Malis Präsident räumt erstmals Kontakte zu dschihadistischen Milizen ein

Ibrahim Boubacar Keita

Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita hat erstmals Kontakte seiner Regierung zu dschihadistischen Milizen eingeräumt - und damit einen möglichen Weg aus dem langjährigen Bürgerkrieg aufgezeigt. Die Zahl der Toten durch den Konflikt in Nordmali sei "exponentiell" gestiegen und es sei "an der Zeit, neue Wege auszuloten", sagte Keita am Montag im Interview mit dem französischen Fernsehsender France 24 und dem Radiosender Radio France Internationale. Bislang hatte die malische Regierung Gespräche mit bewaffneten islamistischen Gruppen stets vehement abgelehnt.

"Wir sind bereit, Brücken des Dialogs mit jedem aufzubauen", sagte Keita. Zu einem gewissen Zeitpunkt müssten sich alle Konfliktparteien "an einen Tisch setzen und reden", fügte er hinzu.

Er habe seinen hohen Repräsentanten, den früheren Präsidenten Dioncounda Traoré, auf eine "Mission" geschickt, um auf Seiten der Dschihadisten nach Verhandlungspartnern zu suchen, die an "vernünftigen Gesprächen" interessiert sein könnten, sagte Keita. Er mache sich aber bezüglich der Erfolgsaussichten keine Illusionen. "Diejenigen, die anderen befehlen, eine Moschee zu betreten und sich inmitten der Gläubigen in die Luft zu sprengen, genießen wenig Hochachtung von mir", betonte Keita.

Mali kommt seit Jahren nicht zur Ruhe. Islamistische Gruppen hatten 2012 die Kontrolle über den Norden des Landes übernommen. Trotz der Präsenz internationaler Truppen in der Region ist es seither nicht gelungen, die Gewalt einzudämmen. Immer wieder wurden deshalb Forderungen an die Regierung in Bamako laut, den Dialog mit einflussreichen dschihadistischen Anführern wie Amadou Koufa oder Ijad Ag Ghali zu suchen.

Keita bestätigte auch, dass sich Soldaten der malischen Armee derzeit auf dem Weg nach Kidal im Norden des Landes befänden. Die Stadt war vor acht Jahren in die Hände von Tuareg-Rebellen gefallen und gilt seither als Symbol des Kontrollverlustes der malischen Regierung in diesem Teil des Landes. Die Streitkräfte würden Kidal voraussichtlich am Freitag erreichen, sagte Keita.

Die Rückkehr der malischen Truppen nach Kidal ist ein zentraler Teil eines fragilen Friedensabkommens zwischen der Regierung in Bamako und einigen Rebellengruppen. Nach Angaben eines Armeeoffiziers, der ungenannt bleiben wollte, befinden sich 200 malische Soldaten mit dutzenden Fahrzeugen auf dem Weg in die Stadt. Keita betonte, dass der Weg der Soldaten brandgefährlich sei. Malische Soldaten werden häufig Opfer dschihadistischer Attacken.