Mann fiel tot vom Himmel - Identität weiter unklar

In London fand die Polizei einen Toten auf dem Bürgersteig, ohne Ausweis, ohne Kreditkarte. Zuerst vermuteten die Beamten einen Mord, doch dann fanden sie eine fast unglaubliche Erklärung: Der Afrikaner soll aus einem Flugzeug gefallen sein. Nun versuchen sie die Identität des blinden Passagiers zu klären.


Dieses computergenerierte Bild des Unbekannten veröffentlichte die Polizei. (Foto: dapd)Es war Sonntag, der 9. September, die Sonne schien vom blauen Himmel über London, als die Bewohner des Viertels Mortlake die Leiche eines jungen Mann fanden. In Jeans, weißen Turnschuhen und einem grauen Sweatshirt lag er auf dem Bürgersteig des Portman Avenue. „Der Körper war verkrümmt“, erzählte Catherine Lambert, eine Anwohnerin, der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Die Polizei vermutete einen Mord und sperrte den Tatort ab. Doch bald fanden die Beamten eine andere Erklärung: Der Tote soll aus einem Flugzeugs gefallen sein. Die Polizisten hatten angolanische Münzen in seiner Hosentasche gefunden. Und Nachforschungen ergaben, dass genau zu der fraglichen Zeit eine Maschine aus Angola im Landeanflug auf den Heathrow Airport über das Viertel flog. Beim Ausfahren des Fahrwerks soll der leblose Körper herausgefallen sein.

Die Reise des Unbekannten begann wahrscheinlich auf dem Flughafen von Luanda, der Hauptstadt Angolas. Der Mann war in das Fahrwerk des Flugzeugs mit dem Ziel London geklettert. Als er in der britischen Hauptstadt auf dem Bürgersteig aufschlug, war er wahrscheinlich schon tot. Die Obduktion ergab, dass der blinde Passagier mehreren Verletzungen erlegen ist.

Chris Yates, ein Experte für Flugsicherheit, sagte gegenüber AP, dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr blinde Passagiere in Fahrwerken von Flugzeugen nach Europa schmuggeln wollen. An vielen Flughäfen in Afrika machen es lasche Sicherheitskontrollen ihnen dabei einfach. Doch kaum einer der Flüchtlinge erreicht sein Ziel lebend.

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„Sie sterben oft, weil sie in den Radstand oder den Laderaum klettern, und diese Bereiche haben keinen Druckausgleich“, erklärte Yates. „Sobald man über 3000 Meter aufsteigt, wird der Sauerstoff knapp. Und es wird kalt, die Temperatur fällt auf minus 40 oder minus 50 Grad.“ Yates sagte, dass der Tote aus Mortlake wahrscheinlich innerhalb der ersten Stunde des Flugs sein Bewusstsein verlor und starb.
 
In den Tagen nach dem grausigen Fund legten Anwohner Blumen an die Stelle, wo die Leiche entdeckt worden war. Eine kleine Gruppe Angolaner betete am Fundort. Catherine Lambert sagte, Traurigkeit läge über der Nachbarschaft. „Ich dachte: Wovor ist er davongelaufen? Und wie wird seine Familie je davon erfahren. Er ist jetzt eine verlorene Seele. Sein Vater und seine Mutter warten wahrscheinlich darauf, dass er sich bei ihnen meldet.“

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Die Polizei hofft auf einen Hinweis aus der Bevölkerung, um den Toten zu identifizieren. Dafür hat sie Fotos seines Gesichts und der Tattoos auf seinem linken Arm veröffentlicht. Sie zeigen die Buchstaben Z und G. In einem Statement hieß es, er sei Afrikaner, schlank gebaut und zwischen 20 und 30 Jahre alt. Ein Polizist sagte AP, dass angolanische Behörden bisher nicht klären konnten, wer der Mann sei. Seine Leiche werde nun aufbewahrt für den Fall, dass seine Identität geklärt wird und er nach Hause überführt werden kann.

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