Mario Götze: Ein Volksheld vor der größten Enttäuschung seiner Karriere

2014 schoss Mario Götze Deutschland zum Weltmeistertitel. Die Chance, dass er bei der Mission Titelverteidigung dabei ist, sind gering. Die Probleme eines ewigen Talents.

Mario Götze verpasst die beiden Länderspiele gegen Spanien und Brasilien

Elf Spieler von Borussia Dortmund sind bis Mitte nächster Woche mit ihren Nationalmannschaften unterwegs, im DFB-Kader für die Spiele gegen Spanien (Freitag in Düsseldorf) und Brasilien (Dienstag in Berlin) fehlen die Schwarz-Gelben allerdings. Kein Julian Weigl, kein Andre Schürrle, kein Gonzalo Castro, kein Marcel Schmelzer, kein Marco Reus und auch kein Mario Götze.

Deutschland ohne Dortmunder, das hat es schon eine Ewigkeit nicht mehr gegeben. Während Schmelzer und Castro in den Überlegungen von Bundestrainer Joachim Löw ohnehin keine große Rolle spielen, sind Schürrle und Weigl in ihren Leistungen derzeit viel zu schwankend, um die Berechtigung für eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen.

Reus hat erst kürzlich sein Comeback nach langer Verletzungspause gegeben und soll laut Löw  im Verein erstmal Form und körperliche Fitness aufbauen. Ein gesunder Marco Reus ist für den WM-Kader aber quasi gesetzt, zumal er zuletzt vielversprechende Leistungen abgeliefert hat.

Löw: Götze ist nicht in Form

Im Gegensatz zu Mario Götze. Der WM-Held von 2014 läuft nicht nur Gefahr, die Mission Titelverteidigung in Russland zu verpassen, sondern auch als ewiges Talent abgestempelt zu werden. Die drei Jahre beim FC Bayern haben Götze nicht voran gebracht, bedingt auch durch eine schier unendlich lange Krankenakte. Von der Rückkehr nach Dortmund, der Rückkehr “nach Hause”, versprach sich Götze auch eine Rückkehr zu alter Stärke. Das hat nur ansatzweise funktioniert. Acht Wochen vor Bekanntgabe des endgültigen WM-Kaders am 15. Mai ist Götze außen vor.

“Im Moment ist er noch nicht in der Form, in der wir ihn uns wünschen”, begründete Löw Götzes Nichtnominierung für die beiden anstehenden Testspiele. 

Deutlich drastischer formulierte es BVB-Coach Peter Stöger nach dem blamablen 0:0 in Salzburg und dem damit verbundenen Ausscheiden aus der Europa League, als Götze in der Halbzeit in der Kabine bleiben musste. “Mit Mario waren wir überhaupt nicht einverstanden; wenn so gar nicht umgesetzt wird, was wir wollen, dann müssen wir anderen Jungs eine Möglichkeit geben”, so Stöger. Vor allem die erhofften Laufwege hinter die gegnerische Abwehrkette hatte der Trainer vermisst.

Probleme mit Stögers System

Es ist nicht so, dass Götze unter Stöger keine Chancen bekommt, sich für den WM-Kader zu empfehlen. Schon drei Tage später stand er gegen Hannover wieder in der Startelf und lieferte ein ordentliches Spiel ab. Wirklich anfreunden mit Stögers eher konservativem System kann sich Götze aber nicht. Als zentral-offensiver Mittelfeldspieler bekommt er eigentlich alle Freiheiten, um sich inmitten der Flügelzange aus Christian Pulisic und Schürrle zu entfalten und Stürmer Michy Batshuayi mit Bällen zu versorgen.

Doch Götze wirkt verloren im offensiven Zentrum. Bedingt durch die fehlende Sicherheit im Passspiel setzt Dortmund verstärkt auf hohe Bälle im Spielaufbau und viel Flügelspiel – Gift für Götze, der seine Ballsicherheit und Passqualität dann am besten ausspielen kann, wenn viel durch die Mitte geht.

Doch selbst wenn er in Szene gesetzt wird, fehlen Götze Präsenz, Leichtigkeit, Durchsetzungsvermögen und Effektivität. “Ich wünsche mir von ihm, dass er aus seiner Position wieder mehr in die Spitze geht”, sagt Löw. Die Auswahlmöglichkeiten des Bundestrainers in der Offensive sind enorm. Von Nationalmannschaftskonkurrenten wie Leroy Sane, Mesut Özil oder auch Reus ist Götze derzeit Lichtjahre entfernt.

Nur noch sieben Spiele Zeit

In der Vergangenheit hat Löw bei großen Turnieren Kaderplätze auch als eine Art Treuebonus vergeben. Sonst wäre Lukas Podolski kaum bei der EM 2016 dabei gewesen. Diese Spieler waren aber im Gegensatz zu Götze stets Teil der Mannschaft und wurden nicht wenige Wochen vor Kader-Bekanntgabe aussortiert.

Da der BVB in allen Pokalwettbewerben bereits ausgeschieden ist, hat Götze lediglich noch sieben Bundesligaspiele Zeit, Löw davon zu überzeugen, dass er mit nach Russland muss. Die nächste Chance bietet sich ihm am 31. März, ausgerechnet im Spiel des BVB beim FC Bayern. Immerhin: Löw wird mit Sicherheit auf der Tribüne sitzen und Götze aus nächster Nähe beobachten können.

Im Augenblick ist es aber unwahrscheinlich, dass Götze am Mitte Juni in Russland Fußball spielen wird.

 

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