Mann klagt sich seit 20 Jahren zu kostenlosem Wohnen

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In den USA lebt ein Mann seit 23 Jahren kostenlos in einem Haus, das ihm nicht gehört. Fast genauso lange entzieht er sich mit rechtlichen Mitteln einer Zwangsräumung.

(Symbolfoto: Getty Images)
(Symbolfoto: Getty Images)

In Long Island, US-Bundesstaat New York lebt ein Mann seit mehr als 20 Jahren in einem Haus, für das er dem rechtmäßigen Besitzer noch keinen einzigen Cent gezahlt hat. Wie geht das? Das US-Rechtssystem macht es möglich. Dem Mann ist es bis heute gelungen, sich mit juristischen Mitteln einer Zwangsräumung zu entziehen.

"Gekauft" hat Guramrit Hanspal das Haus in der Ortschaft East Meadow im Nassau County vor 23 Jahren für 290.000 US-Dollar. Von der Hypothek, die er von der Washington Mutual erhielt, beglich er nur eine einzige Ratenzahlung in Höhe von 1.602,37 US-Dollar, berichtet die New York Post. Und obwohl die Bank im Jahr 2000 eine Zwangsräumung erwirkte und auch die nachfolgenden Besitzer der Immobilie rechtlich gegen ihn vorgingen, bewohnt Hanspal das Haus noch immer.

Recht im Rücken

Das kann er, weil er sozusagen Rückendeckung vom US-amerikanischen Rechtssystem oder genauer: dem Insolvenzrecht des Landes genießt. Dieses gewährt einem Schuldner automatisch ein Aufenthaltsrecht, das so genannte "automatic stay", sobald er sich insolvent gemeldet hat. Damit ist er den Ansprüchen des Gläubigers zumindest bis auf weiteres entzogen. Auf dieses Recht beruft sich Hanspal seit nunmehr 20 Jahren.

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Seit Januar 2001 hat der 52-Jährige sieben Insolvenzanträge gestellt, heißt es in der Post. Auch mit mehreren Klagen hat er sich offenbar sein Wohnrecht erstreiten können. Hinzu kommt die Besonderheit, dass er den Besitz des Hauses auf andere Personen übertrug, die sich ihrerseits und teilweise mehrfach als zahlungsunfähig erklärten. Insgesamt gäben mindestens drei weitere Personen außer Hanspal das Gebäude als ihre Adresse an, berichtet die Zeitung.

Die Masche bewährt sich offenbar. Seit Hanspal im Haus lebt, wechselten mehrfach die Besitzer. Als Washington Mutual im Jahr 2008 im Zuge der Finanzkrise pleiteging, wurde die Bank JPMorgan Chace neuer Gläubiger. Seit 2018 gehört das Haus dem Immobilienunternehmen Diamond Ridge Partners.

David gegen Goliaths

Neuer Besitzer, altes Problem. Hanspal darf weiter im Haus in East Meadow leben, während der rechtmäßige Eigentümer erfolglos dagegen ankämpft. Was sich für den einen lohnt, wird für den anderen zu einer immer kostspieligeren Angelegenheit. Insgesamt 440.000 Dollar soll Hanspal in all den Jahren gespart haben, schätzt die Zeitung. Dagegen verdient der Gläubiger nicht nur kein Geld mit der Immobilie, er zahlt auch noch drauf. Allein für die Gerichtskosten soll die Immobilienfirma schon 150.000 Dollar aufgewendet haben und weitere 50.000 Dollar für die Grundsteuer.

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Der Ausblick in die Zukunft scheint – aus Sicht von Diamond Ridge zumindest: düster. Der New York Post liegt eine Stellungnahme aus dem Umfeld des Unternehmens vor. "Zum Zeitpunkt dieses Schreibens", heißt es in dem Schreiben, sei "noch kein Ende in Sicht." Man darf daher gespannt sein, wie sich dieser Goliath gegen den gerissenen David weiter behaupten wird. Dem scheinen die Steine noch nicht ausgegangen sein. Mehr noch: In der aktuellen Corona-Krise könnte er nachrüsten. Die Krise wird ihm vermutlich eine "Gnadenfrist" gewähren, schreibt die Zeitung unter Berufung auf den Anwalt der Immobilienfirma, da die Gerichte mit den Räumungsklagen nicht hinterherkämen.

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