 Minuten, so Schnieders. Das Ziel werde mal besser, mal schlechter erreicht. „Aber wir sind immer nah dran.“ Vor allem Montagsmorgens gibt es allerdings manchmal längere Warteschlangen.

An diesem Morgen aber scheint es rund zu laufen. Timo Hengst hatte eigentlich eine Stunde eingeplant, um das Auto in Köln anzumelden, das er von seinem Stiefvater im Badischen kaufte.

Nun habe er ganze zehn Minuten gewartet: „Wir wissen gar nicht, was wir mit dem Tag anfangen sollen“, unkt der 38-Jährige und zieht mit Freundin und Baby von dannen, um die neuen Kennzeichen prägen zu lassen. Die alten hat er in Eigenarbeit entsiegelt: Zur Entfernung der städtischen Hoheitszeichen stehen in der Wartehalle Schleifmaschinen parat.

Schleifgeräte helfen nach Kennzeichen-Diebstahl

Auch Hans-Karsten Schmidt musste zum Schleifgerät schreiten. Allerdings aus einem unerfreulichen Grund. Eines der Kennzeichen seines Autos wurde gestohlen. Nun hat er neue Kennzeichen beantragt und das verbliebene Nummernschild der Schleifmaschine unterzogen. Sachbearbeiterin Daniela Vogel hat die alten Kennzeichen zuvor für zehn Jahre gesperrt, außerdem eine neue Nummern-Ziffern-Kombination zugeteilt und den Fahrzeugschein entsprechend geändert. 36 Euro kostet der Vorgang, bei einem Anbieter in der Nähe zahlt Schmidt zudem 17 Euro für die neuen Kennzeichen. Schon öfter habe er mit der Zulassungsstelle zu tun gehabt, sagt der 52-Jährige: „Und immer ging alles reibungslos.“ Ärgerlich sei so ein Diebstahl natürlich trotzdem, sagt Hans-Karsten Schmidt.

Trotz Verbesserungen im Ablauf gibt es manchmal Stress in den weiten, schlichten Räumen. Das lassen schon die beiden Wachmänner erahnen, die am Eingang und vor dem Büro von Heinz-Dieter Schnieders postiert sind. Die zumeist weiblichen Mitarbeiter haben es mit überwiegend männlichen Kunden zu tun, die nicht immer die feinsten Umgangsformen an den Tag legen. „Unangemessene Situationen“ können laut Schnieders beispielsweise entstehen, wenn sich herausstellt, dass ein Kunde der Stadt aus früheren Zulassungs-Verfahren noch Geld schuldet. Begleicht er seine Schulden nicht, kann er nicht mehr auf die Dienste der Zulassungsstelle hoffen.

Regelmäßige Beschimpfungen

Das sorgt für Unmut. „Beschimpfen lassen müssen wir uns regelmäßig“, sagt Schnieders. Aber auch Spuckattacken oder sogar Handgreiflichkeiten kämen vor. Dass gestohlene Autos angemeldet werden sollen, gefälschte Papiere vorgelegt oder Scheinanmeldungen getätigt werden, ist ebenfalls keine Seltenheit an der Max-Glomsda-Straße.

An der Verbesserung der Abläufe arbeitet die Stadtverwaltung weiter, trotz aller Fortschritte. Einige Dienstleistungen können mittlerweile auch über das Internet geregelt werden. Irgendwann sollen sämtliche Vorgänge im Netz abgewickelt werden können. Aber noch halte sich die Nachfrage nach den Online-Diensten in Grenzen, sagt Schnieders. So schnell wird Ulviye Kilic wohl nicht arbeitslos werden. ...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta