Marathon in der Luft: Die erstaunlichen Fähigkeiten der Albatrosse

Auf dem Land noch tollpatschig und plump, entpuppen sich Albatrosse in der Luft als elegante Ausdauerathleten. Um Futter für den Nachwuchs zu finden, können sie 15.000 Kilometer weit fliegen – und das, ohne auch nur einmal mit den Flügeln zu schlagen.

Die meisten der 21 Albatros-Arten leben über den Ozeanen der Südhalbkugel, einige aber auch über dem Nordpazifik und eine Art auf den Galapagosinseln. Elegant wie Segelflugzeuge kreisen die bis zu zwölf Kilo schweren Riesenvögel über den Meeren. Geschwindigkeitsrekorde brechen sie dabei zwar nicht, doch dafür ist ihre Flugtechnik umso ausgefeilter.

Dynamische Segler

Um zu ihren Jagdrevieren zu gelangen, müssen Albatrosse enorme Strecken zurücklegen. 15.000 Kilometer schaffen sie ohne Zwischenstopp. Um Energie zu sparen, schlagen sie dabei kaum mit den Flügeln, denn ein einziger Schlag mit ihren bis zu 1,60 Meter langen Schwingen kostet die Albatrosse mehr Kraft als kilometerlanges Gleiten. Um noch mehr „Treibstoff“ zu sparen, haben Albatrosse eine raffinierte Flugtechnik entwickelt: Sie nutzen die Naturerscheinung, dass der Wind in großen Höhen stärker bläst als knapp über der Wasseroberfläche. Zuerst segeln sie hoch über dem Meer mit dem Wind, wo sie, vom Rückenwind angetrieben, bis zu achtzig Stundenkilometer schnell werden. Sobald sie genug Schwung haben, stürzen sie nach unten und schlagen dort die Richtung ein, in die sie eigentlich fliegen wollen. Erst wenn ihr Schwung nicht mehr ausreicht, steigen sie wieder auf, um erneut Anlauf zu nehmen.

Ehe auf Distanz

Fast ihr ganzes Leben lang kreuzen Männchen und Weibchen getrennt voneinander über den Ozeanen. Nur alle zwei Jahre treffen sie sich an Land, um mit einem festen Partner Nachwuchs zu bekommen. Sie nisten dann in großen Kolonien mit mehreren Tausend Tieren. Um Futter für ihre Brut zu finden, brechen die Vögel erneut zu weiten Reisen auf – so können sie während eines Beutezugs viel Nahrung für sich und die Küken sammeln.

Albatrosse leiden unterwegs keinen Hunger: Ihnen hilft dabei ein besonderer Abschnitt in ihrem Verdauungstrakt, der sogenannte Proventrikulus. In dieser Blase trennen die Albatrosse das Fett aus dem Nahrungsbrei von den wässrigen Bestandteilen ab und konzentrieren es. Das wiederholen sie so lange, bis der Proventrikulus ganz mit fettigem Öl gefüllt ist. Kommen Hungerzeiten, ernähren sich die Albatrosse von ihrem Öldepot. Und auch die im Nest zurückgebliebenen Küken freuen sich auf ihre ölige Babynahrung. Für das Kleine ist die Zeit aber hart: Oft wartet es tagelang allein im Nest, während seine Eltern Tausende von Kilometern entfernt jagen.

Das Skurrile: Während Albatrosse in der Luft wahre Flugkünstler sind, kommen sie an Land nur schwerfällig voran. Mit ihren kurzen Beinen watscheln sie tollpatschig über Strände und Klippen – und wer sie sieht, kann nur schwer glauben, welche Leistungen sie in der Luft vollbringen können.

Bild: Fotolia / Philippe LERIDON