"Wie kann man nur die 'Tagesschau' verlassen!" - Linda Zervakis spricht über ihren Wechsel zu ProSieben

·Lesedauer: 3 Min.
"Eine unfassbar lange Zeit": Linda Zervakis (46) war 19 Jahre beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seit 2013 auch als Sprecherin der Hauptausgabe der "Tagesschau". Nun hat sie bei ProSieben angeheuert, wo sie noch vor der Bundestagswahl ambitioniert einsteigt. (Bild: 2020 Getty Images/Andreas Rentz)
"Eine unfassbar lange Zeit": Linda Zervakis (46) war 19 Jahre beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, seit 2013 auch als Sprecherin der Hauptausgabe der "Tagesschau". Nun hat sie bei ProSieben angeheuert, wo sie noch vor der Bundestagswahl ambitioniert einsteigt. (Bild: 2020 Getty Images/Andreas Rentz)

In einem Interview hat die langjährige "Tagesschau"-Moderatorin Linda Zervakis jetzt offen über die Hintergründe ihres Wechsels zu ProSieben gesprochen. Beim neuen Sender feiert sie am Montag, 13. September, mit dem Journal "Zervakis & Opdenhövel. Live." Premiere.

"Wie kann man nur die 'Tagesschau' verlassen!" - So in etwa, sagte Linda Zervakis jetzt im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau, hörten sich die Reaktionen auf ihren überraschenden Wechsel von der ARD zu ProSieben an. "Eigentlich haben alle gesagt: "Spinnst du?"

Vermutlich, so die 46-Jährige, hätte sie "die 'Tagesschau' bis zur Rente weitermachen können". Dass sie sich nach fast zwei Jahrzehnten beim offentlich-rechtlichen Rundfunk zu einem Neuanfang entschloss, habe zunächst mit ihrem neuen Arbeitgeber zu tun: "Von allein wäre ich da auch nicht draufgekommen. Es gab tatsächlich seitens ProSieben eine erste Idee für ein eigenes Format, das ich sehr interessant fand", verriet die Moderatorin und TV-Journalistin in dem offenen Gespräch.

Danach, so Zervakis weiter, "fing es in mir an zu arbeiten. Es kam dann eines zum anderen." Sie habe sich auch "an einem Punkt in meinem Leben" gesehen, "an dem ich noch mal etwas Neues wagen wollte". Also habe sie "die Chance erkannt", sich "noch mal anders aufzustellen und zu präsentieren". Linda Zervakis bestätigte, dass ihr die Entscheidung nicht gerade leicht gefallen ist. "Aber es war jetzt einfach auch mal Zeit für eine Veränderung, und das war die perfekte Gelegenheit für den Absprung. Niemand kann mir garantieren, dass es funktioniert. Falls nicht, dann werde ich wieder etwas Neues finden, das mich erfüllt."

Das ProSieben-Journal "Zervakis & Opdenhövel. Live." mit Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel startet am Montag, 13. September, 20.15 Uhr. (Bild: 2021 Getty Images/Hannes Magerstaedt)
Das ProSieben-Journal "Zervakis & Opdenhövel. Live." mit Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel startet am Montag, 13. September, 20.15 Uhr. (Bild: 2021 Getty Images/Hannes Magerstaedt)

"Die Zeit mit meiner Familie genossen"

Zervakis, die am 26. April ihre letzte "Tagesschau"-Sendung moderierte, hat die vergangenen Monate auch "zum Nachdenken und Resümieren genutzt", wie sie im teleschau-Gespräch erklärte: "Nach 19 Jahren Schichtdienst habe ich erst mal einen entspannteren Lebensrhythmus und die Zeit mit meiner Familie genossen."

Die Hauptausgabe der "Tagesschau" um 20 Uhr schaue sie nach wie vor "fast immer - auch immer noch mit dem professionellen Blick". Davon könne "man sich nicht ganz freimachen, wenn man weiß, wie es hinter den Kulissen zugeht". Linda Zervakis: "Ich war so lange Bestandteil dieser Sendung, fühle mich einfach verbunden. Der Druck dieses Jobs ist ja nicht zu unterschätzen. Wie oft ich schon davon geträumt habe, meine Notizen nicht beisammen zu haben, oder nachts - auch im Urlaub - aufgewacht bin und mich panisch gefragt habe: 'Habe ich Schicht?', das glauben Sie nicht. Auf die Frage, ob sie nun froh sei, diesen großen Druck losgeworden zu sein, antwortete Zervakis: "Ich würde lügen, wenn ich Nein sagen würde."

Ein Duo, auf das man gespannt sein darf: Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel starten bei ProSieben ein gemeinsames TV-Journal. (Bild: )
Ein Duo, auf das man gespannt sein darf: Linda Zervakis und Matthias Opdenhövel starten bei ProSieben ein gemeinsames TV-Journal. (Bild: )

"Mich schrieben viele Leute an"

Dass ihr Wechsel zu ProSieben ein derart großes Medienthema werden würde, "damit hätte ich in der Form nicht gerechnet", bekannte Linda Zervakis. "Auch nicht mit den unfassbar vielen Wortmeldungen von Zuschauer*innen - ich war überwältigt." Natürlich wisse sie, "dass die 'Tagesschau' in Sachen Relevanz alles in den Schatten stellt, aber ich war erstaunt, wie wichtig den Zuschauer*innen ein vertrautes Gesicht, eine vertraute Stimme offensichtlich ist. Mich schrieben viele Leute an - die allermeisten zeigten großen Respekt vor meinem Schritt und dem Mut, so einen Weg zu gehen."

Linda Zervakis erwarten bei ProSieben neue große Aufgaben. Das Journal "Zervakis & Opdenhövel. Live." mit Matthias Opdenhövel startet am Montag, 13. September, 20.15 Uhr. Gemeinsam mit SAT.1-Moderatorin Claudia von Brauchitsch moderiert Sie am Sonntag, 19. September, auch das "Triell" der ProSiebenSat.1-Sender mit den Kanzlerkandidaten.

Einen gravierenden Unterschied zwischen öffentlich-rechtlichem TV und Privatsender habe sie bereits in den "kürzeren Entscheidungswegen und der damit verbundenen Freiheit" ausgemacht. "Bei der ARD dauert es von einer Idee bis zur Umsetzung manchmal Monate, da geht es viel um Strukturen und Hierarchien. Bei ProSieben habe ich gelernt, dass man gehört wird, wenn man einen Vorschlag hat, und dass es auch mal nur Tage sein können, bis er umgesetzt wird", sagte Linda Zervakis im Interview mit der teleschau.

Die Zeit der Hosenanzüge scheint erst mal vorbei zu sein: Linda Zervakis ist nun in Diensten von ProSieben. Dort, sagt sie, "habe ich gelernt, dass man gehört wird, wenn man einen Vorschlag hat, und dass es auch mal nur Tage sein können, bis er umgesetzt wird". (Bild: ProSieben / Michael de Boer)
Die Zeit der Hosenanzüge scheint erst mal vorbei zu sein: Linda Zervakis ist nun in Diensten von ProSieben. Dort, sagt sie, "habe ich gelernt, dass man gehört wird, wenn man einen Vorschlag hat, und dass es auch mal nur Tage sein können, bis er umgesetzt wird". (Bild: ProSieben / Michael de Boer)
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